Tagesmütter-Pilotprojekt scheitert

Pflegenest ohne Zukunft

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Silke Maaty hat vor drei Jahren das Pflegenest in Langstadt mitinitiiert. Das Pilotprojekt, bei dem sich Tagesmütter in einem Haus einmieten und dort Kinder betreuten, wird aus diversen Gründen nicht fortgeführt. Maaty und Eltern bedauern dies.

Langstadt - Das Konzept war gut und Eltern finden nur lobende Worte. Aber: das Pflegenest in Langstadt wird bald Geschichte sein. Die Gründe dafür sind vielfältig – und für Außenstehende auch nicht vollständig nachvollziehbar. Von Norman Körtge 

„Ein perfekt funktionierendes System wird zerschlagen.“ Die Meinung der Mutter zum Langstädter Pflegenest ist eindeutig. Ihren Namen mag sie nicht in der Zeitung lesen. Zuviel sei derzeit noch in der Schwebe und sie mag weder ihren Betreuungsplatz riskieren noch die Tagespflegepersonen in die Bredouille bringen. Aber eines steht für die Langstädterin auch fest: Den Kindern werde mit der Schließung des Pflegenestes ein Stück fühl- und erlebbare Dorfidylle genommen.

Silke Maaty steht dabei und hebt die Schultern. Eine Geste, die ausdrücken soll, dass sie es letztendlich auch nicht zu erklären vermag, was in den vergangenen Monaten auf sie eingeprasselt ist. Maaty war es, die vor drei Jahren mit zwei weiteren Tagesmüttern das Pflegenest als Pilotprojekt eröffnete. Der Grund, der nach wie vor auch nicht gelöst ist: Es fehlt an Betreuungsplätzen für Unter-Dreijährige. Die Idee: In einem eigens angemieteten Wohnhaus Räume für die Tagesmütter zu schaffen, die dann jeweils bis zu fünf Kinder betreuen können. Etliche bürokratische Hürden mussten die Initiatorin nehmen und Auflagen des Jugendamtes erfüllen, bevor das Pflegenest – die Stadt bezuschusste die Mietkosten zu 100 Prozent – im Oktober 2015 an den Start ging.

Zunächst gab es nur Gewinner. Eltern freuten sich über mehr Betreuungsplätze, die Stadt sparte jede Menge Geld, denn Betreuungsplätze in Krippen sind um einiges teurer. Dementsprechend wurde schon früh von einem Erfolgsmodell gesprochen. Weitere Immobilien sollten laut eines Stadtverordnetenbeschlusses auf eine Eignung geprüft werden. Doch dieser Beschluss wurde mit der Nachricht, dass das Jugendamt keine weiteren „Pflegenester“ genehmigt (Februar 2018), hinfällig.

Eine Mischung aus zwischenmenschlichen Differenzen – nur zwei der drei Tagesmütter konnten gut miteinander –, Auflagen des Landkreises sowie von Maaty bemängelte fehlende Unterstützung von der Stadt und aus der Politik führten schließlich zu dem, was CDU-Politiker Günther Eckert in der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses als „Possenspiel“ bezeichnete. Dem müsse jetzt ein Ende gesetzt werden.

Dementsprechend beginnt der sechs Punkte umfassende Beschlussvorschlag der CDU-Fraktion damit, dass das Pilotprojekt zum 31. August endet und nicht weiter verfolgt wird. Und weiter: Die durch den Magistrat bereits beschlossene Bezuschussung des Pflegenestes ab dem 1. September wird zurückgenommen und ist hinfällig. Wie berichtet, hatte die Stadt über Wochen versucht, nachdem eine Tagesmutter bereits ausgezogen war und eine weitere ihren Auszug angekündigt hatte, zumindest eine Nachfolgerin zu finden. Vergebens, wie Fachbereichsleiterin Regina Lange in der Sozialausschusssitzung mitteilte.

Wie werde ich...? Tagesmutter

In der Begründung des CDU-Antrages heißt es: „Das Pilotprojekt war nicht erfolgreich. Es endet höchst unerfreulich durch die Kündigung des Mietverhältnisses zum 31. August und durch gegenseitige Schuldzuweisungen zwischen der Initiatorin des Pflegenestes, dem Bürgermeister und der Verwaltung, die der Glaubwürdigkeit der Tagespflege insgesamt in unserer Stadt geschadet hat.“

Einen Vorwurf, den Bürgermeister Joachim Knoke (SPD) so allerdings nicht stehen lassen möchte. Er habe alles getan, was in seinen Möglichkeiten lag, sagte er auf Anfrage. Der Magistrat werde in seiner heutigen Sitzung noch einmal über das Pflegenest sprechen, um „eine vernünftige Folgeregelung“ am Donnerstagabend in der Stadtverordnetenversammlung vorlegen zu können (siehe auch Infokasten).

Maaty jedenfalls steht vor einem Scherbenhaufen. Zumindest was ihr Langstädter Projekt „Pflegenest“ angeht. Als Tagesmutter bleibt sie allerdings begehrt. Frühestens 2020 habe sie wieder freie Plätze. Die dringendeste Frage, die sich für sie stellt: Wo wird sie zukünftig die Kinder betreuen?

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