Alle Pfeifen sind raus

Renovierung der evangelischen Kirche Harpertshausen geht in nächste Phase

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In der Ecke eines Nebenraums stehen nun einige der Pfeifen während der Kirchenrenovierung.

Harpertshausen - Mitte August hat die Gemeinde ihren letzten Gottesdienst in der Harpertshäuser Kirche gefeiert. Dann begann die Renovierung. Bevor nun das Gerüst gestellt werden konnte, mussten die Orgelpfeifen abgebaut werden. Von Norman Körtge 

„Da geht außer mir keiner mehr dran“, sagt Markus Graser freundlich, aber bestimmt und zeigt auf die in der Mitte des Raumes stehenden Tische. Nach stundenlanger Arbeit liegen in dem Nebenraum der evangelischen Kirche Harpertshausen aufgeschichtet mehrere Dutzend Pfeifen der Orgel. Auf den ersten Blick wirken die klangerzeugenden Teile des Kircheninstruments robust. Dass dem nicht so ist, zeigt der Orgelbaumeister Graser. Er drückt mit dem Finger ein wenig auf das sogenannte Oberlabium. So wird die Öffnung genannt, an der der Ton entsteht. Anschließend pustet er hinein. Nichts, kein Ton. Mit einem Werkzeug glättet er die kaum sichtbare Delle wieder, bläst in die Pfeife und erzeugt den typischen Klang. „Die Pfeifen sind aus einer Zinnblei-Legierung. Das ist ganz weiches Metall“, erläutert Graser, warum die Pfeifen so empfindlich sind.

297 kleine und große Pfeifen hat Graser zusammen mit seiner im Unternehmen tätigen Ehefrau Renate und seinem Mitarbeiter Julian Best in den Stunden zuvor von der Orgel – eine Walcker-Orgel im Originalzustand, Baujahr 1908 – in der Kirche abgebaut und sie vorsichtig in den hinter der Orgelempore befindlichen Raum getragen. Dort bleiben sie nun, bis die umfangreiche Innenrenovierung abgeschlossen ist.

Begonnen hat die Renovierung, wie berichtet, vor gut zwei Wochen. Zunächst sind die Wände und Holzteile gereinigt und desinfiziert worden, um den – nicht toxischen – Schimmel zu beseitigen, berichtet Pfarrer Ulrich Möbus. Mit dem Abbau der Orgelpfeifen und dem Einschalen des Orgelgehäuses durch die Babenhäuser Tischlerei Resch ist nun der Weg freigemacht worden, um die Gerüste aufzustellen, damit die großen Arbeiten in der 1866 erbauten Kirche beginnen können.

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Unter anderem werden Klappen und Öffnungen eingebaut, um eine bestmögliche Luftzirkulation zu ermöglichen. Bislang staute sich die feuchte Luft im Inneren. Außerdem soll an der „kalten“ Nordwand eine neue Sockelheizung installiert werden, um die Raumtemperatur in den Wintermonaten besser als zuletzt regulieren zu können. Mit diesen Maßnahmen soll dann auch einer erneuten Schimmelbildung Einhalt geboten werden.

Die Gesamtkosten der Renovierung belaufen sich auf rund 300 000 Euro. Zwei Drittel davon trägt die Landeskirche, den Rest muss die Kirchengemeinde mit eigenen Mitteln aufbringen. Mit ihren lediglich 260 Mitgliedern im kleinsten Stadtteil hat sie damit eine beträchtliche Summe zu stemmen. Demnächst sollen weitere Spendenaktionen anlaufen.

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