Staudenexperte Eidmann zum Herigar-Vorgartenwettbewerb in Babenhausen

Pflegeleicht Nahrung für Insekten

Lungenkraut und Wildtulpen im Garten von Maren Gatzemeier und Mathias Brendle.	Fotos: Grimm
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Lungenkraut und Wildtulpen im Garten von Maren Gatzemeier und Mathias Brendle in Babenhausen-Hergershausen.

Der Endspurt für die Anmeldung zum Vorgartenwettbewerb im Stadtteil Hergershuasen läuft. Wie berichtet, ruft der Verein Herigar die Hergershäuser dazu auf, ihre Vorgärten in insekten- und vogel-freundliche Grüninseln zu verwandeln.

Aber nicht nur für die Hergershäuser Wettbewerbsteilnehmer gilt: „Der Frühling ist da, eine gute Gelegenheit, den Vorgarten ein wenig aufzupeppen oder auch komplett neu anzulegen“, sagt Maren Gatzemeier, die stellvertretende Herigar-Vorsitzende.Wer Gartenanfänger ist, informiert sich am besten bei einem Fachmann. Zum Beispiel mit Staudengärtner Thomas Eidmann aus Groß-Umstadt, um ein paar Tipps zu bekommen.

Herr Eidmann, was sollten wir bei der Bepflanzung für ein Insekten-freundliches Beet beachten?

Bei der Bepflanzung ist darauf zu achten, dass wir den Insekten über alle Monate von März bis Oktober Nektar reiche Blütenpflanzen anbieten, damit sie stets reichlich Futter finden. Außerdem benötigen sie Pollen für ihren Nachwuchs und auch Futterpflanzen, wenn es um die Raupen der Schmetterlinge geht. Zusätzlich zu der Bepflanzung können wir den Insekten mit unterschiedlichen Strukturen im Garten Nistmöglichkeiten für die Fortpflanzung bieten. Man kann ein paar Holzscheite von Laubbäumen platzieren oder auch ein Sandbeet anlegen.

Stauden-Experte Thomas Eidmann

Welche weitere Pflanzen empfehlen Sie?

Ein Staudenbeet kann mit frühen Zwiebelblumen, wie Wildkrokus und Schneeglöckchen ergänzt werden, damit die ersten Insekten schon Nektar finden, bevor die Stauden austreiben. Auch einjährige Kräuter, wie Dill, Borretsch oder Kapuzinerkresse lassen sich gut zwischen die Stauden integrieren, bieten Nektar und werden von den Raupen einiger Schmetterlinge als Futterpflanze benötigt.

Wie wichtig ist es, heimische Wildpflanzen für die Bepflanzung auszuwählen?

Heimische Wildpflanzen bieten grundsätzlich die beste Grundlage, da sich Tier- und Pflanzenwelt über die Zeit passend aufeinander abgestimmt haben, doch ein Vorgarten ist nicht die freie Natur. Damit die Insekten nicht ab dem Sommer verhungern, müssen die Stauden, wie in der Kulturlandschaft die Wiesen, zurückgeschnitten werden, damit eine zweite Blüte erfolgt. Alternativ empfehle ich Pflanzen mit einer späten Blüte, wie Bergminze oder Bergfenchel die ebenfalls von den Insekten als Nektarquelle gut angenommen werden und teilweise auch Schmetterlingsraupen als Futterpflanze dienen.

Mit wie viel Zeit muss ich für die Pflege so eines Beetes rechnen?

Je besser die Pflanzen zum Standort in Bezug auf die Lichtverhältnisse und den Boden passen, desto weniger Zeit wird für Pflegemaßnahmen benötigt. Im ersten Jahr ist es wichtig, die Pflanzen bei Trockenheit regelmäßig durchdringend zu wässern, damit sie gut einwurzeln. Das bedeutet aber nicht täglich, sondern lieber nur ein- bis zweimal wöchentlich aber dann mit 20 Liter pro Quadratmeter. Zusätzlich kann eine Mulchschicht aus Kies, Splitt oder Sand aufgebracht werden, die den Boden zusätzlich vor der Verdunstung schützt und den Unkrautaufwuchs unterdrückt. Danach sind regelmäßige kurze Jätegänge zu empfehlen. Dies spart letztlich Zeit, weil sich Beikräuter nicht entwickeln und weiter aussäen können. Insgesamt umfasst die Pflege nach diesem Konzept nur wenige Minuten pro Quadratmeter und Jahr.

Bis 30. April anmelden

Der Anmeldeschluss für den Vorgartenwettbewerb endet am 30. April. Die Anmeldung erfolgt über den Herigar-Briefkasten, Rodgaustraße 16, oder bei Sabine Walz, Berliner Straße 21. Weitere Infos zum Wettbewerb: herigar.org

Mit welchen Kosten muss man bei der Neuanlage rechnen?

Wir planen mit durchschnittlich 10 Pflanzen pro Quadratmeter, damit sich schnell eine geschlossene Pflanzfläche bildet und damit keine unerwünschten Beikräuter aufkommen. Die Kosten liegen dann bei 30 bis 40 Euro.

Eine konkrete Auswahl und Empfehlung bei der Bepflanzung richtet sich immer nach der Situation vor Ort. Ist der Boden sandig oder lehmig, wird bewässert oder ist es ein Baum- oder Hausschatten vorhanden? Ist es eine kühle zugige Lage oder geschützt? Ist eine Belastung durch Haustiere vorhanden?

Die Fragen stellte Petra Grimm

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