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Großeinsatz bei fiktivem Waldbrand

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Zwischenstation für das Löschwasser: Bis zu 5 000 Liter fasst das Faltbecken.
Zwischenstation für das Löschwasser: Bis zu 5 000 Liter fasst das Faltbecken. © zah

Bei einer Waldbrandübung waren am Samstag 100 Feuerwehrkräfte im Einsatz.

Darmstadt-Dieburg – Schwere Zeiten auch für die Feuerwehren: Zwei Jahre lang wurden größere praktische Übungen pandemiebedingt auf Eis gelegt. Erstmals seit 2019 rückten am Samstagvormittag acht Wehren zum Großeinsatz aus. Daneben werden die Aufgaben immer komplexer und der Klimawandel schürt ein Problem: Waldbrände.

Schauplatz war der Wald bei Groß-Zimmern. Ein fiktives Feuer mitten im Grün, das rasch viel trockene Nahrung fand. Benedikt Fröhlich, stellvertretender Gemeindebrandinspektor Groß-Zimmerns, erklärte das Szenario: „Nach länger anhaltender Trockenheit ist ein Feuer ausgebrochen, das sich durch leichten Wind zu einem großen Brand ausweitet.“ Bis zu 100 Feuerwehrleute wurden erwartet, dazu Rettungskräfte der Johanniter Unfallhilfe, Ordnungsamt, Polizei und Hessen Forst. Punkt neun Uhr schrillten die Sirenen. Während eine ganze Flotte von Tanklöschfahrzeugen vorfuhr, haben alle Ruhe bewahrt: „Der Wald brennt ja bereits, Hektik bringt dich nicht weiter“, erklärt Fröhlich. Die Koordination und Verzahnung der Kräfte erfolgte Schritt um Schritt, „wenn hier ein Fahrzeug falsch fährt oder rumsteht, hast du Chaos“. Auf schmalen Waldwegen galt es, den Hol- und Bringtransport von Löschwasser, Treibstoff und weiterer Versorgung zu koordinieren. Ein Spektakel, das viele Zaungäste anzog: „Wir sind extra aus Rödermark angereist“, berichtete eine Familie, der dreijährige Henri steckte in winziger Feuerwehrbekleidung und Helm. Berufswunsch: Feuerwehrmann, was sonst.

Zwischenstation für das Löschwasser: Bis zu 5 000 Liter fasst das Faltbecken.
Zwischenstation für das Löschwasser: Bis zu 5 000 Liter fasst das Faltbecken. © zah

Zwei Jahre lang waren groß angelegte Übungen nicht möglich, sagte Kreisbrandinspektor Heiko Schecker, Leiter des Fachbereichs Brand- und Katastrophenschutz, Rettungsdienst beim Landkreis Darmstadt-Dieburg. Neun Feuerwehren aus dem Osten des Landkreises waren am Start, um den Ernstfall in Groß-Zimmern zu üben. Die Feuerwehren aus Babenhausen, Münster, Dieburg, Groß-Umstadt, Messel, Groß- und Klein-Zimmern, Groß-Bieberau, Gundernhausen und Pfungstadt waren angekündigt. Sascha Kleiser, stellvertretender Wehrführer der Groß-Zimmerner Einsatzabteilung, war hauptverantwortlich. Tatsächlich ist die Personalsituation trotz Pandemie keine Schlechte. Die 23 Kreiskommunen bieten gemeinsam 72 Freiwilligen Feuerwehren auf, die rund 2 600 Frauen und Männer in ihren Einsatzabteilungen aufbieten. Alle im Ehrenamt. „Wir haben aktuell viele Quereinsteiger, die schon älter sind und ein neues Hobby gesucht haben“, freute sich Schecker.

Die vierstündige Übung näherte sich derweil ihrem Höhepunkt: Im schnellen Wechsel wurde das Löschwasser in den Wald transportiert, in rund 5 000 Liter fassende Faltbecken gefüllt und schließlich mit Schläuchen ausgebracht. Zweimal im Jahr werden praktische Großübungen organisiert, eine im Ost- und eine im Westkreis. Während der Hochphase der Pandemie mussten digitale Schulungen und Übungen in Kleingruppen reichen, berichtete Tim Kilian, stellvertretender Wehrführer in Roßdorf – eine unzureichende Alternative. Daneben steigt die Gefahr brennender Wälder: „Die Leute unterschätzen die Gefahr“, warnt Martin Starke, der als Revierförster den Dieburger und Groß-Zimmerner Wald betreut.

Löschaktion im Wald: Neun Feuerwehren aus dem Landkreis probten am Samstag den Notfall.
Löschaktion im Wald: Neun Feuerwehren aus dem Landkreis probten am Samstag den Notfall. © zah

Die Waldbrandgefahr wächst mit dem Klimawandel – und das nicht nur im Sommer. „Bereits im Februar hatten wir Alarmstufe vier (von fünf)“, berichtet Starke. Eine achtlos weggeworfene Zigarette reiche, um die Katastrophe auszulösen. (zah)

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