Traditionsveranstaltung geht zu Ende

Sturmtief überschattet Lengschder Kerb

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Kerbvadder Jürgen Schmidt (mit Zylinder) – eingerahmt von seinen Kerbburschen und -mädchen – hielt im Festzelt an der Feuerwehrwache den Kerbspruch.

Langstadt - Mit dem Verbrennen der Kerb ist gestern Abend die viertägige Traditionsveranstaltung in Langstadt zu Ende gegangen. Überschattet worden war die Lengschder Kerb vom Sturmtief „Fabienne“. Von Petra Grimm 

Unter verschärften Bedingungen, nämlich nach dem schweren Sturm und noch mitten in Aufräum- und Sicherungsarbeiten, managten die Langstädter Feuerwehrleute am Montag „ihren“ traditionellen Festtag bei der Kerb. Hut ab vor der engagierten Truppe die es schaffte, in einer Gemeinschaftsanstrengung der ganzen Vereinsfamilie diese Herausforderungen zu bewältigen. Im Festzelt musste niemand verdursten oder verhungern und die Sturmschäden wurden auch diszipliniert abgearbeitet.

So gab es dann auch anerkennenden Applaus, als Kerbvadder Jürgen Schmidt am Ende seiner Kerbrede die Gäste im voll besetzten Zelt um Entschuldigung bat, falls irgendetwas beim Fest nicht so reibungslos laufen sollte. Durch die Einsätze sei die Organisation erschwert worden, sagte Schmidt. Denn die aktiven Feuerwehrleute, an der Spitze Wehrführer Jens Rodenhäuser, waren in der Nacht von Sonntag auf Montag bis 1.30 Uhr und am frühen Morgen schon wieder im Einsatz gewesen – für die Sicherheit ihrer Mitbürger.

Zeit zum entspannten Feiern blieb dementsprechend nur den Feuerwehrmitgliedern, die nicht ausrückten, und natürlich den restlichen Langstädtern, die am Montag bereits drei Tage Kerb hinter sich hatten. Am Freitag war es im Schützenhaus mit Haspelessen und Kerbtanz losgegangen. Den Samstag und Sonntag organisieren seit zehn Jahren die „Freunde der Kerb“, die am Samstagabend auf dem Platz vor der Kirche mit der Band „Duodix“ Live-Musik boten und mit dem Zuspruch zufrieden waren. „Die Leute mussten sich halt wetterfest kleiden in diesem Jahr“, sagte Steffen Diehl.

Am Sonntag zogen die „Freunde der Kerb“ wegen der Orkanwarnung in das Zelt bei der Feuerwehr um und bauten vor der Kirche ab. Aber die Party fand dann doch ein jähes Ende. „Wir haben das Zelt am Sonntagnachmittag wegen des Sturms aus Sicherheitsgründen geräumt“, sagte der Feuerwehrvorsitzende Alexander Lindemayer.

Bilder: Obertshausener Kerb

So war vieles ein bisschen anders dieses Jahr bei der Lengschder Kerb. Aber nicht alles. Denn der Posaunenchor spielte zum Frühschoppen, die evangelische Gemeinde beteiligte sich mit Kaffee und Kuchen und ein Kerbspruch sorgte für Gelächter im Feuerwehrzelt, das den Sturm am Sonntag ohne Schaden überstanden hatte. So konnte Kerbvadder Jürgen Schmidt zur Musik des „singenden Landwirts aus dem Odenwald“ mit seinen „Senioren“-Kerbburschen und einem Mädchen einmarschieren. Dass sich kein Jahrgang jüngerer Leute gefunden habe, bedauerte er dann auch gleich zu Beginn der gemeinschaftlich verfassten Rede, die humorige Missgeschicke, besondere Erfolge, wie den Aufstieg der TSV-Tischtennis-Damen in die 1. Bundesliga, aber auch Lokalpolitik abfeierte. Der lange heiße Sommer habe den guten wie den schlechten Bauern den gleichen Ertrag beschert. Die Lengschder vergaßen gerne ihre Haustürschlüssel, brachten Festtermine durcheinander (Kuchenspende zur falschen Zeit, am falschen Ort) oder fielen gar gut betankt ins Rosenbeet ihrer Mutter. Der Schwimmbadvertrag und der Rückzug der Bankfilialen aus den Dörfern wurden aufs Korn genommen. Eins ist Schmidt und seinen Ghostwritern dabei wichtig: „Es soll niemand beleidigt werden und Missgeschicke, die zu ernsten Verletzungen oder Geldverlusten geführt haben, haben im Kerbspruch nichts zu suchen.“

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