Grenzgang startet mit Protest

Hapertshausen: Beim Rundgang geht’s auch um Unterstützung fürs Schwimmbad

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Rund 70 Grenzgänger machten sich in Harpertshausen auf den Weg. Tobias Brusch (rechtes Bild) vom DRK-Ortsverein war mit einer Unterschriftenliste dabei: Es geht um den Erhalt des kleinen Schwimmbades im Stadtteil.

„Heute legen wir los“, sagt Ursula Kurbel vor dem Start des Grenzgangs. Dabei hat sie aber nicht die vier bis fünf Kilometer lange Runde vor Augen, sondern das kleine Schwimmbad im Stadtteil.

Harpertshausen – Durch eine beschlossene Sparmaßnahme der Stadtverordnetenversammlung (wir berichteten) steht das vor dem Aus. Mit einer Unterschriftenliste soll dem Protest darüber Ausdruck verliehen und bei den Grenzgängern die ersten Signaturen eingeholt werden. Wer nichts tut, erreicht auch nichts“, sagt sie.

Auch das lokale DRK unterstützt die Aktion. Von den rund 70 gekommenen Bürgern unterschreiben viele. „Durch den sehr aktiven Betreiberverein braucht die Stadt im Jahr nur 8 000 Euro zuzuschießen. Das ist lächerlich, dass so ein relativ kleiner Betrag nun gestrichen werden soll“, ergänzt Kurbel, von deren neun Enkel sechs in dem Mini-Bad schwimmen lernten. Auch für die Kinder im Neubaugebiet sei es fatal, wenn diese Möglichkeit wegbrechen würde.

Mit der Unterschriftenaktion startete der 42. Harpertshäuser Grenzgang, den Ortsbeirat und Feuerwehr organisierten, etwas ungewohnt. Los ging es in nördliche Richtung zum Kiessee und von dort gen Osten zur Hißlache, dem kleinen Waldstück vor Langstadt. Der Abschluss stand wie gewohnt im Feuerwehrhaus mit einem Mittagessen sowie einer Kaffeetafel an. „Heute finden wir nach Jahren mal wieder Zeit zum Mitlaufen“, sagten Barbara und Udo Sammet. Der 68-Jährige sieht jene Erläuterungen über den Ort, die man noch nicht mitbekommen hat, als praktisch. Auch treffe man Leute, die einem eher selten über den Weg laufen.

Hapertshausen: Stillstand aufgrund der vorläufigen Haushaltsführung

Ortsvorsteherin Martina Seuß (SPD) ging in ihrer Begrüßung nicht direkt auf die Schwimmbadproblematik ein. Momentan herrsche aufgrund der vorläufigen Haushaltsführung ohnehin Stillstand. Als sich die Grenzgänger in Bewegung setzen, ist die Politik vom Tisch und mit den Ausführungen von Revierförsterin Tanja Wöber rückt die Natur in den Mittelpunkt. Laut ihren Worten wird die Aufforstung der vom Sturm geschädigten Waldflächen in einer Mischung aus natürlicher Verjüngung und Neupflanzungen bestehen. Dabei stehe die Frage, welche Baumarten sinnvoll sind, ganz oben. „Durch die Zertifizierung der Flächen sind fremdländische Bäume, die durch ihre südliche Herkunft die besten Chancen hätten dem Klimawandel zu trotzen, auf 20 Prozent begrenzt“, weiß Wöber. Bei der Exoten wolle man in erster Linie die aus Amerika stammende Robinie ausprobieren. Sie sei ein Meister gegen Trockenheit, dazu liefere sie wertvolles, weil haltbares Holz. Allerdings hat die Robinie den Nachteil dass sie ungerade wächst. Die Folge sind kurze Holzbretter, die man mit Leimbinder zusammenkleben muss.

Rund 70 Grenzgänger machten sich in Harpertshausen auf den Weg. Tobias Brusch (rechtes Bild) vom DRK-Ortsverein war mit einer Unterschriftenliste dabei: Es geht um den Erhalt des kleinen Schwimmbades im Stadtteil. Fotos: Just

Bei den heimischen Arten soll vor allem die Eiche zum Zug kommen, da deren Wurzel tief in die Böden zum Grundwasser geht.

Aufklärung gab Wöber auch zu jenen Straßenbäumen, die mit einem roten Band gekennzeichnet sind. Sie wurden von Hessen Mobil aufgrund mangelnder Verkehrssicherheit zum Fällen bestimmt. „Wie man mit kranken und schwachen Bäumen umgeht entwickelt sich durch die Klimaveränderung zum wachsenden Thema. Im letzten Vierteljahr war ich fast ausschließlich in puncto Verkehrssicherheit von Bäumen unterwegs“, legte die Försterin dar. Das dürfte sich in Zukunft für die Mitarbeiter von Hessen Forst als auch private Waldbesitzer kaum ändern: Sie stehen nämlich in der Haftung, falls durch instabile Stämme und Äste Personen- und Sachschäden resultieren.

VON MICHAEL JUST

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