Künstler aus Babenhausen hat aus der Not eine Tugend gemacht

Ben Gencarelle und sein Künstlerbuch

„Adaptation“ heißt dieses Werk von Künstler Ben Gencarelle. Er ist aus den USA ausgewandert und hat sein Atelier in Babenhausen. Das Bild zeigt ihn bei den Vorbereitungen zur Gruppenausstellung „Ein ganz normaler Herbst, nur anders...“ beim Kunstverein Familie Montez in Frankfurt. Dann kam der Corona-Lockdown.
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„Adaptation“ heißt dieses Werk von Künstler Ben Gencarelle.

Auf einer langen Theke in Ben Gencarelles Babenhäuser Atelier stehen bunte, neo-expressionistischer Bilder aus seiner Serie „Album Art“. Die Leinwände faszinieren, die abstrakten Kompositionen sind voller sichtbarer Pinselstriche. Einige zeigen Creatures, kleine comic-hafte Kreaturen, oder Farbtropfen, Kratzer und obskuren Text, kombiniert mit deckenden und transparenten Farbschichten.

Babenhausen - Nur zu gerne würde der bildende Künstler seine Gemälde einen breitem Publikum in einer Ausstellung präsentieren. Der erste Anlauf des Babenhäusers ging in der Corona-Pandemie mehr oder weniger unter. Im vergangenen Dezember gab er in den Räumen des Frankfurter Kunstvereins Familie Montez (KVFM) einer großen Gruppenausstellung den letzten Schliff, da machte ihm der Lockdown einen Strich durch die Rechnung. Stattdessen hat er nun ein Künstlerbuch erschaffen.

Der US-Amerikaner Ben Gencarelle, geboren in Westerly, Rhode Island, wohnt erst seit sechs Jahren in der Gersprenzstadt. Der Heimatstadt seiner Frau Ulrike. Sie hatte den bildenden Künstler während ihres Studiums in den USA kennengelernt. Zusammen hat das Paar drei Kinder. Als einen der Gründe, warum Gencarelles von der Ostküste nach Deutschland zogen, nennt er die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten. Während er in Deutschland weiterhin als Künstler arbeitet, ist Ulrike Gencarelle Lehrerin. Und vor Kurzem bei der Kommunalwahl für die SPD in die Stadtverordnetenversammlung gewählt worden.

Ben Gencerelle ist aus den USA ausgewandert und hat sein Atelier in Babenhausen. Das Bild zeigt ihn bei den Vorbereitungen zur Gruppenausstellung „Ein ganz normaler Herbst, nur anders...“ beim Kunstverein Familie Montez in Frankfurt.

Ben Gencarelle ist einer der neuen deutschen Künstler. Als Kurator Mirek Macke im September 2020 eine Einzelausstellung im KVFM konzipierte, wurden seine Social-Media-Accounts aktiv. Kurz darauf folgte die Teilnahme an einer Gruppenausstellung mit dem Titel „Ein ganz normaler Herbst, nur anders ...“, die im vergangenen Dezember während des Lockdowns in Frankfurt stattfand. Bei dem Projekt hatte jeder Künstler einen Tag Zeit, um im KVFM zu malen.

Im Januar folgte schließlich eine Einladung von Künstler und Kurator Jos Diegel für die laufenden internationale „be**pART“-Gruppenausstellung im italienischen Atelier Montez in Rom. Gencarelles Beitrag sind 30 kleine Leinwände, deren Motive von Punk und Interaktionen während „Ein ganz normalen Herbstes, nur anders…“ inspiriert waren.

„Auslese“ präsentiert Künstlerbuch

In der Babenhäuser Buchhandlung „Auslese“, Fahrstraße 33, ist seit dieser Woche eine von Ben Gencerelle gestempelte und handsignierte, limitierte Hard-Cover-Version seines Künstlerbuchs „We Became A Book“ zu erwerben. Auf 152 Seiten sind Reproduktionen einer Serie von Zeichnungen aus 2019 und Gemälden von 2020, sowie englische Texte zu finden. „We Became A Book“ ist außerdem als Print-on-Demand-Taschenbuch veröffentlicht. Auf Instagram sind Gencerelles Werke unter @bencarelle zu finden. Alle Informationen im Internet: bgencarelle.com.

Gencarelles Themen sind Identität, Andersartigkeit und interkulturelle Kommunikation. Dementsprechend groß war und ist die Diskrepanz zu den Äußerungen und dem Handeln der US-Regierung in der Trump-Zeit. „Ben erkundet Andersartigkeit anhand von Gemälden, Zeichnungen und Sound. Seine Arbeiten untersuchen, wie diese grundsätzliche Einsamkeit jedes Menschen durch die Position des Außenseiters in Bezug auf fremde Sprache, Nationalität, Kultur, Persönlichkeit oder ungewöhnlichen Neurologie verstärkt werden kann“, beschreibt Amanda Gareis, eine Sammlerin aus Irland das Schaffen des Neu-Babenhäusers.

Gencarelle hat die Zeichnungen der Serie „We Became A Book“ (auf deutsch: „Wir werden ein Buch“) als Print-on-Demand-Taschenbuch online veröffentlicht, um weltweiten Zugriff für Kunstsammler zu ermöglichen. Die Illustrationen und Textfragmente von „We Became A Book“ erzählen, aufeinander aufbauend, die Geschichte von Kreaturen im Exil, welche verunsichert ihren Weg durch einen Ort der Einsamkeit und Verwirrung finden. Es ist eine umfassende Echtzeit-Erkundung innerhalb dessen, was es bedeutet, sich einsam zu fühlen, mit tiefgreifendem Burn-out umzugehen und letztendlich, zu heilen. (nkö)

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