Bürger-Informationsveranstaltung zum Bebauungsplan-Vorentwurf

Kasernenkonversion: Pflänzchen im Kaisergarten

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Der Blick aus der Vogelperspektive auf das Kasernengelände. Links ist die B26 zu sehen, die zukünftig noch mehr Autoverkehr aufnehmen muss.

Babenhausen - Die Entwicklung des ehemaligen Kasernengeländes nimmt an Fahrt auf. Etwa 150 Bürger haben am Dienstagabend in der Stadthalle einem der ersten Schritte zum Bebauungsplan „Kaiser- gärten“ beigewohnt. Das Thema, was am meisten interessierte: der Verkehr. Von Norman Körtge

Die Menschentraube vor dem kleinen Stehtisch, der mit dem Stichwort „Verkehr“ markiert war, wollte am Dienstagabend nicht kleiner werden. Dort stand Edwin Mayer vom Rodgauer Planungsbüro „Habermehl & Follmann“, das von der Kasernenkonversionsgesellschaft mit der Verkehrsplanung beauftragt worden ist. Dass dieses Thema vielen Bürgern unter den Nägeln brennt, hatte sich bereits nach dem Ende der offiziellen Präsentation des Vorentwurfs zum Bebauungsplan „Kaisergärten“ auf einer Großleinwand abgezeichnet. Denn nachdem Oliver Schreiner vom städtischen Bauamt, Investor und Kasernenkonversionsgesellschafts-Geschäftsführer Daniel Beitlich sowie Planer Holger Fischer jeweils verschiedene Aspekte des zukünftigen neuen Stadtteils beleuchten hatten, ging es in der anschließenden Fragerunde fast ausschließlich um den zu erwartenden Verkehr. Immerhin sollen zukünftig zirka 2000 Menschen (Bewohner und Beschäftigte), so die Kalkulation von Beitlich, das 60 Hektar große Gebiet besiedeln.

Edwin Mayer (am Laptop) vom Rodgauer Planungsbüro „Habermehl & Follmann“ war der gefragteste Mann bei der Informationsveranstaltung in der Stadthalle. Im Auftrag der Kasernenkonversionsgesellschaft erarbeitet er Lösungsvorschläge, um den zukünftigen Verkehr zu bewältigen.

Zwei von mehreren Redebeiträgen: „Das gibt doch einen Verkehrskollaps“, meinte ein Anwohner der Darmstädter Straße: „Die B26 hat doch jetzt schon an ihre Kapazitätsgrenze erreicht.“ Und eine Frau, die an der Schaafheimer Straße wohnt, berichtete, dass der Verkehr – gerade wegen des in Schaafheim ansässigen Paketdienstleisters GLS, bereits jetzt schon unerträglich sei: Wie solle das erst werden, wenn auch noch das geplante Gewerbegebiet über die Schaafheimer Straße erschlossen werde?

Sowohl Bürgermeister Joachim Knoke als auch Investor Beitlich bekräftigten, dass das Thema Verkehr ein wesentlicher Punkt bei der Genehmigung des B-Plans ist und „Habermehl & Follmann“ an Lösungen arbeitet. Dazu gehöre unter anderem, die vorhandenen Straßen leistungsfähiger zu machen, unter anderem durch andere Markierungen und dadurch andere Fahrspuren. Die Problemlage sei, auch durch aktuelle Zahlen, belegt, sagte auf Nachfrage Edwin Mayer. Nun gelte es Vorschläge zu erarbeiten, die nicht nur kurzfristig, sondern langfristig den Verkehr bewältigen können. Das bekannte Nadelöhr sei die B26 zwischen Schaafheimer Straße und Bahnunterführung.

Beitlich berichtete, dass man bereits geplante Geschossbauten reduziert habe, um weniger Verkehr zu erzeugen. Betreffend des Gewerbegebietes sagte er, dass man bewusst, obwohl die Nachfrage riesengroß sei, keinen verkehrsintensiven Speditionen oder Logistikern Flächen anbiete. Mayer hat zudem errechnet, dass von den insgesamt für das Areal zu erwartenden 8 000 Fahrten, lediglich etwa 500 bis 600 das Gewerbegebiet betreffen.

Bilder: Tag der offenen Kaserne in Babenhausen

Der Vorentwurf für den Bebauungsplan „Kaisergärten“. Zur Orientierung: Am oberen Bildrand verläuft die B26. Im Folgenden einige von der Redaktion durch Großbuchstaben hervorgehobene Details. A: Angrenzend an die Südstadt (Friedrich-Ebert-Straße, Am Felsenkeller, Am Schwimmbad) entsteht ein Wohngebiet. B: Direkt an der ehemaligen Panzerstraße wird ein Einkaufsmarkt seine Pforten öffnen. C: Im Kreativquartier stehen viele Gebäude unter Denkmalschutz. D: An dieser Stelle soll die neue Grundschule entstehen. E: Die vorhandene Sporthalle wird an die Stadt vermietet. F: Die Gewerbeflächen werden über die Schaafheimer Straße erschlossen. G: Im Wohnquartier bleiben zwölf Wohnblöcke stehen und es entstehen insgesamt zirka 200 Bauplätze. H: An dieser Stelle soll eine neue Kindertagesstätte gebaut werden.

Ob denn die „Kaisergärten“ ein „Schickimicki-Quartier“ würden oder ob auch bezahlbarer Wohnraum geschaffen werde, wollte eine Bürgerin wissen. Beitlich konnte der Frau eine zufriedenstellende Antwort geben: Vor allem in den Wohnblöcken, die im Inneren größtenteils in einem guten Zustand sind, sollen bezahlbare Miet- und Eigentumswohnungen entstehen. Dies sei schon immer so geplant gewesen und auch der politische Wille der Stadt. „Das ist versprochen“, so Beitlich: „Wir wollen eine gute Durchmischung.“ Auf den zirka 200 Bauplätzen könnten Reihenhäuser, Doppelhaushälften, aber auch freistehende Häuser entstehen.

Der am Dienstagabend gezeigte Vorentwurf sei „ein zartes Pflänzchen“, das nun wachsen müsse, sagte Beitlich. Für 130 Gebäude, die in den kommenden Monaten abgerissen werden, lägen mittlerweile die entsprechenden Genehmigungen vor. Beitlich geht davon aus, dass in der ersten Jahreshälfte 2019 der B-Plan beschlossen werden kann. 2020 könnte es dann die ersten Bezüge geben.

Die Entwürfe sowie weitere Unterlagen liegen bis 5. Oktober im Rathaus vor Zimmer 201 zur Einsichtnahme und zur Abgabe von Stellungnahmen aus.

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