Babenhausen: Oldtimer hinter dem Kasernenzaun

Reithalle von 1908 als neuer Firmensitz

Eine Reithalle von 1908 ist der neue Sitz von „Classic Concept“. Sie ist eine der elf denkmalgeschützten Gewerbehallen in den Kaisergärten, die neu bezogen werden.
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Eine Reithalle von 1908 ist der neue Sitz von „Classic Concept“. Sie ist eine der elf denkmalgeschützten Gewerbehallen in den Kaisergärten, die neu bezogen werden.

US-Oldtimer in der Reithalle von 1908: Marcel und Tina Klein stehen im historischen Teil des Kasernengeländes mit „Classic Concept“ in den Startlöchern. Sie haben jetzt viel mehr Platz als in Sickenhofen.

Babenhausen – Noch wird die Entwicklung des 60 Hektar großen Babenhäuser Kasernenareals („Kaisergärten“) durch das Warten auf den Bebauungsplan gebremst. Im Gewerbegebiet im Süden sowie im Kreativquartier im Nordwesten der Konversionsfläche können bislang allenfalls Bestandsgebäude bezogen und mit unternehmerischem Leben gefüllt werden.

Im Kreativquartier an der Aschaffenburger Straße (innerörtlicher Teil der B 26) gehören Marcel und Tina Klein zu den Pionieren: Mit seinem auf US-Cars spezialisierten Oldtimer-Handel Classic Concept GmbH und zwei weiteren Mitarbeitern ist das Ehepaar in die einstige, 1908 erbaute Reithalle des Ende des 19. Jahrhunderts errichteten Garnisonsstandorts gezogen.

Dort könnte der 35-jährige Inhaber, der aus Münster stammt und mit seiner Frau in Babenhausen wohnt, im Grunde längst „on fire“ sein. Der Startschuss für den regulären Publikumsverkehr muss aber noch warten, „unser Plan und unsere Hoffnung ist es, im März 2021 die Saisoneröffnung durchzuführen und damit offiziell loszulegen“. Derzeit basiert das Geschäft in den „Kaisergärten“ noch auf Terminvereinbarungen. Um nach Anmeldung zu Classic Concept und der Classic Car Collection zu gelangen, passiert man das Tor auf Höhe der Hausnummer 35. Die Verkehrswege auf dem Gelände sind noch nicht für die Allgemeinheit hergerichtet und auch in der Nachbarschaft des Autohändlers steckt das Quartier noch in den Kinderschuhen.

Marcel Klein, seit zehn Jahren selbstständig und mit seinem Betrieb zuvor in Sickenhofen angesiedelt, ist dennoch begeistert vom neuen Umfeld. Nicht nur, dass er seine Werksfläche auf nun 800 Quadratmeter vervierfacht hat, eine Halle im historischen Komplex für die Aufbereitung seiner Schätzchen nutzt und eine weitere als Showroom, dazu draußen mehrere Dutzend Stellplätze hat. „Es ist auch absolut spannend, als einer der Ersten bei der Entwicklung des Viertels dabei zu sein“, schwärmt er. „Das wird hier ja praktisch eine Stadt in der Stadt.“ Die legte ihm Ende 2018 Kevin Aumann von der Konversionsgesellschaft ans Herz. „Er ist auch Oldtimer-Fan und sagte, er müsste mir mal was zeigen“, erinnert sich Klein an das Gespräch vor zwei Jahren, als er in Sickenhofen längst an die Kapazitätsgrenze gestoßen war. „So hat das Anlauf genommen - und als ich hier war, war das Liebe auf den ersten Blick.“

Inzwischen lassen dort, wo früher die Pferde mit den Hufen scharrten, die mindestens 30 Jahre alten US-Cars einen Hauch Geschichte wehen. Vier- bis sechsmal im Jahr fliegt Klein (wenn nicht gerade ein Virus das Reisen erschwert) in die Staaten, pflegt vor allem in trockenen Gebieten wie Südkalifornien, Arizona und Nevada ein Netzwerk zu Sammlern und Händlern. „Manchmal schaue ich mir 400 Oldtimer an, um dann eine Handvoll zu kaufen“, sagt der seit Kindesbeinen fürs Automobil schwärmende Fachmann. Nur noch selten feilsche er mit Privatleuten um Mustang, Corvette & Co., obwohl das in den USA stets Spaß mache: „Car guys are cool guys“, lacht Klein. „Da herrscht meist eine Wellenlänge.“

Sind die Neuerwerbungen erstmal verschifft (Löschen, Entladen und Seefracht schlagen pro Auto schnell mit 2 000 Euro zu Buche), sechs bis acht Wochen später in Bremerhaven angekommen und schließlich nach Babenhausen überführt, wandern sie nicht gleich in die Ausstellung. „Wir sind zwar ein Handel und keine Werkstatt, bereiten die US-Cars aber für den deutschen TÜV vor“, sagt Klein, der dafür sowohl einen Kfz-Mechaniker als auch einen Kfz-Elektroniker beschäftigt. Auch designtechnisch bringen ein Partner und er bei manchem Oldtimer die eigene Note ein.

Die Kundschaft reicht vom Studenten bis zum Bankmanager und kommt vor allem aus Deutschland, aber auch aus dem benachbarten Ausland. Im Frühjahr, so hoffen Marcel und Tina Klein, können sie endlich einer breiten Öffentlichkeit präsentieren, was sie hinter dem Kasernenzaun seit Monaten vorbereiten.

(Von Jens Dörr)

Pioniere im Kreativquartier der Kaisergärten: Marcel und Tina Klein mit ihrem Unternehmen Classic Concept und der Classic Car Collection.
An diesem Fahrzeug gibt es noch viel zu tun: Das Team von „Classic Concept“ bereitet US-Schlitten für den deutschen TÜV vor.

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