Alle Einnahmen brechen weg

Schausteller über die Corona-Pandemie: „Es ist eine Katastrophe“

Ist eigentlich Berufsoptimist: Schausteller Helmut Fendt aus Babenhausen an seinem Süßwarenwagen. 
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Ist eigentlich Berufsoptimist: Schausteller Helmut Fendt aus Babenhausen an seinem Süßwarenwagen. 

Für viele Menschen ist die Corona-Pandemie existenzbedrohend. Schausteller Helmut Fendt aus Babenhausen nennt sie eine „Katastrophe“.

  • Der Ostermarkt in Babenhausen ist wegen der Coronavirus-Pandemie in diesem Jahr ausgefallen.
  • Der Markt ist fester Bestandteil des Frühlings im Landkreis Darmstadt-Dieburg.
  • Schausteller Helmut Fendt erzählt von seiner Geschichte in der Corona-Krise: Für ihn ist sie existenzbedrohend.

Babenhausen – Eigentlich hätte der Babenhäuser Ostermarkt am vergangenen Wochenende stattgefunden. Doch dann kam die Coronavirus-Pandemie und die Großveranstaltung musste abgesagt werden. Viele Babenhäuser haben das Event im Frühling vermisst. Richtig schlimm, weil existenzbedrohend, ist der Corona-Ausnahmezustand für Menschen, die davon leben, anderen auf Märkten und Festen Unterhaltung und Zerstreuung zu bieten. Dazu gehört Helmut Fendt, der Vater aller Märkte in Babenhausen (Kreis Darmstadt-Dieburg), der gemeinsam mit seiner Familie einen Schaustellerbetrieb besitzt und Veranstaltungen organisiert. Auch er musste mit seinen Fahrgeschäften von jetzt auf gleich Zwangspause machen.

Darmstadt-Dieburg: Schausteller Helmut Fendt erzählt von seiner Geschichte in der Corona-Krise

Seit wann gibt es die Vergnügungsbetriebe Angelika Fendt, welche Fahrgeschäfte gehören dazu ?

Uns gibt es seit 1984. Wir reisen mit Kinderkarussell, Schiffschaukel, Schießstand, Süßwaren und Greiferspiel.

Wie viele Mitarbeiter sind neben Ihnen, Ihrer Frau und Ihrem Sohn beschäftigt? Sind das alles Saisonarbeitskräfte?

In der Regel haben wir drei Saisonkräfte. Sie sollten am 23. März eingestellt werden, was aber durch die sich überschlagenden Ereignisse nicht möglich war.

Nicht nur der Babenhäuser Ostermarkt, der seit vielen Jahren von Ihnen organisiert wird, sondern sämtliche Feste und Frühlingsmärkte müssen wegen der Coronavirus-Pandemie ausfallen. Gibt es für Ihren Betrieb eine alternative Einnahmequelle?

Nein, uns bricht im Moment alles weg.

Schausteller Fendt aus Babenhausen über die Corona-Krise: „Es ist eine Katastrophe.“

Für Schaustellerbetriebe beginnt jetzt eigentlich die Hauptsaison. Von wann bis wann sind Sie üblicherweise in der Region Darmstadt-Dieburg unterwegs?

Wir sind unterwegs von April bis Dezember. Wobei wir hier verschiedene Weihnachtsmärkte auch selbst durchführen. Ich selbst bin im Winter bis es wieder losgeht mit der Instandhaltung der Geschäfte und der Planung der Saison beschäftigt.

Was bedeutet das für ihren Betrieb und ihre Mitarbeiter wenn ein halbes Jahr oder noch länger alle Veranstaltungen verboten sind?

Für unseren Betrieb, unsere Existenz und natürlich auch für unser geplantes Personal ist es eine Katastrophe. Aber wir tragen die Maßnahmen der Regierung zur Eindämmung der Corona- Pandemie natürlich mit. Wir wollen ja alle gesund bleiben. Zeitlich sollte das aber nicht in die Endlosigkeit gehen, sonst müsste der Staat auf jeden Fall noch mehr intervenieren und helfen.

Schausteller aus dem Kreis Darmstadt-Dieburg sitzen während der Coronavirus-Pandemie auf ihren Kosten

Frisöre oder Fitnessstudio-Inhaber müssen Miete und laufende Kosten weiterbezahlen, auch wenn ihre Betriebe geschlossen sind. Haben Sie Kosten, auch wenn Sie nicht unterwegs sind?

Natürlich. Die Miete für den Abstellplatz für unsere Fahrzeuge muss bezahlt werden. Versicherungen, Darlehenstilgungen, Steuern und die Kosten des Fuhrparks ebenfalls.

Welche Form der staatlichen Hilfe würde Ihrem Betrieb helfen?

Kurzfristig kann der angedachte staatliche Zuschuss uns weiterhelfen, aber auf längere Sicht nicht. Weiterhelfen kann nur, wenn wir so schnell wie möglich wieder in der Lage sind, unsere Plätze anzufahren und selbst Geld zu verdienen.

Eigentlich Berufsoptimisten: Schausteller kommen durch die Corona-Krise an ihre Grenzen

Wissen Sie durch Kontakte zu Kollegen und Marktbeschickern, wie es der Branche jetzt allgemein geht?

Der kompletten Branche geht es so wie uns auch. Die Stimmung ist natürlich nicht so gut, aber wir wollen uns nicht unterkriegen lassen und hoffen, dass es schnellstmöglich weitergeht. Schausteller sind eigentlich Berufsoptimisten.

Von Petra Grimm

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