Angelsportverein Harreshausen investiert Preisgeld in Forellen und Aale

Prämiertes Fischhotel in Babenhausen

Im Harreshäuser Vereinsgewässer sind mittlerweile drei Fischhotels versenkt worden.
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Im Harreshäuser Vereinsgewässer sind mittlerweile drei Fischhotels versenkt worden.

Der Angelsportverein Harreshausen hat für sein Fischhotel einen nationalen Umweltpreis gewonnen

Babenhausen - Pfingsten 2019: Der Angelsportverein Harreshausen feiert sein 50-jähriges Bestehen. Hunderte strömen zum großen Fischerfest, um die Spezialitäten aus Neptuns Reich zu verspeisen. Nach einem Jahr Corona-Pandemie kaum noch vorstellbar. Die Besucher genießen die Seeidylle und lassen sich über die vielfältigen Naturschutzarbeiten im und am See informieren. Darunter die Idee eines Fischhotels.

Bei der Idee ist es nicht geblieben. Gewässerwart Niklas Korb hat sie nicht nur umgesetzt, sondern sie ist auch vom Deutschen Angelfischer Verband prämiert worden. Die Harreshäuser hatten mit dem Projekt beim „Gewässerverbesserer“-Wettbewerb des Verbandes teilgenommen und nun einen nationalen Umweltpreis gewonnen.

Schon seit Langem versuchen die Mitglieder des ASV Harreshausen mit kreativen Ideen naturnahe Strukturen in dem bewirtschafteten Gewässer zu schaffen, zu dem der etwa 1,8 Hektar große See, aber auch ein fischreicher und zirka vier Kilometer langer Abschnitt der Gersprenz bis zur bayerischen Grenze gehört. Zum Hintergrund: Der See ist ursprünglich ein Baggersee. Dementsprechend waren keinerlei Bodenstruktur vorhanden.

Gewässerwart Niklas Korb mit einer Forelle.

Die Idee des Gewässerwartes Korb war es nun, unbehandelte Einweg-Holzpaletten miteinander zu verschrauben, in das obere Drittel Totholz mit einzuarbeiten und im See zu versenken. In diesem „Hotel“ können die Fische Deckung finden und als eine Art Bruthöhle dienen. Zusammen mit weiteren Mitglieder wurde ein Prototyp aus zehn Holzpaletten, einer langlebigen Schnur und genügend Knochensteinen zum Beschweren und Totholz gebaut. In einem für eine Testphase gut geeignetem Gewässer eines Bekannten wurde das „Hotel“ versenkt. Dort konnte Korb genau beobachten, ob die Konstruktionen überhaupt angenommen wird. Korbs Resümee: „Innerhalb eines Jahres waren die Ergebnisse überwältigend. Die teilweise fehlende Alterspyramide der Fischpopulation fing an, sich zu regenerieren und es konnten keine negativen Einflüsse festgestellt werden.“ Somit stand dem Fischhotel im Vereinssee nichts mehr im Wege.

Nach reiflicher Überlegung wurde das Fischhotel inmitten eines strukturlosen Areals platziert. Der Erfolg dieser Maßnahme ließ nicht lange auf sich warten. Der Fischbestand nahm enorm zu. Mit Tauchmontur verschaffte sich Vereinsvorsitzende Kevin Kuhn selbst einen Eindruck über den Erfolg. Für alle Mitglieder dokumentierte er die Tauchgänge auf Video. Sie bekamen viele große Rotaugen und Barsche aller Altersklassen zu sehen. Und auch der „größte Hecht des Jahres“ wurde am Fischhotel angetroffen. „Diese Beobachtungen haben den positiven Effekt dieser Maßnahme gezeigt, die mit einfachen Mitteln umgesetzt wurde“, erzählt die stellvertretende Vereinsvorsitzende Maria Farruggio-Eiselt. Mittlerweile sind zwei weitere Fischhotels hinzugekommen.

Die Fischhotels bestehen aus zusammengeschraubten Holzpaletten und Totholz.

„Als ich das Fischhotel beim Deutschen Angelfischer Verband eingereicht habe, hätte keiner gedacht, dass dieses Projekt über die Grenzen von Babenhausen hinaus auch andere Vereine motivieren könnte“, berichtet Farruggio-Eiselt. Doch genau dies ist geschehen. Inspiriert durch diese Erfolge, wollen auch der Angelverein ASV Groß-Bieberau sowie ein weiterer Verein in Nordhessen ihre Vereinsgewässer mit einem Fischhotel ausstatten.

Das überwiesene Preisgeld wird der ASV Harreshausen in einen nachhaltigen Besatz von Bachforellen und Glasaale investieren. Durch die Interessensgemeinschaft Gersprenz kann der Verein über eine Sammelbestellung mit anderen Vereinen der Region, diese beziehen und in die Gersprenz einsetzen.

Das erste Corona-Jahr hat der Harreshäuser Angelsportverein relativ gut überstanden: „Uns geht es trotz der ganzen Situation soweit gut. Trotz der kompletten Einnahmeausfällen durch Feste und Räuchertagen stehen wir zum Glück finanziell einigermaßen gut da“, berichtet Farruggio-Eiselt. (Norman Körtge)

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