Die Folgen Fabiennes im Fokus

Grenzgang in Harpertshausen: Weniger Andrang wegen schlechtem Wetter

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Die Harpertshäuser Grenzgänger auf ihrer Runde.

Harpertshausen – Der Grenzgang hat Tradition in Harpertshausen: Zum 41. Mal liefen am Samstagmorgen Bürger Gemarkungsabschnitte im kleinsten Babenhäuser Stadtteil ab. Mit rund 40 Teilnehmern blieb die Resonanz allerdings hinter den Erwartungen zurück. Von Michael Just

Stets in der ersten Januarhälfte angesiedelt, verlangt die Veranstaltung von den Teilnehmern, beim Wetter nicht zimperlich zu sein. Ob Schnee von oben, die weiße Pracht Zentimeter hoch unter der Füßen, Regen, Wind, Morast oder eiskalte Minusgrade – in vier Jahrzehnten traten schon alle möglichen Rahmenbedingungen auf. Dass die lokale Feuerwehr also kurz vor dem Start stets einen warmen Likör reicht, ist nicht nur sehr aufmerksam, sondern hat auch die Bewandtnis, die Grenzgänger bei den meist nicht gerade einladenden Temperaturen für die bevorstehende Runde zu motivieren. „Trotzdem ist der Termin noch nie ausgefallen“, weiß der ehemalige Ortsvorsteher Kurt Kratz, der über viele Jahre die Organisation inne hatte.

Seit nunmehr drei Jahren liegt die Aufgabe bei Martina Seuß, seiner Nachfolgerin. Zusammen mit Stadtverordnetenvorsteher Wulf Heintzenberg, der in Vertretung von Bürgermeister Achim Knoke kam, sprach sie das Willkommen aus. Verlangte die Witterung in der Vergangenheit immer mal wieder das Modifizieren der geplanten Route, blieben Änderungen erneut nicht aus. Wie Seuß sagte, seien die Folgen durch den Sturm Fabienne noch nicht ganz beseitigt. So lasse sich die klassische „Südkurve“ an der Grenze zu Altheim nicht begehen.

Den folgenschweren Sturm rückte dann auch Försterin Tanja Wöber in den Mittelpunkt ihrer Erläuterungen. Der habe Harpertshausen ebenfalls nicht verschont und der gesamten Babenhäuser Waldwirtschaft erheblichen Schaden zugefügt. So seien im Aue-Wäldchen mehrere wertvolle Eichen abgebrochen. Diese müssten nun entnommen werden. Je nach Art der Beschädigung blieben auch einige Bäume als Unterschlupf für Vögel und Insekten stehen.

Sorgen macht laut der Försterin derzeit der Pilz „Diplodia“. Seit über 200 Jahren mit seiner rötlichen Farbe im europäischen Raum bekannt, wurde ein Befall bisher als wenig folgenschwer eingestuft, da er vor allem Totholz und kranke Bäume befällt. „Neuerdings bringt er aber die Kiefern zum Absterben“, führte Wöber an. Zurückführen lasse sich das auf den trockenen Sommer 2018, der die Bäume arg in Mitleidenschaft gezogen habe. Diese Vorschädigung komme dem Pilz nun entgegen. Für die Zukunft befürchtet die Mitarbeiterin von Hessen Forst nichts Gutes, wenn die Sommer durch Trockenheit und die Winter von viel Feuchtigkeit gekennzeichnet sind.

Warum uns die Natur so gut tut

Mit rund 40 Läufern erlebte der Grenzgang 2019 einen überschaubaren Zuspruch. In der Vergangenheit waren schon bis zu 150 Köpfe dabei. Da schienen weder Eintopf noch Kaffee und Kuchen zu locken. Beides wartete nach der Rückkehr bei der Feuerwehr, die wie gewohnt als Kooperationspartner des Ortsbeirats auftrat. Zumindest waren im Tross ein paar junge Gesichter auszumachen. Drei von acht Kerbburschen und -mädchen vom letzten Jahr entschlossen sich, Flagge zu zeigen, darunter Larissa Dreizehner: „Hier besteht die Möglichkeit, etwas von Harpertshausen zu sehen und die Natur zu erleben.“

Vor dem Start lobte die Ortsvorsteherin, dass die Stadt wieder Christbäume für die Stadtteile finanziert hat. Zudem ging sie auf die jüngste Ortsentwicklung ein. So seien die Sanierungsarbeiten in der Raiffeisenstraße abgeschlossen und man warte nun auf die Abschlussrechnung. Schöner mache das Dorf die Pflanzung von 1 000 Krokussen am Wittmunder Platz und die Erweiterung des Narzissenbandes Richtung Langstadt.

Als informativ und unterhaltend zugleich erwiesen sich die lokalen und bundesweiten Ereignisse und Schlagzeilen, die die Ortvorsteherin mit Blick auf 1978, und damit das Jahr des allerersten Grenzganges im Ort, anführte. In Babenhausen saß damals Bürgermeister Norbert Schäfer im Rathaus, in Harpertshausen wurde das DRK-Heim mit Hilfe der Bevölkerung gebaut und einige Babenhäuser Bogenschützen waren so erfolgreich, dass sie die hessische Meisterschaft errangen und sogar auf dem Niveau der Weltspitze schossen.

Bundesweit hatten die Deutschen Angst, dass der Computer Arbeitsplätze vernichtet, dazu war 1978 das Jahr der drei Päpste. Die Dollarschwäche veranlasste viele Deutsche, über den Teich nach Amerika zu fliegen. Als sich die Grenzgänger um kurz nach 10 Uhr in Bewegung setzten, war Amerika aber schnell wieder aus den Köpfen und so manche Sehnsucht passé. Der Blick fiel auf den Heimatort, der sich nach diversen Regenschauern im wenig attraktiven Januar-Blues präsentierte.

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