Am Schnauferl hängts Schlosserherz

Peter Held baut historische Autos und Motorräder originalgetreu wieder auf

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Der Mercedes Benz 170 S in der Patina, wie er vor 34 Jahren in einer Scheune gefunden wurde. Das Auto wird im Oktober 68 Jahre alt und Besitzer Peter Held tuckert gelegentlich damit noch über die Straßen von Sickenhofen. Zwischenzeitlich schaut er auch aus der Montagegrube mal nach dem Rechten unterm prunkvollen Schätzchen.

Sickenhofen - Ein Schlosser und Rohrnetzmonteur hat sich den Oldtimern verschrieben. Peter Held bereitet historische Autos und Motorräder auf, achtet auf den Originalzustand und fährt seine „Schätzchen“ auch gern aus. Von Walter Kutscher 

Die Lackfabrik Alfred Clouth in Offenbach bestellte 1949 bei der Stuttgarter Autofirma Mercedes Benz eine Limousine der Klasse 170 S in gehobener Ausstattung. Das Auto versah wohl lange Jahre seinen Dienst und verschwand dann von der Bildfläche. Der Sickenhöfer Klaus Held entdeckte den Wagen 1984 in einer Altheimer Scheune und kaufte ihm dem Vorbesitzer ab. Dann tauchte das Fahrzeug wieder in die Versenkung, durfte 1990 einmal als Hochzeitskutsche dienen, bis vor einem Jahre Sohn Peter Held sich entschloss, den Oldtimer wieder fahrbar herzurichten.

Unzählige Stunden steckte er in seiner kleinen Werkstatt in die Restaurierung des Wagens. Als gelernter Schlosser hat Peter Held keine Probleme, sich mit der alten Technik auseinander zu setzen, zumal sein Herz schon lange Jahre für alte Autos und Motorräder schlägt. Neben acht Autos der Baujahre 1949 bis 1981 hat er auch neun Motorräder, wobei er gelegentlich an Oldtimerrennen im In- und Ausland teilnimmt.

Sein jüngstes Werk ist nun der MB 170 S mit einem 40 PS starken Dieselmotor. Die notwendigen Reparaturen führte er selbst durch. Das dazu notwendige Wissen eignete sich der Bastler und Tüftler autodidaktisch an.

Der TÜV hat nun den Wagen abgenommen und so steht dem Einsatz im öffentlichen Straßenverkehr nichts mehr im Wege. Man braucht Erfahrung und viel Gefühl, um ein solches Projekt erfolgreich abzuschließen, erzählte er, während er in der Montagegrube die Räder inspizierte.

Held legt großen Wert auf die Verwendung originaler Teile. Durch gute Verbindungen zu Mercedes erhält er auf Anfrage auch Ersatzteillisten, Explosionszeichnungen und weitere Unterlagen, die er für seine Arbeit benötigt. Stolz ist er auf die neuen Bremsen und Beläge, die er sogar mit einem speziellen Originalwerkzeug eingebaut hat.

Historische Fahrzeuge in Sickenhofen: Bilder

Der Freizeit-Autorestaurator legt besonderen Wert darauf, dass „soweit wie möglich die ursprünglichen Autoteile nach Reparatur wieder alle an ihrem Platz sind“, bemerkt er schmunzelnd. Fahrzeuge mit Baujahr vor 1969 (Benziner) und 1977 (Diesel) benötigen nach Gesetz keine Abgasuntersuchung und auch Sicherheitsgurte sind nicht vorgeschrieben, weiß Held. Er will diese auch nicht in den 170’er einbauen. „Das verschandelt die Originalität“, so sein Kommentar.

Einige seiner historischen Fahrzeuge stehen zurzeit im Technikmuseum Speyer, andere finden ihren Platz an seinem Wohnort und gerne fährt er damit zur Arbeit oder zu Besorgungen. Oft nimmt er den Audi-NSU, ein Pkw von 1981 („bereits mit Katalysatortechnik“), oder den NSU-Lambretta Motorroller aus 1953 und tuckert damit zur Arbeit.

Die letzte Aktion von Peter Held, im Beruf Rohrnetzmonteur beim Wasserwerk Hergershausen, war die Teilnahme am historischen Motorradrennen Ende August auf der englischen Isle of man mit seiner „Norton Manx“, Baujahr 1955. Die Wettbewerbe auf dieser Insel finden seit 1907 statt und sie gelten als älteste und gefährlichste Motorradrennen der Welt. Er umrundete die rund 63 Kilometer lange Strecke als zweitbester Fahrer wobei, so Held, „die Teilnahme wesentlich wichtiger ist, als eine Platzierung an der Spitze des Feldes“.

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