Kreatives vor bröckelndem Putz

Babenhausen: Kunst-Ausstellung „Gestern ist auch Morgen“ im Kommandeurshaus  

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Die Aussteller: Jens Schader (von links), Francisca Hausch, Sonja Schilling-Zimmer, Waltraud Zinßer und Kurt Schlösser. 

Collagen, Betonobjekte, Papierkunst, Skulpturen aus Ton, Öl- und Acrylgemälde, Aquarelle und als besonderes Highlight – im wörtliche Sinne – Lichtprojektionen: Das kreative Spektrum der Kunstausstellung in den Kaisergärten, die an den ersten drei Novemberwochenenden geöffnet sein wird, ist breit.

So unterschiedlich die Arbeitsweisen und die Exponate auch sind, die fünf Künstler möchten doch in einen Dialog miteinander und mit ihrer Umgebung eintreten.

Neben den drei bekannten Lokalmatadoren, den Babenhäusern Sonja Schilling-Zimmer (Skulpturen) und Kurt Schlösser (Malerei, Aquarelle) sowie der Hergershäuserin Francisca Hausch (Betonarbeiten, Objekte, Collage) präsentieren Waltraud Zinßer aus Griesheim (Papier, Foto, Collage) und der Darmstädter Jens Schader (Lichtprojektion) ihre Werke.

Der Titel der Ausstellung „Gestern ist auch Morgen“ passt auf jeden Fall hervorragend zum Ambiente. Schließlich gibt es in Babenhausen wohl wenige Orte, an denen sich – wie auf dem ehemaligen Kasernengelände – Vergangenheit und Zukunft so unmittelbar begegnen. Das frühere Kommandeursgebäude – seit Jahren verlassen und mit morbidem Charme – wird den Rahmen für die zeitgenössische Kunst bieten. „Wir haben uns von dem unrenovierten, denkmalgeschützten Gebäude inspirieren lassen und möchten „das Gestrige“ durch unsere Kunst mit dem „Morgen“ in Verbindung bringen“, so die fünf Kreativen.

Das Ausstellungsplakat zeigt neben dem Ausschnitt einer alten Zeichnung der Kaserne von 1903 auch ein Foto aus dem Inneren des historischen Gebäudes, eine Wand mit abbröckelndem Verputz. „Im Zentrum des Kommandeursgebäudes befindet sich ein großer, hoher Raum, von dem mehrere kleinere Räume abgehen. Wir nutzen für unsere Präsentation alle Räume und beide Etagen des Gebäudes“, sagten die Künstler bei einem Vorbereitungstreffen im „Atelier Werkstatt“ von Hausch, in dem die in Den Haag geborene Künstlerin seit vielen Jahren nicht nur selbst kreativ ist, sondern auch Workshops und Malkurse leitet. Die experimentierfreudige Wahl-Hergershäuserin bevorzugt Acrylmalerei, Misch- und Drucktechniken, Papierkunst und Objektmalerei. Durch die kontrastreiche Arbeitsweise in Acryl, erweitert durch Collagen, Wachs, Druck- und Transfertechniken, entstehen mehrere Bildebenen. Sei einigen Jahren beschäftigt sie sich auch mit Beton, den sie mit anderen Materialien, wie Draht, Plexiglas oder auch Wachs kombiniert.

Architekt Schlösser, der bereits als Kind ein begeisterter Maler war, erhielt besondere Anstöße durch Studium und Beruf, aber auch Aquarellseminare und private Studienreisen in der Toskana und durch Mali. Seine vielfältigen Motive holt er aus Alltagssituationen, der Natur und seinem Beruf. Mit Karikaturen übt er auch Zeitkritik. Neben Gemälden in Öl, Acryl, Aquarell und Hinterglas fertigt Schlösser Zeichnungen mit Bleistift, Tusche und Kreide sowie Spachteltechnik, außerdem kleine Installationen.

Schilling-Zimmer begann als Kind unter der Anleitung ihres Vaters zu malen und zu zeichnen, wechselte später dann zum dreidimensionalen Schaffen mit Ton, das sie „von der Pike auf“ unter anderem an der Europäischen Kunstakademie in Trier erlernte. Schilling-Zimmer arbeitet vor allem gegenständlich, möchte den Menschen, seine Körpersprache, Mimik und Gestik - seine Schönheit - unverzerrt darstellen. Ihr Lieblingsmaterial ist der Ton, den sie oft mit geschlossenen Augen modelliert, um die werdende Form nur mit den Händen zu „sehen“.

Waltraud Zinßer aus Griesheim verbindet Malerei und Buchbinderei zu Papierkunst. Papier mit all seinen Facetten und Ausdrucksmöglichkeiten – ob lavierend oder deckend eingesetzt, bedruckt, gefaltet oder gerissen – hat bei ihr die Acrylfarbe abgelöst. Als Grundlage für ihre Werke verwendet Zinßer verschiedene Alltagpapiere, wie Zeitungen, Wachspapier oder Pappe, aber auch handgeschöpfte Papiere.

Der Darmstädter Jens Schader erschafft Lichtinstallationen und -projektionen, vor drei Jahren beispielsweise bereits auch im Altheimer Arthaus. In der Kaserne wird der studierte Architekt nicht nur die Fassade des ehemaligen Kommandeursgebäudes mit Gewebe aus Licht überziehen, sondern auch das Innere.

VON PETRA GRIMM

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