Ortsbeirat organisiert Grenz-Spazier-Gang

„Hübe“ und „Drübe“ am Richer Bach in Harpertshausen

Einzeln, in kleinen Gruppen oder mit der Familie lässt sich die Strecke rund um Harpertshausen gut laufen.
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Einzeln, in kleinen Gruppen oder mit der Familie lässt sich die Strecke rund um Harpertshausen gut laufen.

Wer hätte gedacht, dass es auch in Harpertshausen ein „Hibbdebach“ und ein „Dribbdebach“ gibt? Und sogar einen Sachsenhäuser Stammtisch? Beides ist sonst nur von Frankfurt bekannt, wo der Main die Stadt in einen Teil diesseits und jenseits des Flusses teilt. Ein paar Nummern kleiner gibt es das „Hüben“ und „Drüben“ auch in Harpertshausen.

Harpertshausen - Dort ist es der Richer Bach, der durch den Ort fließt, und der Wittmunder Platz repräsentiert das Viertel Sachsenhausen.

„Es gab hier sogar mal eine eigene Bürgermeisterin“, erzählt Harpertshausens Ortsvorsteher Willi Schäfer mit einem Schmunzeln. Bis vor zwei Jahren, also in der neuen Zeitrechnung „vor Corona“, sei der Wittmunder Platz häufig belebt gewesen. Der Sachsenhäuser Stammtisch traf sich dort ebenso, wie am ersten Mai zahlreiche Ausflügler, die von der Männerballett-Gruppe „Glorreiche 8“ bewirtet wurden. Nach wie vor laden Tisch und Bänke zur Rast ein. Doch seit Beginn der Corona-Pandemie ist es auch um diesen Treffpunkt ruhig geworden.

Vieles ist seit fast zwei Jahren nicht mehr möglich. Manches geht in abgewandelter Form aber dennoch. Mit Ideenreichtum und einer Art realistischem Optimismus ausgestattet, hatte Willi Schäfer schon 2021 für den Grenzgang zum Jahresanfang eine Alternative entwickelt. Bis zu 150 Teilnehmer zählte der Ortsbeirat bei den Grenzgängen, die von der Freiwilligen Feuerwehr mit organisiert wurden. „Doch in dieser großen Zahl konnten wir keine Veranstaltung durchführen und können es auch in diesem Jahr leider nicht“, sagt der Ortsvorsteher. Um gesund und einsatzfähig zu bleiben, sollten zudem die Feuerwehrleute Kontakte möglichst vermeiden, weshalb sie sich an der Organisation und Logistik nicht beteiligen konnten.

Die Grenzgänge seien aber seit über 40 Jahren so beliebt, dass der Ortsbeirat beschloss, eine Version zu erarbeiten, die sich auch für „Einzelgänger“ oder kleine Gruppen eignet. Nachdem der erste Grenzgang unter Corona-Bedingungen großen Zuspruch und viele positive Reaktionen erhalten hatte, organisierten Schäfer und der Ortsbeirat nun eine zweite Auflage. „Im vergangenen Jahr hatten wir die Strecke noch als Schnitzeljagd angelegt. An zehn Stationen auf der vier Kilometer langen Tour konnte man Buchstaben sammeln und ein Lösungswort erraten“, sagt Schäfer.

Diesmal sind die Buchstaben durch Geschichten und Geschichtchen rund um Harpertshausen ersetzt und die Strecke um zwei Kilometer verlängert worden. Die auch in den kommenden Wochen mögliche Tour beginnt an der Dorflinde in der Kirchstraße , führt über den Wittmunder Platz zum Wasserhäuschen des Künstlers Jan Bürli und weiter zur Kiesgrube, die vom Familienunternehmen Krichbaum betrieben wird. Seit etwa fünf Jahrzehnten baut die Familie dort Sand und Kies ab und liefert den begehrten Rohstoff in die Region. Weite Wege sollten mit Blick auf einen nachhaltigen Betrieb vermieden werden, erklärt Erik Krichbaum. Ein behutsamer Umgang mit den natürlichen Ressourcen und ein vergleichsweise langsamer Abbau von kleineren Mengen sind dem Unternehmen ebenfalls wichtig. Denn Kiesgruben und -seen seien auch ökologisch wertvolle Gebiete und Lebensraum für eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten.

Entlang der Felder und ein Stück durch den Wald verläuft die weitere Strecke, um schließlich im Süden wieder auf den Ort zu treffen. Dort entstand vor einigen Jahren ein kleines Wohngebiet mit etwa 30 Bauplätzen. Vor allem junge Familien zogen nach Harpertshausen. Für sie gibt es im Ort allerdings nur einen Kindergarten mit einer Gruppe. Für die Ganztagesbetreuung müssten Eltern Plätze in den Kitas der anderen Stadtteile oder der Kernstadt finden. Hier gebe es ebenso Verbesserungsbedarf wie beim Nahverkehr. Derzeit komme man um ein eigenes Auto nicht herum, wenn man in Harpertshausen wohnt und mobil sein muss, sagt Schäfer. zeta

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