Corona-Impfung

Corona-Impftag in Babenhausen: Rund 1000 Dosen übrig – MVZ gibt Impfwilligen weitere Chance

Die vier Zellhäuser Maximilian Wenzel-Aprile (von links), Antonina Aprile, Torsten Wagner und Brigitte Schiemann zeigen Sonntagfrüh auf dem Warteparkplatz glücklich ihre Pflaster am Oberarm.
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Die vier Zellhäuser Maximilian Wenzel-Aprile (von links), Antonina Aprile, Torsten Wagner und Brigitte Schiemann zeigen Sonntagfrüh auf dem Warteparkplatz glücklich ihre Pflaster am Oberarm.

Der Corona-Impftag in Babenhausen hat zum zweiten Mal einen großen Ansturm ausgelöst. In den sozialen Medien muss sich der Arzt aus Babenhausen jedoch auch Kritik stellen.

Update vom Montag, 28.06.2021, 13.47 Uhr: Um 21.40 Uhr am Sonntagabend hat der letzte Impfwillige seinen „Johnson&Johnson“-Piks beim Impftag in Babenhausen auf dem Kasernengelände erhalten. Mit 2000 gab Hausarzt Dr. Abrar Mirza gestern auf Nachfrage die Anzahl der beim von seinem Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) organisierten Drive-in-Impftag verabreichten Dosen an. Für 3 000 Menschen war der Einmal-Impfstoff verfügbar gewesen.

„Ich bin auch etwas überrascht, dass nicht mehr Leute gekommen sind“, sagt Dr. Mirza. Erklärbar sei dies mit dem heißen Wetter und der kurzen Vorlaufphase, auf die Impfaktion aufmerksam zu machen. Zufrieden sei er dennoch und lobte sein Team. Die nicht verbrauchten Impfdosen sind noch Monate haltbar und stehen im MVZ in Babenhausen zur Verfügung. Per E-Mail an mirza@mvz-babenhausen.de können sich Impfwillige noch registrieren.

Große Nachfrage beim Corona-Impftag in Babenhausen

Erstmeldung vom 27.06.2021, 20.11 Uhr: Babenhausen – MKK, HG, FB, AB, F, MIL, aber selbstverständlich auch DA, DI und OF auf den Kennzeichen – Stoßstange an Stoßstange schlängen sich am Sonntagmorgen Autos aus der ganzen Region durch das Gewerbegebiet auf dem ehemaligen Kasernengelände. Wäre es eine Radiomeldung in den Verkehrsnachrichten, dann müsste wahrscheinlich von zäh fließendem oder stockendem Verkehr berichtet werden.

Ziel des nicht enden wollendenden Autokorsos ist die vierspurige Impfstation am westliche Rand des Geländes. Dort wird wie am Fließband in Oberarme gepikst und der Corona-Impfstoff von „Johnson &Johnson“ injiziert. „Das war’s schon. Gehen Sie heute nicht so viel in die Sonne und trinken sie viel. Folgen Sie bitte er Beschilderung zur Wartezone. Alles Gute“, sagt die Arzthelferin zum gerade Geimpften und erntet dafür ein Lächeln und ein „Danke“.

Zweiter Corona-Impftag in Babenhausen – Arzt-Team zieht seine Lehren aus erstem Aktionstag

Es ist ein Vorgang, der sich seit dem frühen Morgen und bis in den Nachmittag hinein viele hunderte Male wiederholt. „500 haben wir“, gibt Hausarzt Dr. Abrar Mirza bereits um 7.40 Uhr eine Wasserstandsmeldung. Etwas mehr als zwei Stunden ist zu diesem Zeitpunkt das etwa 40 Mitglieder starke Helferteam des Medizinischen Versorgungszentrums Babenhausen (MVZ) im Einsatz, um die zur Verfügung stehenden 3 000 Impfdosen zu verspritzen. „Wir haben bereits vor dem offiziellen Starttermin um 8 Uhr begonnen, um möglichst schnell den ersten Ansturm abbauen zu können“, erzählt Dr. Mirza.

Die Impfstation: Die Insassen von vier Autos konnten parallel geimpft werden.

Auch eine Lehre aus dem ersten Impfaktionstag vor zwei Wochen, als sein Team 1 200 Dosen des Einmalimpfstoffs organisiert und einen offenen Impftag, also ohne Anmeldung, durchgezogen hatte. Über mehrere hundert Meter zog sich damals die Warteschlange durch die Innenstadt. Einige hatten seinerzeit sogar vor dem MVZ campiert, um etwas vom knappen Corona-Impfstoff abzubekommen.

Corona-Impfung auf Kasernengelände in Babenhausen – Mehr als 200 Impfungen pro Stunde

Auf etwa 40 Autos schätzt Bürgermeister Dominik Stadler (unabhängig) die Zahl der Autos, die bereits gegen 5 Uhr auf die Einfahrt warteten. Er hat zusammen mit dem Ordnungsamt auf ein schlüssiges Konzept gedrängt, um den Impfmarathon in geordneten Bahnen abwickeln zu können. Vor allem soll ein Rückstau auf die B 26 vermieden werden. Herausgekommen ist ein Schlängelparcours, der etwa 500 Fahrzeuge aufnehmen kann. Die ersten Stunden zeigen, dass es funktioniert und läuft. Etwas mehr als 200 Impfungen in der Stunde sind möglich.

„So etwas ist natürlich perfekt“, sagt Rathaus-Chef Stadler und zeigt auf einen bunt-besprühten VW-Polo mit vier jungen Insassen: „Bestmöglich ausgenutzt.“ Fahrer Jonas, der wie seine drei Mitfahrer aus Darmstadt kommen, ist von der Organisation angetan: „Wir haben am Freitag von der Aktion erfahren, und uns war sofort klar, dass wir diese Möglichkeit nutzen wollen.“

Fenster runter, Ärmel hoch – und piks.

Impfwillige konnten sich spontan in Babenhausen impfen lassen – „Ich bin happy“

Auch ein Mittfünfziger aus dem Hochtaunuskreis ist mehr als erfreut, dass es so schnell ging. „Ich habe extra viel Wasser und Brote eingepackt und mich auf eine lange Wartezeit eingestellt. Im Prinzip bin ich jetzt einfach durchgefahren und habe nur beim Impfen den Motor abstellen müssen“, erzählt er auf dem Parkplatz des Penny-Marktes, der als Wartebereich nach der Impfung eingerichtet worden ist. Dort machen auch Michaela Szymanski und Thomas Frank die nach der Impfung empfohlene 15-minütige Rast, um dann nach Gießen zurückzufahren. „Die Fahrt hierher hat sich gelohnt. Alles super organisiert. Ich bin happy“, erzählt die 58-jährige Szymanski, die trotz Registrierung bislang noch keinen Impftermin bekommen hatte.

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Es sind Menschen wie die Gießenerin, denen Dr. Mirza und sein Team unkompliziert und schnell einen Impfschutz geben möchten. „Ich betrachte das als einen Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie und zur Immunisierung der Bevölkerung“, sagt der Hausarzt.

Dr. Mirza aus Babenhausen verimpft von Betriebsärzten nicht abgerufenen Impfstoff Johnson & Johnson

Zugleich wehrt er sich aber auch gegen vor allem in sozialen Medien geäußerte Kritik, warum er nicht vorrangig seine bei ihm registrierten MVZ-Patienten impft: „Ich habe drei Stunden mit Patienten telefoniert, und in diesen drei Stunden genau fünf Patienten davon überzeugen können, sich statt mit einem mRNA-Impfstoff mit Johnson & Johnson impfen zu lassen“, berichtet er von aus medizinischer Sicht unbegründeten Vorbehalten in der Bevölkerung.

Hausarzt Dr. Abrar Mirza weist Impfwillige ein.

Ein Grund, warum Dr. Mirza auch an die 3 000 Impfdosen kommen konnte. Sie seien eigentlich Betriebsärzten zur Verfügung gestellt, aber nicht abgerufen worden. Da habe das MVZ zugegriffen. Die Impfwilligen am Sonntag in Babenhausen haben sich jedenfalls dankend damit piksen lassen. Nach dem Mittag und mehr als 1300 Geimpften ebbte der Strom an Impfwilligen deutlich ab. Am Nachmittag waren es dann 1 600. Bis 22 Uhr stand das MVZ-Team für Impfungen zur Verfügung. (Norman Körtge)

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