Jürgen Schmidt hadert im Kerbspruch in Langstadt über fehlende Jugend

Kein Nachwuchs für den Kerbvadder

Jürgen Schmidt hielt den humorvoll-bissigen Kerbspruch im voll besetzten Zelt am Langstädter Feuerwehrhaus. Foto: P. Grimm

Langstadt – Das hätte dem Langstädter Ortsvorsteher Günther Eckert eigentlich klar sein müssen, dass er mit der Nummer „ich fahre über Kerb in Urlaub“ beim feiernden Volk nicht durchkommen und im Kerbspruch landen würde. VON PETRA GRIMM

„Das ist nach dem AKGB, dem Allgemeinen Kerbgesetzbuch, Paragraf 13, Absatz 3c, nicht erlaubt und bei Strafe nicht unter 50 Liter Bier an die Ausrichter zu ahnden“, so das Urteil von Kerbvadder Jürgen Schmidt, der die Abwesenheit des reisefreudigen Chefs vom Dorf am Montagmittag im voll besetzten Zelt am Feuerwehrhaus rügte. „Eine Kerb ohne Ortsvorsteher ist wie unsere Kirche ohne unseren Pfarrer“. Mit Applaus und Gelächter stimmten die Lengschder zu.

Der Vortrag des gelungen Kerbspruchs aus der Feder der beiden Feuerwehrmänner Jürgen Schmidt und Jürgen Richert gehörte zu den Höhepunkten der Kirchweih, die im Stadtteil gefeiert wurde.

Dass sich kein Nachwuchs für das Amt des Kerbvadders und keine jüngere Kerbburschentruppe findet, kritisierte Schmidt gleich zu Beginn seines Vortrags und nahm sich selbst humorvoll auf die Schippe: „Jetzt werd ihr denke, gibt’s denn kein annern für diesen Brauch. De Bart wird grau, es lasse noach die Aache, es Kerb-T-Shirt spannt üwerm Bauch. Ich ruf Euch zu, es is e Schand mit dieser Jugend. Hot nix am Hut mit dieser Tugend.“

Es sei ja kein Problem, die Kerb zu organisieren. „Doch wie können wir die Jugend für den Brauch interessieren?“ fragte der Kerbvadder in die vergnügte Zuhörerrunde. „Und wenn man nicht mehr weiter weiß, dann bildet man einen Arbeitskreis. So auch bei de Feuerwehr ihr liewe Leut. Das Ergebnis seht ihr heut“, sagte Schmidt und zeigte auf sich und seine zehn eher erfahrenen Kerbburschen und -mädchen, die den Stoffel im Schlepptau hatten.

Der komplette Montag mit Frühschoppen, Mittagstisch, Kaffee und Kuchen, der Kerbrede, Barbetrieb und der Dienstagabend mit dem Verbrennen der Kerb läuft unter der Regie der Blauröcke. Sie stemmen die Traditionsveranstaltung seit vielen Jahren engagiert und arbeitsteilig mit den „Freunden der Kerb“. Diese 14-köpfige Gruppe jüngerer Langstädter managte das Fest wieder mit viel Zeitaufwand. Sie sorgten für den Aufbau und versorgten die Gäste mit flüssiger und fester Nahrung. In diesem Jahr wurden sie bei der Freiluft-Party vor der Kirche, wo auch ein Kerbplatz mit Vergnügungsbetrieb aufgebaut war, von bestem Wetter verwöhnt. Sie freuten sich, dass am Samstagabend, als „Duodix“ spielte, gut 300 Gäste unter den Lichterketten und an den wärmenden Feuertonnen mitfeierten. Auch am Sonntag, wo nach dem Gottesdienst zum Frühschoppen mit dem Posaunenchor und dunklem Bamberger Bier eingeladen war, strömten die Langstädter und ihre Gäste zum Festplatz. Die evangelische Gemeinde sorgte für Kaffee und Kuchen.

„Wir haben die Organisation vor elf Jahren vom Veloclub übernommen, in dem die Eltern von vielen von uns drin waren“, sagte Eric Schweingruber von den „Freunden der Kerb“. Es war also ein echter Generationenwechsel, bei dem der Staffelstab vom Veloclub an die eigenen Kinder weitergegeben wurde.

Apropos Kinder. Auch zum Thema „Nachwuchs“ gab es eine tolle Geschichte beim Kerbspruch zu hören. So hatte ein „technisch versierter“ Langstädter vor der Geburt seines Kindes für alle „relevante Bekannte“ eine WhatsApp-Gruppe aufgebaut. „Damit, wann’s los geht, schnell und effizient alle benachrichtigt wern und komme angerennt.“ Lustig kann es werden, wenn man jede Menge WhatsApp-Gruppen hat. So hat der werdende Vater in der Fastnachtszeit, als er sich mit seinen närrischen Bekannten zum Mosbacher Umzug auf den Weg machen wollte, die Nachricht „Auf, es geht los“ – man ahnt es schon – nicht an die Fastnachtsgruppe geschickt, sondern aus Versehen die „Geburten-Nachricht-App gedrückt“, berichtete Schmidt.

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