Bürgermeister in Babenhausen präsentiert Zustandsbericht

Städtische Hallen im roten Bereich

Ein großes Sorgenkind: die Mehrzweckhalle in Harreshausen.
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Ein großes Sorgenkind: die Mehrzweckhalle in Harreshausen.

Rot, gelb und grün – die Ampelfarben nutzte Bürgermeister Dominik Stadler (unabhängig), um in der gemeinsamen Sitzung des Finanz- und des Bauausschusses die Situation in den städtischen Hallen zu veranschaulichen. Dass Stadthalle und Stadtmühle, deren Zustand bereits in vorangegangenen Sitzungen diskutiert wurde, mit bislang nicht bezifferbaren Kosten im roten Bereich stehen, war nicht verwunderlich.

Babenhausen - Dazu gesellen sich die Mehrzweckhalle in Harreshausen und vor allem auch das Bürgerhaus Hergershausen. Bei Letzterem zeichnet sich als „grundsätzliches Problem“ ab, dass die Lüftungsanlage vor Jahren falsch eingebaut worden ist und eine notwendige Überprüfung nicht möglich sei, da Techniker gar nicht an alle Lüftungsklappen kommen können. Ein Neueinbau wird erforderlich sein. Kostenpunkt: mehr als 300 000 Euro. Da auch Brandschutztüren fehlen und die Elektro- und Haustechnik wahrscheinlich erneuert werden muss, rechnet die Stadtverwaltung mit Kosten von 650 000 Euro. Und das, obwohl seit 2017, als Brandschutzmängel zu einer vorübergehenden Schließung führten, bereits 118 000 Euro investiert worden sind. Als Versammlungsstätte (mehr als 200 Besucher) darf das Bürgerhaus aktuell nicht genutzt werden.

Ob Stadler denn eine Aussage darüber treffen könne, was das in Zukunft konkret für von Vereinen geplante Veranstaltungen bedeute, wollte Ortsvorsteher Horst Grimm (CDU) in Erfahrung bringen. Der Bürgermeister wurde deutlich: Er könne es nicht verantworten, dass dort größere Veranstaltungen stattfinden. Wenn etwas passiere, dann heißt es: „Sie haben davon gewusst.“ Was nütze es, wenn drei Feuerwehrleute als Wache vor Ort sind, wenn der Rauchabzug nicht funktioniert. Stadler verwies auch auf ein Gerichtsurteil aus Nordhessen, wo ein Bürgermeister wegen fahrlässiger Tötung verurteilt wurde, nachdem drei Kinder in einem nicht abgesicherten Löschteich ertrunken waren. Die Gefahr war in der dortigen Stadtverwaltung bekannt gewesen. „Ich gehe dafür nicht ins Gefängnis“, machte Stadler mit Blick auf das Bürgerhaus plakativ deutlich. Wie Bau-Fachbereichsleiter Christian Heinemann zudem anmerkte, werde während einer möglichen Sanierung des Bürgerhauses dieses über einen langen Zeitraum nicht nutzbar sein.

Bereits seit Längerem gesperrt ist die Mehrzweckhalle in Harreshausen, die damit ebenfalls im roten Bereich rangiert. Dort sind vor gut vier Jahren Elektroleitungen entgegen VDE-Standard eingebaut worden. Die Stadt hat, wie berichtet, bereits ein Beweiserhebungsverfahren eingeleitet. Wie Stadler im Ausschuss ergänzte, habe das Gericht ebenfalls einen Gutachter mit der Bestandsaufnahme beauftragt. Stadler kann sich vorstellen, dass die Halle wieder von Sport- und Trainingsgruppen unter Auflagen genutzt werden könne, verbindlich zusagen wollte er dies allerdings nicht.

Haftungsansprüche werden ebenfalls bei der Markwaldhalle in Langstadt geprüft, wo bei der Installationen einer Solaranlage auf dem Dach Brandabschnitte durchbrochen worden sind. Überraschend für die Lokalpolitiker: Die Halle erfüllt wegen einer fehlenden Lüftungsanlage nicht die technischen Vorgaben als Versammlungsstätte. Das wirft vor allem Fragen hinsichtlich des Publikums bei den Bundesliga-Tischtennisspielen auf. Dennoch ist die Markwaldhalle mit einem Investitionsbedarf zwischen 50 000 und 300 000 Euro gelb markiert. Ebenso das DRK-Heim in Harpertshausen (Investitionen zwischen 10 000 und 100 000 Euro), wo der Brandschutz nicht wie vorgeschrieben umgesetzt wurde und die Elektro- und Haustechnik geprüft werden muss.

Der Arbeitskreis

Vorbehaltlich der Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag, 17. Juni, wird ein Arbeitskreis „Städtische Hallen / Bürgerzentren“ eingerichtet. Sowohl Finanz- als auch Bauausschuss stimmten mit großer Mehrheit für den CDU-Antrag. Bei der Besetzung des Gremiums gab es allerdings eine kontroverse Diskussion. Dabei ging es darum, wie viele und welche Vereinsvertreter mit von der Partie sein sollen. Zusammensetzung laut Antrag: Leitung durch den Bürgermeister, Verwaltungsmitarbeiter werden vom Magistrat bestimmt, ein Mitglied pro Fraktion und aus der Bürgerschaft jeweils die Ortsvorsteherin/ der Ortsvorsteher oder ein Mitglied des ansässigen Ortsvereinsgremiums. Manfred Willand (FDP) und Willi Schäfer (SPD) sahen die Vereine als Nutzer der Hallen unterrepräsentiert, vor allem in der Kernstadt. CDU-Fraktionsvorsitzender Rolf Gründling argumentierte, dass der Arbeitskreis arbeitsfähig bleiben müsse. SPD und FDP stimmten dem Besetzungspunkt daher nicht zu, dem Einrichten des Arbeitskreises allerdings schon. CDU, Grüne und FWB hingegen stimmten gänzlich zu. Die Anregung von Sebastian Franke (Grüne), auch ein Mitglied des Ausländerbeirates einzuladen, wurde aufgenommen. (nkö)

Nur die Friedel-Wiesinger-Halle in Sickenhofen ist derzeit uneingeschränkt nutzbar und daher im grünen Bereich. Allerdings sind dort seit 2017 auch mehr als 320 000 Euro in den Brandschutz, die Elektrik und die Lüftung investiert worden. Langfristig sind weitere 150 000 bis 300 000 Euro notwendig, um Dach und Fassade zu erneuern.

Für Gesprächsstoff im geplanten Arbeitskreis „Städtische Hallen / Bürgerzentren“ dürften neben der allgemeinen Hallensituation auch die weiteren Zahlen sorgen, die Bürgermeister Stadler in seiner Präsentation nannte. Demnach belaufen sich die allgemeinen Kosten (Betriebskosten und Abschreibung) für alle Halle jährlich auf 454 000 Euro. Dem gegenüberstehen stehen marginale Mieteinnahmen. Corona-bedingt waren es 2020 lediglich knapp 23 000 Euro. Für ein normales Jahr geht er von 40 000 Euro aus.

Um die von den Stadtverordneten eingeforderten konkreten Bestandsaufnahmen und Kostenschätzungen zu erhalten, hat die Stadt nun Gutachter beauftragt, die die Stadthalle, das Bürgerhaus Hergershausen und das DRK-Heim in Harpertshausen genau unter die Lupe nehmen sollen. (Norman Körtge)

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