Workshop der Kinder- und Jugendförderung Babenhausen mit Graffiti-Profis

Kinder sprühen Graffitis an die Sporthalle

Drei der Teilnehmer, Noely, Jan und Hannamaria (von links), präsentieren ihr Gemeinschaftswerk – jeder vor seinem Kontinent. Emma und Elisa sind früher heimgegangen.
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Drei der Teilnehmer, Noely, Jan und Hannamaria (von links), präsentieren ihr Gemeinschaftswerk – jeder vor seinem Kontinent. Emma und Elisa sind früher heimgegangen.

Beim Street-Art-Workshop der Kinder- und Jugendförderung der Stadt Babenhausen haben die Kids am Samstag die Babenhäuser Sporthalle mit Graffitis besprüht. Mit dabei waren auch einige Profis, die ihnen Tipps gegeben haben.

Babenhausen – Das charakteristische Klacken ertönt, als Jan die Dose schüttelt. Ein Sprühgeräusch folgt, und die grau gehaltene Kreissporthalle der Offenen Schule Babenhausen hat wieder ein buntes Graffiti mehr – und zwar ein legales in Jans Fall. Der Zwölfjährige nahm am Samstag am Street-Art-Workshop teil, der von der Stabsstelle „Jugend, Sport & Kultur“ im Rahmen des Kultursommer-Programms „Local Heroes“ organisiert und von Spray-Künstler Ben Olschewsky geleitet wurde.

Der Babenhäuser ist kein Unbekannter für die Kinder- und Jugendförderer. Vergangenes Jahr hat der 34-Jährige zusammen mit Kids einen Jungenkopf samt Slogan „I am human“ in der Bahnunterführung zur Wilhelm-Leuschner-Straße auf die Wand gebracht. Oder gemeinsam mit Freundin Lisa Josek – als Team sind sie die Kunstköpfe – die Kinderbilder an die Stadthalle.

„Legale Graffitis sind der beste Schutz, um illegale Schmierereien zu verhindern“, findet Michael Spiehl. Er führt mit Lara Kresz die erst fünf Monate junge Stabsstelle, ist aber schon seit 1998 im Geschäft um die Jugendförderung. Vor gut 20 Jahren regte er das Graffiti am Jugendcafé an, eine Collage unter anderem aus Billardspielern, Kletterern und Fußballern. Der Mann, der damals im Projekt mit Jugendlichen die Farbe in die immer noch vorhandene Komposition sprühte, war am Samstag ebenfalls dabei: Siggi Schlee, inzwischen Werbeagenturleiter in Aschaffenburg. Diesmal besprayte der heute 46-Jährige nur Workshop-begleitend die Wände der Sporthalle. Mit zwölf Künstlerkollegen aus dem Rhein-Main-Gebiet – allesamt Männer und einige schon jenseits der 50. Auch Graffiti-Macher werden eben älter, und trotz Ausnahmen wie Olschewskys Freundin ist Graffiti-Kunst wohl weiterhin Männerdomäne.

Der 51-jährige Bernd aus Aschaffenburg mit Künstlername Sten sprühte außer seinem Tag noch einen Handballer der in der Sporthalle trainierenden SG Rot-Weiss.

Die Stile der Künstler sind unterschiedlich. Die meisten arbeiteten freihändig mit der Sprühdose nach eigenen Skizzen, die sie vorher gezeichnet haben. Bei ihnen selbst überlassener Motivwahl. Matthias (43) aus Waldaschaff, Kunstlehrer von Beruf, entschied sich für einen Basketball spielenden Goofy. Das Küken, der 21-jährige Philipp aus Großostheim, übertrug Fotos von Sport-Events – als einer der wenigen per Schablone. Vorherrschend sind große Schriftzüge von Künstlernamen – Tags, wie sie bezeichnet werden. „Joan“ prangt da nun als Schlees Pseudonym, „Krixl“ steht direkt daneben. „Sten“ hat sich auf der gegenüberliegenden Seite des Gebäudes verewigt – dort, wo auch Jan und die vier Mädels Hannamaria, Noely, Emma und Elisa unter Olschewskys Führung am Werken waren. Was die Geschlechterverteilung betrifft: positiv gegenläufig zu den Erwachsenen. Alle Fünf hatten vorher noch nie eine Dose in der Hand und lernten erst mal, für welche Linie man welchen Sprühaufsatz braucht. Ihr vorgegebener Auftrag: die Weltkarte mit dem Spruch „Save Earth, save Live“ (Bewahre die Erde, bewahre das Leben). Etwas Bildhaftes mit Hilfe von Schablonen.

Stencil-Technik heißt das Sprayen mit der Schablone, erklärt Leiter Olschewsky. Den papiernen Schriftzug in der Größe von drei auf ein Meter rollte er mit seinen Schülern aus, ließ sie alles sorgfältig mit dem Cuttermesser ausschneiden und dann an der Wand befestigen. Die Umrisse der Kontinente hatte er schon am Abend vorher mit Klebeband aufgebracht. Eine Drei-Stunden-Aktion. Sie hat sich gelohnt: Das pastellfarbene Ergebnis ist ein Hingucker, und die Kids sind begeistert. Jan erzählt zufrieden: „Ich habe Europa und Afrika gemacht.“ Und die Farbverläufe in den Kontinenten waren gar nicht so ohne. Entweder wurden sie durch geschicktes Übersprühen geschaffen oder mit der Spachtel. Wer genau hinschaut, sieht einzelne Kunstelemente wie das Einhorn bei Asien, an dem die elfjährige Hannamaria besonders viel Spaß hatte.

„Das Thema ,Klimaschutz‘, das Motto, das sich durch unser ganzes Jahresprogramm 2021 zieht, ist toll umgesetzt“, freut sich Spiehl. Lokale Unternehmen der Stadt wie die Tischlerei Grimm, die Steuerberatung Blickhan, das Kieswerk Schuhmann & Hardt und GoHardware hatten als Sponsoren den Workshop ermöglicht, sodass die vom Bundes-Förderprogramm „Neustart Kultur“ erhaltenen 6 200 Euro auch in die restlichen Babenhäuser Sommer-Acts fließen konnten – alle wie der Workshop Teil des Landkreis-Programms „Open Air, live und bunt – Sommerkultur im LaDaDi“. Finanzielle Unterstützung ist das eine, tatkräftige die andere: Letztere hat das Hausmeisterteam der Halle geleistet, das im Vorfeld alle Wände grau grundiert hatte. Sprühfertig vorbereitet für Kinder und Künstler, deren Tags, Figuren und Bilder nun farbenfrohe Abwechslung in den Schulalltag zaubern. (zkn)

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