Margarete Stefan hat eine Lebensmittel- und Pflanzenbörse ins Leben gerufen

„Es ist gut für die Seele“

Schaafheim - Vor einem Jahr hat Margarete Stefan federführend die Schaafheimer Lebensmittel- und Pflanzenbörse ins Leben gerufen. Das Motto lautet: „Warum nicht mit denen teilen, die zu wenig haben?“.

Nach dem Anlauf hat sich unser Mitarbeiter Michael Just mit Margarete Stefan zu einer ersten Bilanz getroffen.

Was ist die Intention der Schaafheimer Lebensmittel- und Pflanzenbörse?

Vorrangig geht es natürlich darum, anderen zu helfen. Trotz unserer wohlhabenden Gesellschaft stehen viele am Rand: Stichwort Altersarmut oder die prekäre Situation der Alleinerziehenden. Die Gruppe derer, denen es nicht gut geht, ist größer als gedacht.

Ihr orientiert euch am „Food-Sharing“, was es bundesweit gibt, unter anderem auch in Groß-Zimmern. Wie sieht dieses Teilen von Lebensmitteln genau aus?

Jeder, der zuviel im Garten oder im Kühlschrank hat, kann Übermengen zu uns bringen. Wichtig ist, dass so wenig wie möglich weggeschmissen wird. Wir sagen: Besser Essen verschenken als entsorgen. Wer möchte, kann auch tauschen. Zudem holen wir Produkte, die am Ablaufdatum liegen, von Lebensmittelmärkten ab. Derzeit ist der Norma in Mosbach unser wichtigster Kooperationspartner. Dort fahren wir freitags hin, die Abgabe erfolgt samstags von 17 bis 19 Uhr im Glockenturm der katholischen Kirche.

Verlangen Sie Geld für die Ware? Wie viel darf jeder mitnehmen?

Nein, bezahlen muss man nichts. Die Mitnahme ist auf fünf Artikel beschränkt. Das haben wir im letzten Winter geändert, als ein alleinstehender Mann seinen Rucksack immer vollmachte. Dazu gab es ein Paar, das sich unter anderem gleich zwei Packungen Kaffee und zwei Päckchen Pralinen mitgenommen hat. Da empfand ich meine Arbeit als ausgenutzt. Bei Frischwaren sehen wir das anders, die müssen natürlich weg.

Was ist der wichtigste Unterschied zu den Tafeln oder anderen Einrichtungen, die Lebensmittel als soziale Unterstützung ausgeben?

Wir verlangen keine Bescheinigungen für die Not, sprich Einkommens- oder Arbeitslosennachweise. Jeder, ob bedürftig oder nicht, kann zu uns kommen. Das war mir wichtig. Grundsätzlich geht es, neben der Hilfe, um einen verantwortungsvollen Umgang mit Lebensmitteln.

Wie breit sind Sie aufgestellt?

Wir haben vier ehrenamtliche Helfer, als Raum stellt uns die katholische Kirche in Schaafheim den Glockenturm kostenfrei zur Verfügung. Dort haben wir Regale und einen Kühlschrank. Das Abholen erfolgt mit privaten Autos. Wir sind kein eingetragener Verein, sondern ein Interessenkreis.

Ohne Verein keine Mitgliedsbeiträge. Wie sieht es mit der Kostendeckung aus?

Bisher fallen keine großen Unkosten an. Der Raum in der Kirchengemeinde ist die entscheidende Grundlage. Auch wenn es derzeit immer enger wird, ist dies die einzige öffentliche Räumlichkeit, die wir in Schaafheim nutzen können.

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Eure Idee geht über das Verteilen von Lebensmittel hinaus. Was gibt es noch?

Wir haben auch Tierfutter, Pflanzen und andere nützliche Dinge für den Haushalt. Im Prinzip kann man alles hierher bringen, womit sich anderen helfen lässt.

Wer kommt und wie groß ist die Zahl?

Es kommen die unterschiedlichsten Leute. Deren Zahl wechselt: Manchmal sind es nur zwei, manchmal acht. Eigentlich kommt immer jemand. Wir haben natürlich das Problem, dass man sich durch die dörfliche Struktur in Schaafheim kennt und deshalb gerade bei vielen Älteren ein Schamgefühl vorliegt, zu uns oder auch aufs Amt zu gehen.

Sie engagieren sich auch persönlich mit gebrauchten Kleidungsstücken?

Ich nehme diese entgegen und gebe sie an Bedürftige weiter. Das mache ich seit 15 Jahren in einem Nebenraum meiner Schneiderwerkstatt. Für die Kleidungskammer wäre ebenfalls mehr Platz notwendig.

Was sind die zukünftigen Ziele der Lebensmittel- und Pflanzenbörse?

Wir möchten vor allem bekannter werden. Das streben wir unter anderem mit Bannern an, die wir an die Straße hängen. Der Bürgermeister findet unsere Arbeit gut und hat auch schon die Werbetrommel gerührt.

Warum engagieren Sie sich?

Das lässt sich ganz einfach beantworten: Weil es gut für die Seele ist.

Rubriklistenbild: © dpa

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