Mit 82 Jahren

Georg Pollikeit legt zum 50. Mal das Sportabzeichen in Gold ab

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Geht mit 82 Jahren unter anderem noch walken und hat 2018 zum 50.-mal das Sportabzeichen in Gold gemacht: der Babenhäuser Georg Pollikeit.

Babenhausen - Auf den ersten Blick scheint Georg Pollikeit nicht zum Musterathleten geboren: Mit 1,65 Meter ist der Babenhäuser eher klein, „ich war aber nie dick und hatte nie mehr als 60 Kilo“. Von Jens Dörr 

Ein drahtiges Kraftpaket also, das in vielen Sportarten so geschickt war, dass ihm selten jemand etwas vormachen konnte. Bezogen auf heute und seine Altersklasse gilt das erst recht: Pollikeit ist 82 und hat vor wenigen Wochen zum 50. Mal das Sportabzeichen in Gold gemacht. Seine Erfolge hat der gebürtige Westpreuße, der früh Vollwaise wurde, nach dem Krieg übers Internat in Neuss, die Tante und den Vormund in Braunschweig und schließlich über Rodgau vor 41 Jahren nach Babenhausen kam, akribisch dokumentiert. Eine Unterhaltung mit Pollikeit dreht sich deshalb nicht nur über seinen persönlichen Werdegang; auch die dynamische Entwicklung des Deutschen Sportabzeichens, insbesondere der markante Wandel bei den Vorgaben ab 2013, wird dadurch überaus plastisch.

Seither sind die Anforderungen unterteilt in die Bereiche „Ausdauer“, „Kraft“ und – neu – „Koordination“. Zu letzterer Kategorie gehören mögliche Prüfungen im Schleuderball, Geräteturnen oder Seilspringen. Das wettkampfmäßige Seilspringen titulieren viele mittlerweile als „Rope Skipping“ – und Pollikeit eignete sich auch diese Disziplin noch im höheren Alter an. „Ich habe ein altes Seil genommen und bin erst einmal ein bisschen auf der Straße vor dem Haus gehüpft.“ Nach und nach wurde er auch damit warm.

Überhaupt scheute Pollikeit selten vor einer sportlichen Herausforderung zurück und setzte auch seine körperlichen Möglichkeiten clever ein. „Das Kugelstoßen war zwar nicht so meins“, gibt er zu, um zu ergänzen: „Ich habe früher aber immer das Gewichtheben gewählt.“ Für das Sportabzeichen in Gold galt die Relativgewichts-Regel, nach der man 75 Prozent des eigenen Körpergewichts stemmen musste. „Für mich hieß das, nie mehr als 45 Kilo zu bewegen“, lächelt er.

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Durch die Abstufung des Sportabzeichens in Gold, Silber und Bronze spürte er immer den Reiz, mehr als das (für Bronze) nötige Minimum zu leisten. „Dafür musste man natürlich mehr trainieren. Aber genau das ist ja der Sinn des Sportabzeichens.“ Für die Prüfungen am Stützpunkt des Turnvereins Babenhausen bereitete sich Pollikeit selbst in den beruflich besonders intensiven Zeiten vor. Einst ließ er sich zum Industriekaufmann ausbilden, später stieg er die Karriereleiter weit nach oben und arbeitete als Exportleiter bei IBM. „Selbst während eines dreijährigen Auslandsaufenthalts in Amsterdam habe ich immer die Prüfung abgelegt“, blickt der Babenhäuser zurück. Die legte er in seinen Heimaturlaub.

Seit er 33 ist, hat er durch viel Disziplin, aber eben auch der Freude am Sport kein Jahr ausgelassen und seither immer das Sportabzeichen gemacht. Mehr noch: Mit 56 Jahren brachte ihn seine Tochter zum Triathlon. Bei ihr handelt es sich um Claudia Hille, höchst ambitionierte und vielfach dekorierte Ausdauersportlerin aus Babenhausen. Auch ihr Vater Georg Pollikeit steigerte sich immer mehr in die Begeisterung für die drei Disziplinen Laufen („Die Laufschuhe hatte ich sowieso schon vorher immer dabei, auch bei beruflichen Reisen ins Ausland“), Radfahren und Schwimmen hinein, fungierte schließlich sogar als Übungsleiter auf Mallorca.

Auch heute geht Georg Pollikeit noch walken, fährt mit dem Fahrrad auch mal bis nach Rodgau zum Einkaufen und schwimmt. Auf die bewegungsarme Haut dürfte sich der Babenhäuser also auch nach 50 Goldenen Sportabzeichen nicht so schnell legen.

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