Stellenabbau

Trotz Milliarden-Auftrag: Stellenabbau am Continental-Werk schreitet voran

An der VDO-Straße werden die neuartigen OLED-Displays nicht produziert. Im Werk geht vielmehr der Stellenabbau voran.
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An der VDO-Straße in Babenhausen werden die neuartigen OLED-Displays nicht produziert. Im Werk geht vielmehr der Stellenabbau voran.

Ein Milliarden-Auftrag für Continental hat am Werk in Babenhausen bei Darmstadt kurz Hoffnung geschürt. Doch nun folgt Ernüchterung.

Babenhausen - Den Schlagzeilen aus der Vorwoche folgt die Ernüchterung. „Der Auftrag hat keine Auswirkungen auf die Transformation und Zukunft des Standorts Babenhausen“, teilt ein Continental-Unternehmenssprecher auf Nachfrage mit.

Heißt: Von dem verkündeten Großauftrag – die Rede ist von einem Auftragsvolumen von rund einer Milliarde Euro – für neuartigen OLED-Displays für den Autoinnenraum hat das Werk in der Gersprenzstadt nichts. Und das, obwohl an der VDO-Straße im Babenhäuser Norden seit Jahren auch die zukunftsweisenden digitalen Instrumentenanzeigen entwickelt und gebaut werden.

Continental-Werk in Babenhausen (Kreis Darmstadt-Dieburg): Höchstens Testlauf denkbar

Lediglich die Entwicklungsabteilung sei zu einem kleinen Teil involviert, wie Betriebsratsvorsitzende Anne Nothing berichtet. Die Berichterstattung über den Milliarden-Auftrag habe selbstverständlich für Unruhe in der Belegschaft geführt, doch die Aussagen der Unternehmensleitung hätten für Klarheit gesorgt.

Zwar sei über den Auftrag gesprochen worden, doch Euphorie sei nicht aufgekommen, erzählen Continental-Mitarbeiter. Bestenfalls, so war eine der Vermutungen, werde in Babenhausen ein Testlauf unternommen. Und wenn dieser funktioniere, die Serienfertigung in Billiglohnländer wie Rumänien verlagert. In den zurückliegenden Monaten seien schon einige Montagebänder im Werk abgebaut worden. Viele würden befürchten, dass wenn ab Januar 2023 der Kündigungsschutz ablaufe, es dann die erste große Kündigungswelle gibt.

Continental-Werk in Babenhausen (Kreis Darmstadt-Dieburg): 1900 Stellen bis 2025 fallen weg

Der Personalabbau in Babenhausen gehe indes auch „peu à peu“ voran, heißt es aus dem Betriebsrat. „Wir versuchen zu unterstützen, wo es nur geht“, sagt Nothing. Nach Streiks Ende vergangenen und Anfang diesen Jahres hatten sich das Unternehmen und die IG Metall unter anderem darauf verständigt, dass die Laufzeit des Werkes um drei Jahre verlängerten wird – anstatt 2025 nun 2028 –, dass aber bis Ende 2025 1 900 Stellen wegfallen sollen. Statt etwa 3 300 Arbeitsplätze (Anfang 2021) sollen es Ende 2025 eben nur noch 1 400 sein, davon 430 in der Produktion selbst. Dazu gab es einen Sozialtarifvertrag mit Abfindungszahlungen.

„Wir haben in Babenhausen bis jetzt an die 300 Arbeitsplätze über sozial verträgliche Maßnahmen abgebaut“, heißt es dazu aus der Continental-Pressestelle. Dazu zählten sowohl Altersteilzeitregelungen als auch interne Vermittlungsangebote an andere Standorte. „Auch unser internes Qualifizierungsangebot wird bereits von über 50 Mitarbeitern genutzt. Davon werden die ersten bereits Anfang nächsten Jahres ihren IHK-Abschluss machen.“ (Norman Körtge)

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