Prozess gegen Ex-Spieler

FSV Münster: Perspektiven nach der Schiri-Attacke - Verein blickt nach vorne

FSV-Münster: So sieht ein Rasen aus, der seit Monaten nicht mehr gepflegt wird: Der südliche der beiden Fußball-Plätze soll ans Dieburger Autohaus Beck verkauft werden. Foto: Dörr
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FSV-Münster: So sieht ein Rasen aus, der seit Monaten nicht mehr gepflegt wird: Der südliche der beiden Fußball-Plätze soll ans Dieburger Autohaus Beck verkauft werden. Foto: Dörr

Es war ein Vorfall, der national durch die Medien ging: Ein Spieler der FSV Münster schlug am 27. Oktober 2019 bei einem Spiel der Kreisliga C Dieburg zwischen der Freien Sportvereinigung und dem TV Semd kurz vor Schluss nach einem Platzverweis den Schiedsrichter per Faustschlag nieder.

  • Der 27. Oktober war ein schwerer Schlag für den FSV Münster
  • Verein möchte nach vorne gehen: Fokus auch auf andere Sportarten als Fußball
  • Infrastruktur kaum genutzt: FSV Münster will Platz verkaufen

Münster - Ein Zuschauer filmte den Vorfall, der für den Unparteiischen im Krankenhaus, für den Verein mit der Abmeldung seines Männerteams und für den Täter mit einer dreijährigen Sperre durch das Sportgericht des Fußball-Kreises Dieburg endete. Am kommenden Donnerstag verhandelt nun auch das Amtsgericht Dieburg den Fall.

Münster: Dem FSV mangelt es an Fußball-Teams

Die „Freien“, wie sie in Münster genannt werden, verfügen über ein stattliches Sportgelände, das am Ortsrand kurioserweise noch auf Dieburger Gemarkung liegt, wodurch beispielsweise der Pächter der Vereinsgaststätte in der Nachbarstadt und nicht in Münster steuerpflichtig ist. Das Gelände besteht aus zwei Naturrasen-Großfeldern, einem Biergarten, einer Freifläche für Veranstaltungen sowie dem Gebäudekomplex aus Gaststätte und Sporthalle.

Die Ausnutzung der Infrastruktur ist mittlerweile aber mager: Junioren-Fußball gibt es bei der FSV Münster nicht mehr, der vor wenigen Jahren noch boomende Frauen- und Mädchen-Fußball ist nach dem Weggang zentraler Trainerpersönlichkeiten auf ein Juniorinnen-Team geschrumpft. Gekickt wird vor Ort ansonsten nur noch von den Alten Herren.

FSV Münster: Comeback eines Fußball-Teams verläuft sich im Sand

Auch in der neuen Saison 2020/21 werde sich daran nichts ändern, sagt FSV-Vorsitzender Peter Samoschkoff: Die „Freien“ werden nach dem Rückzug ihres Teams und der abgelaufenen Sechs-Monats-Sperre durch das Kreissportgericht kein Aktiventeam melden. „Aus der ehemaligen Mannschaft haben zwar einige Spieler gefragt, ob sie bei uns wieder ein Team stellen können“, berichtet Samoschkoff und sagt auch, dass die FSV gegen ein Comeback eines Aktiventeams keine prinzipiellen Einwände habe. Diese Anfrage der Spieler verlief sich zuletzt aber im Sand.

FSV Münster: Fußball und Ringen - Verein darbt im Jugendbereich

Während im Verein die Fastnacht mit ihrer stets ausverkauften Sitzung in der Münsterer Kulturhalle weiter lebendig ist, spielen sportlich neben den kickenden Alten Herren und dem Juniorinnen-Team nur noch die Ringer eine Rolle. Die FSV hält kontinuierlich eine Mannschaft in der Hessenliga, darbt aber im Jugendbereich.

Weil der Verein in sportlicher Hinsicht mit einem „Weiter so“ kaum mehr eine Zukunft hätte – im Fußball ist in der 15 000-Einwohner-Gemeinde der SV Münster übermächtig, sodass in dieser Sportart bei den „Freien“ kaum noch etwas machbar scheint –, sucht das Vorstandsteam neue Wege. Beschlossen ist intern der Verkauf des südlichen der beiden Sportplätze an das Dieburger Autohaus Beck, das auf dem Grün seinen Neubau errichten will. Der Verkauf ist entgegen einstiger Hoffnungen des Vereins bis jetzt aber noch nicht über die Bühne gegangen, was laut Samoschkoff auch mit der Corona-Krise zu tun hat. Er rechnet nun erst mit einer Transaktion „in einem Jahr“.

FSV Münster will nach vorne - Neben Fußball auch Volleyball und Badminton

Mit dem Geld, das die FSV Münster für einen ihrer beiden Sportplätze einnehmen würde, will sie dann nach vorne gehen: „Wir wollen das Geld in unsere Halle stecken, den Boden neu machen und dort dann auch andere Spielfelder einzeichnen.“ So sollen perspektivisch bei den „Freien“ unter anderem Volleyball und Badminton möglich sein. Gedanken gibt es auch, Kurse im Bereich des Gesundheitssports anzubieten, durch neue Sportangebote in der Halle also attraktiv für neue Zielgruppen zu werden. „All das können wir aber erst machen, wenn das Geld für den Sportplatz geflossen ist“, betont Samoschkoff. Deshalb liegt die Hallensanierung derzeit auf Eis.

VON JENS DÖRR

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