INTERVIEW Seit zehn Jahren ist Manfred Pentz Abgeordneter im Hessischen Landtag

„Rückschläge gehören dazu“

Ein Wahlkreis-Termin, wie er dem früheren Fußball-Schiedsrichter gefällt: CDU-Politiker Manfred Pentz im Trikot des FV Eppertshausen bei der Einweihung des Kunstrasens im Sportzentrum.
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Ein Wahlkreis-Termin, wie er dem früheren Fußball-Schiedsrichter gefällt: CDU-Politiker Manfred Pentz im Trikot des FV Eppertshausen bei der Einweihung des Kunstrasens im Sportzentrum.

40. Geburtstag und seit zehn Jahren Abgeordneter im Hessischen Landtag: Zumindest in Sachen persönlicher Jubiläen ist 2020 für Manfred Pentz eine runde Sache. Dreimal schickten die Wähler aus Babenhausen, Schaafheim, Münster, Eppertshausen, Groß-Zimmern, Dieburg, Groß-Umstadt, Otzberg, Reinheim, Groß-Bieberau und Fischbachtal den gelernten Kaufmann, studierten Betriebswirt und Vater zweier Kinder per Direktmandat nach Wiesbaden. Dort leitet er zudem seit sieben Jahren als Generalsekretär der hessischen CDU die Geschäfte, organisiert die Partei und bestimmt ihre Inhalte mit.

Darmstadt-Dieburg – Ein Jahrzehnt nach seinem Einstieg im Landtag lässt Pentz, der als ehrenamtlicher Vorsitzender der Gemeindevertretung weiter Kommunalpolitik in seinem Heimatort Groß-Zimmern macht, die Zeit Revue passieren.

Herr Pentz, 2010 kamen Sie als 30-Jähriger in den Hessischen Landtag, inmitten vieler erfahrener Kollegen. Wann wurden aus Lehrjahren Herrenjahre?

In der Landtagsfraktion gibt es weder „Lehrjahre“ noch „Herrenjahre“. Jeder wird freundschaftlich aufgenommen und eingeladen, Verantwortung zu übernehmen. Natürlich habe ich am Anfang ganz hinten im Parlament gesessen. Aber ich saß zwischen Karlheinz Weimar und Jürgen Banzer, zwei alten Hasen mit viel Erfahrung im Parlament und langjährige Minister. Als junger Abgeordneter konnte ich dadurch viel lernen. ... Ich habe mit meiner Meinung nie hinter dem Berg gehalten und mich aktiv eingebracht. Meine frühe Position als finanzpolitischer Sprecher war vielleicht auch ein Grund, warum mich Volker Bouffier am Abend nach der Landtagswahl 2014 anrief und mir auftrug, Generalsekretär zu werden.

Welche politischen Herausforderungen sind Ihnen aus den vergangenen Jahren als besonders anspruchsvoll im Gedächtnis geblieben?

Auch wenn man es mir nicht unbedingt ansieht – ich würde mich immer noch als recht jung bezeichnen. Trotzdem sind zehn Jahre eine wahnsinnig ereignisreiche Zeit, in der sich die Welt und die Gesellschaft spürbar verändert haben. ... Angefangen bei den Auswirkungen der weltweiten Finanzkrise über die Flüchtlingswelle 2015 bis hin zur aktuellen Corona-Pandemie hatten wir mit großen Herausforderungen zu kämpfen. Parteipolitisch haben wir Geschichte geschrieben: mit der ersten schwarz-grünen Regierung in einem Flächenland.

Wie gelingt Ihnen der Spagat zwischen fachlicher Tiefe und der Aufgabe, als CDU-Generalsekretär thematisch zugleich die eierlegende Wollmilchsau sein zu müssen?

Wie der Begriff schon sagt, muss ich inhaltlich „Generalist“ und zu allem sprachfähig sein. Finanzen waren aber schon immer mein Thema. Oft war ich mit unserem Finanzminister Thomas Schäfer dazu im Gespräch, als er noch gelebt hat. Gemeinsam haben wir damals die Klage gegen den Länderfinanzausgleich vorangetrieben.

Stichwort Thomas Schäfer: War sein Suizid in diesem Jahr für Sie die schwärzeste Stunde in Ihrer bisherigen Zeit in Wiesbaden?

Er hat mich schwer getroffen, wir hatten ein freundschaftliches Verhältnis. Das gilt auch für den ermordeten Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke.

Was hat Ihnen politisch am meisten wehgetan, konkret in Ihrem Wahlkreis?

Es ärgert mich nach wie vor, dass das St.-Rochus-Krankenhaus in Dieburg schließen musste und dass wir das Kreis-Krankenhaus auf dem alten, schlecht erreichbaren Standort am Hang in Groß-Umstadt neu errichten. Ich habe gemeinsam mit dem damaligen Sozialminister für einen zentralen Standort direkt an der B45 gekämpft. ... Warum die SPD die jetzige Lösung unbedingt wollte, verstehe ich bis heute nicht, aber sie haben mich überstimmt und damit bin ich leider gescheitert. Rückschläge gehören dazu.

Und welche hiesigen Erfolge gewichten Sie am höchsten?

Vor kurzem habe ich unsere Polizeistation in Dieburg besucht, die dank unserer Arbeit top ausgestattet ist. Die Beamten sind hoch motiviert und froh darüber, mit ausreichend Personal, moderner Technik, Waffen, Schutzausrüstung und Autos versorgt zu sein. ... Ein weiterer Erfolg, für den ich lange gekämpft habe, ist die Möglichkeit, dass die Städte jetzt selbst in die Planung gehen können, um etwa den Bau der Ortsumgehung Groß-Bieberau in Gang zu bringen. Auch auf der B45 kann es jetzt voran gehen. Und natürlich freue ich mich persönlich darüber, dass nun die Planungen für eine Straßenbahn zwischen Zimmern und Darmstadt beginnen können. ...

Sie sind viel im Altkreis Dieburg unterwegs, nicht nur im Wahlkampf. An welche Veranstaltung erinnern Sie sich bis heute besonders?

Ich bin gerne in meinem Wahlkreis und freue mich auf jede Veranstaltung. Besonders in Erinnerung ist mir geblieben, als ich Angela Merkel vor zwei Jahren nach Dieburg eingeladen habe und sie mir persönlich spontan zugesagt hat.

Worauf freuen Sie sich, wenn Sie aus Wiesbaden zurückfahren und daheim ein bisschen Freizeit wartet?

Freizeit ist in meinem Beruf leider recht begrenzt. Ich genieße es immer, mit meiner Familie durch die Dieburger Fußgängerzone zu schlendern und in einem Café mit den Leuten zu plaudern. Oft werde ich angesprochen und man kommt ins Gespräch.

Apropos Gespräch: Inwiefern hat sich Ihrer Erfahrung nach in den vergangenen Jahren die Gesprächskultur gewandelt, sowohl im Landtag als auch im Austausch mit den Bürgern?

Im politischen Diskurs herrscht schon immer ein raues Klima. Wir können uns in Sachthemen vortrefflich streiten und uns danach wieder in die Augen schauen, auch mal eine eiskalte Cola zusammen trinken. Der Einzug der AfD hat allerdings das Klima spürbar verändert. Das Niveau der Debatten sinkt dabei teils ins Bodenlose. Die Abgeordneten der AfD würde ich tatsächlich als rechtsradikal bezeichnen. Manche sind aber einfach nur gescheiterte Persönlichkeiten. Bedroht werde ich glücklicherweise nicht. Auch wenn es immer mal wieder Drohungen gibt, bin ich doch sehr froh, keine Personenschützer zu brauchen.

Wohin soll Ihre politische Karriere noch führen?

Meine Arbeit bereitet mir große Freude. Ich habe noch viele Ideen und noch viel vor. Lassen Sie uns in zehn Jahren hier noch mal treffen und dann reden wir darüber, was daraus geworden ist.

Das Gespräch führte

Jens Dörr

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