Fachwerkhaus in der Amtsgasse

Denkmalschutzpreis geht nach Babenhausen

Mächtiges Fachwerkhaus: Die „Kommandantur“ der Gaylings von Altheim in de Babenhäuser Amtsgasse.
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Mächtiges Fachwerkhaus: Die „Kommandantur“ der Gaylings von Altheim in de Babenhäuser Amtsgasse.

Der Denkmalschutzpreis 2020 des Landkreises geht nach Babenhausen. Genauer gesagt an Katja Boost-Munzel und Reinhard Munzel, die die ehemalige Kommandantur der Gaylings in der Amtsgasse zu einem Schmuckstück gemacht haben.

Babenhausen – Der eine hat zumindest geahnt, worauf er sich einlässt: Reinhard Munzel ist Zimmermann und Architekt und hat sich weder vom Zustand noch von der Größe des 400 Quadratmeter Wohnfläche umschließenden Fachwerkbaus in der Babenhäuser Amtsgasse abschrecken lassen. Der andere, Arne Horneff, als gelernter Schlosser eher an die „harten“ Fakten gewöhnt, hat einfach Mut bewiesen, als er sich auf den „Holzweg“ eines Fachwerk-Krämerladens in Nieder-Ramstadt begeben hat. Beide wurden jetzt für ihr Engagement vom Landkreis gewürdigt: Munzel mit dem Denkmalschutzpreis 2020 und einem Preisgeld von 2 600 Euro, Horneff mit einer Belobigung ohne Dotierung.

2005 erwarb das Ehepaar Katja Boost-Munzel und Reinhard Munzel das ehemalige Amtshaus der Gayling von Altheim. „Im Grunde kamen wir dazu wie die Jungfrau zum Kind“, erinnert sich Boost-Munzel, die zuvor in Wiesbaden wohnte, in einem Bericht unserer Zeitung aus im Jahr 2011. „Wir wollten nicht mehr so viel Miete zahlen, suchten im Internet und fanden dieses Haus als erstes.“ Dass in dem alten Gemäuer, das zuvor eine Arztpraxis und Wohnungen beherbergte, noch viel zu tun sein würde, war dem Ehepaar klar. Aber dass es sechs Jahre dauern würde, bis sie einziehen, konnten sie nicht absehen. Rund 12 000 Arbeitsstunden steckten Munzels, Freunde, Verwandte und Nachbarn in das 1546 erbaute Haus.

Die Preisträger: Katja Boost-Munzel und Reinhard Munzel.

Es waren die Bauherren, die beim Festakt im Kreissaal des Landratsamts in Kranichstein das Wort führten. Aber es hat sich trotzdem was verändert gegenüber früheren Jahren: Ausdrücklich sind jetzt auf Urkunden und Ehrentafeln auch die Baufrauen genannt worden, und das ist auch richtig so, denn oft haben sie ja genau so viele Hände angelegt wie ihre Gatten. In diesen beiden beschriebenen Fällen sind es Katja Boost-Munzel und Nicole Friedrich.

Eine Frau spielte beim Festakt in Kranichstein eine besondere Rolle: Liane Mannhardt, oberste Denkmalschützerin des Landkreises, nicht von allen Sanierern historischer Bausubstanz geliebt. Darauf spielte auch Mühltals Bürgermeister Willi Muth im Hinblick auf das Villenviertel auf dem Dornberg an. Horneff wiederum hätte sich etwas mehr Entgegenkommen seitens der Kommune gewünscht, die ihn mit Gebühren für das Aufstellen von Containern im öffentlichen Straßenraum belastet hat. Das wird einiges gekostet haben, denn bei der Sanierung sind rund 120 Kubikmeter Abfälle angefallen, wie der Bauherr berichtete.

Von einem guten Verhältnis zur Stadtverwaltung und zuvorkommendem Verhalten konnte Munzel berichten. Das sei mit dem Vorgänger des jetzigen Bürgermeisters Dominik Stadler schon so gewesen, das sei auch jetzt so. Stadler schilderte gutnachbarschaftliches Verhältnis und gelegentliche Fachgespräche, „denn ich bewohne ebenfalls ein Fachwerkhaus, ganz in der Nähe“.

Mannhardt beschrieb die Objekte, besonders das das ortsgeschichtlich wertvolle Anwesen, das Burgmannenhaus aus dem 16. Jahrhundert in Babenhausens Amtsgasse 31, die „Kommandantur“ der Gaylings von Altheim, gegenüber dem Gasthof „Adler“ und dem Territorialmuseum. Sie lobte das gute Verhältnis zwischen ihrer Behörde sowie den Bauherren und - frauen.

Das sei nicht immer so, hatte Kreisbaudezernent Robert Ahrnt zu bedenken gegeben. Die Denkmalschutzbehörde sei oft mit Menschen konfrontiert, die als Antragsteller schnell etwas wollten, und da seien Konflikte vorprogrammiert. Um so wichtiger sei es, die Bedeutung des Denkmalschutzes durch den Preis zu unterstützen, der jetzt zum 17. Mal vergeben worden sei. Und eigentlich müsste das Preisgeld angesichts enormer Sanierungskosten verzehnfacht werden: „Da arbeiten wir dran.“ (sr/nkö)

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