Schaafheim

Ende einer Ära: Beliebtes Restaurant macht noch im Oktober dicht

Gastronom und Racing-House-Gesicht Mike Kriesamer konzentriert sich künftig auf das gleichnamige Lokal in Gundernhausen.
+
Gastronom und Racing-House-Gesicht Mike Kriesamer konzentriert sich künftig auf das gleichnamige Lokal in Gundernhausen.

Schock für die Gastronomie in Schaafheim (Kreis Darmstadt-Dieburg): Das bekannte Restaurant Racing House schließt Ende Oktober. Der Grund ist simpel – und lässt aufhorchen.

Schaafheim – 15 Jahre lang stand „The Racing House“ am Schaafheimer Odenwaldring (Kreis Darmstadt-Dieburg) für riesige Burger und üppige Fleischgerichte, für Partyservice, Events und Biergarten an der Kart- und Motorrad-Rennstrecke, nicht zuletzt auch für extrovertiertes Marketing samt Auftritten im Privatfernsehen. Am 31. Oktober endet diese Ära: Inhaber Mike Kriesamer schließt das größere seiner zwei Lokale und betreibt künftig nur noch den Racing-House-Ableger in Gundernhausen (Kreis Darmstadt-Dieburg).

Der Grund ist simpel und lässt dennoch aufhorchen: „Ich habe kein Personal mehr“, sagt Kriesamer. Die Schließung der weit über Schaafheim hinaus bekannten und beliebten Gaststätte, die mit 200 Sitzplätzen plus Biergarten und Terrasse zu den größten ihrer Art im Altkreis Dieburg zählt, tue ihm „in der Seele weh, denn der Laden läuft. Aber was will ich denn machen?“, fragt der 56-Jährige rhetorisch.

Am Schaafheimer Odenwaldring gibt es ab November vorerst keine Gastronomie mehr. Nach 15 Jahren verabschiedet sich Gastronom Mike Kriesamer Ende Oktober vom Racing House. Im Frühjahr 2022 soll es unter Regie des bisherigen Vermieters weitergehen.

Denn trotz der branchentypischen Corona-Schmerzen hatte er mit beiden Racing-House-Standorten die Pandemie überstanden – so schien es jedenfalls. „Corona hat mich letztlich insofern doch kaputt gemacht, dass ich nun keine Leute mehr finde.“ Das gelte sowohl für den Service als auch für die Küche. „Die Aushilfen sind weg und kommen auch nicht wieder“, berichtet Kriesamer. „Außerdem habe ich vier feste Mitarbeiter verloren, die jetzt in der Industrie arbeiten.“ Zwei verdienten ihren Lebensunterhalt statt in der Gastronomie nun beispielsweise als Lagerarbeiter.

Restaurant Racing House im Kreis Darmstadt-Dieburg schließt: Fokus auf anderes Lokal

Darüber hinaus fehle ihm die Fantasie, dass sich der schwierige Status quo auf absehbare Zeit bessere: „Es kommen keine Fachkräfte mehr nach“, hat er festgestellt. „Ich habe auf allen Foren versucht, neue Mitarbeiter zu finden, doch es meldet sich niemand.“ Obwohl er, das betont Kriesamer, so gut und fair zu bezahlen versuche, wie es ihm sein Business erlaube.

Zuletzt jonglierte der Unternehmer regelmäßig mit seinem verbliebenen Personal, „ich musste dauernd Leute von einem Standort zum anderen abziehen“. Auch in Gundernhausen – dieses Lokal öffnete Kriesamer, nachdem er sich die Akzeptanz in Schaafheim erarbeitet hatte – ist das gastronomische Unterfangen mit bis zu 150 Plätzen drinnen sowie 70 im Biergarten kein kleines. „Derzeit habe ich noch fünf Vollzeitkräfte und einige Aushilfen. Mit ihnen werde ich mich künftig auf Gundernhausen konzentrieren. Alle festangestellten Mitarbeiter, die bislang in Schaafheim waren, gehen mit mir dorthin.“

Besitzer des Restaurant Racing House im Kreis Darmstadt-Dieburg: „Geht mir sehr nah“

In Gundernhausen befinde sich zudem sein „Lebensmittelpunkt“, sagt Kriesamer, weshalb er sich für den Verbleib des jüngeren Lokals und das Aus des Schaafheimer Racing House entschieden habe. „Es waren dort 15 tolle Jahre, das Ende geht mir persönlich sehr nah.“ Allerdings müsse „jetzt einfach die Vernunft siegen“.

Die Konzentration auf Gundernhausen in personell schwierigen Zeiten ermögliche es immerhin, „dass wir dort nun wieder mehr Gas geben können, mit Lieferservice und auch einer kleinen veganen Karte“. Bis sich am Schaafheimer Odenwaldring wieder neues gastronomisches Leben einstellt, wird es derweil noch eine Weile dauern. (Jens Dörr)

Gastronomie am Odenwaldring: die Nachfolge

Im Objekt am Schaafheimer Odenwaldring ist Mike Kriesamer noch bis Ende Oktober Mieter. Vermieter ist Unternehmer Rene Sauerwein, der unter anderem die Indoor-Kartbahn „Fahrwerk“ in Groß-Zimmern samt Lokal und Event-Location betreibt. Trotz des überraschenden Endes im Racing House lobt Sauerwein das lange Geschäftsverhältnis mit Kriesamer: „Mit Mike hatten wir einen super Partner.“ Entsprechend bedauere er dessen Abschied, akzeptiere ihn aber und richte den Blick nun nach vorn.

Sauerwein weiß, dass das Objekt derzeit „schwierig zu vermieten“ wäre. „Deshalb werden wir es selber weiter betreiben“, kündigt er an, „denn in Groß-Zimmern machen wir die Gastronomie ja auch selbst“. Es werde aber keine nahtlose Fortführung ab November geben, fügt Sauerwein hinzu. Stattdessen werde das Racing House einige Monate lang verwaist bleiben und das neue gastronomische Kapitel erst im Frühjahr, womöglich im März oder April, beginnen. (jd)

In Schaafheim (Kreis Darmstadt-Dieburg) sind im vergangenen Jahr sogar schon auf dem Odenwaldring die Youtube-Stars „The Real Life Guys“ herumgedriftet.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare