Vom Flair der Universiade enttäuscht

Tischtennis-Ass Janina Kämmerer ist trotzdem für eine deutsche Bewerbung

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War vom Flair der Universiade in Neapel enttäuscht, befürwortet aber die deutsche Bewerbung um die Weltspiele der Studenten 2025: Janina Kämmerer.

Alle zwei Jahre findet die Sommer-Universiade (Wortschöpfung aus Universität und Olympiade) als internationales Großereignis für sportlich ambitionierte Studenten statt – und ist mit inzwischen 13 000 Teilnehmern aus 170 Nationen nach den Olympischen Sommerspielen die zweitgrößte Multisport-Veranstaltung auf dem Globus. 

Langstadt – Bei der 30. (Sommer-)Auflage in Neapel war unter den 130 deutschen Teilnehmern jetzt auch eine Langstädterin: Tischtennis-Ass Janina Kämmerer schnitt in der italienischen Küstenstadt sportlich zwar ordentlich ab, war vom Flair der Universiade aber enttäuscht. .

Für die Weltspiele hatte sich die 21-Jährige, die an der Frankfurter Goethe-Uni Mathe, Deutsch und Sport auf Grundschullehramt studiert, im November 2018 als Viertelfinalistin eines Ranglisten-Turniers der deutschen Frauen-Elite qualifiziert. Ihr Potenzial demonstriert Kämmerer seit Kindesbeinen für die Tischtennis-Teams des TSV Langstadt, für den sie auch in der Saison 2019/20 im Dritt- sowie Erstliga-Team auflaufen wird.

In Bella Napoli mischte die Bundesliga-Spielerin sowohl im deutschen Team als auch im Einzel und im Doppel mit. "Im Team hatten wir Lospech und sind im Achtelfinale auf China getroffen", berichtet Kämmerer. Was es bei jedem Tischtennis-Interessierten klingeln lässt: An der Weltmacht gibt es in dieser Sportart in der Regel kein Vorbeikommen. Und China habe freilich keine ambitionierten Studenten aus der zweiten oder dritten Reihe nach Neapel geschickt, sondern Weltklasse: "Eine Chinesin war zum Beispiel die Nummer 20 der Welt." Ob die eine "echte" Studentin mit der Hauptlast auf Vorlesungen und Büffeln sei? Kämmerer lächelt: "Die macht garantiert nichts anderes als dreimal am Tag zu trainieren." Zumindest formal an einer Hochschule eingeschrieben sein muss jeder Universiade-Teilnehmer.

Der Austausch hielt sich in Grenzen

Im Doppel schied Kämmerer mit ihrer Partnerin gegen ein schwedisches Duo aus, im Einzel gewann sie ihre Gruppe. Danach folgte ein weiterer Sieg in der K.-o.-Runde, ehe gegen eine Russin Endstation war. Auch Alena Lemmer, die ebenfalls für den TSV Langstadt aufschlägt, im Gegensatz zu Kämmerer jedoch keine "waschechte" Langstädterin ist, musste vorzeitig die Segel streichen.

Letztlich hatte sich Kämmerer allerdings vor allem vom Drumherum etwas mehr versprochen. "Meine Erwartung vorher war, dass der olympische Gedanke gelebt wird, zum Beispiel über ein olympisches Athletendorf." Derlei habe sich aber nicht erfüllt: Ein olympisches Dorf habe es diesmal nicht gegeben, das Tischtennis-Team sei in einem Hotel in der Nähe von Neapel untergebracht gewesen. Auch der Austausch mit den anderen Sportlern habe sich in Grenzen gehalten - mit einer Ausnahme: "Die Eröffnungsfeier vor vielleicht 30  000 Zuschauern war toll, da wurde auch der ,Team Deutschland’-Gedanke gelebt."

Danach habe sich die Universiade für sie "leider nur als reine Tischtennis-Veranstaltung entpuppt". Dazu noch in einer ziemlich leeren Halle: "Etwas mehr Zuschauer waren nur da, wenn die Italienerinnen gespielt haben." Letztlich hätten sich die Gastgeber zwar Mühe gegeben und durchaus versucht, in der Stadt etwas Universiade-Atmosphäre zu versprühen. "Die Organisation war aber schon etwas chaotisch", konstatiert die Langstädterin. Mitunter habe man zwei Stunden auf den Bus warten müssen.

Grundsätzlich eine gute Sache

Dennoch ist Kämmerer der Ansicht: Die Universiade ist grundsätzlich eine gute Sache. "Man kann aber noch mehr draus machen", glaubt sie – was Deutschland in ein paar Jahren nachweisen könnte: Der Allgemeine Deutsche Hochschulsportverband (ADH), der seinen Sitz am Campus Dieburg der Hochschule Darmstadt hat, ist vor wenigen Wochen mit einer Absichtserklärung beim Hochschulsport-Weltverband FISU in den Bewerbungsprozess um die Universiade 2025 eingestiegen. Interesse an einer Universiade-Ausrichtung haben neben Berlin, Leipzig, und der Metropolregion Rhein-Ruhr auch Frankfurt bekundet. Einmal, 1989 in Duisburg, fand die Sommer-Universiade bereits in der Bundesrepublik statt. Die Winter-Universiade war noch nie in Deutschland, findet 2021 aber im schweizerischen Luzern statt.

Für Janina Kämmerer kommt das mögliche Heimspiel auf alle Fälle zu spät: Sie ist trotz junger Jahre bereits auf der Zielgerade ihres Studiums und hat vor wenigen Tagen die letzten Klausuren hinter sich gebracht. Ehe sie exmatrikuliert wird und dann als Universiade-Kandidatin automatisch wegfällt, muss sie "nur" noch das Examen meistern.

Jens Dörr

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