Interview mit Wolfgang Kettler

„Ein idealer Seebeben-Sommer“

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Wolfgang Kettler von den Rot-Weiss-Handballern

Babenhausen - Heute Abend startet das zehnte Seebeben mit einer After-Work-Party. Im Verlauf der Jahre haben die Handballer der SG Rot Weiss ihr Festival immer weiter vergrößert und ziehen mittlerweile mehrere Tausend Besucher aus der gesamten Region an.

Zusammen mit Wolfgang Kettler, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit, warf unser Mitarbeiter Michael Just einen Blick zurück und voraus.

Wie ging es einst los? Könnt ihr euch noch an die Anfänge erinnern?

Am Sickenhöfer See, der in Privatbesitz ist, feierten die Handballer in der Vergangenheit öfter Partys und Feste. Dabei resultierte die Idee, mal was Größeres aufzuziehen. Das erste Beben wurde dann innerhalb von sechs Wochen aus dem Boden gestampft.

Das war 2009. Was hat sich seitdem verändert?

Damals ging die Veranstaltung über zwei Tage, heute sind es drei. Das Grundkonzept, das heißt freitags ein DJ mit Elektromusik und samstags Bandmusik, hat sich bis heute nicht verändert. Legen wir aktuell erst abends los, betrat bei der Premiere die erste Gruppe schon um 15 Uhr die Bühne.

Recht ungewöhnlich war, dass anfangs fast alle Bands für kostenlos spielten.

Das ist richtig. Unser Ziel war zu Beginn, unbekannte Gruppen und neue Bands zu fördern. Von diesen sind viele froh, überhaupt eine Plattform zum Spielen zu bekommen. Verköstigung und ein Kasten Bier reicht vielen aus. Von den sechs Bands, die 2009 auftraten, zahlten wir nur für den Hauptact, Serum 114, eine Gage.

Wann kam die After-Work-Party hinzu?

Das war im dritten Jahr, also 2011. Mit der Hinzunahme des Donnerstags gehen wir seitdem über drei Tage. 2011 blieb aber in wenig guter Erinnerung: Der Samstag fiel komplett ins Wasser und es kamen nur 150 Besucher. Mit Kabelbinder und Klebeband wurden Regenplanen und Windschutz fixiert. Unser Vorsitzender Andreas Bludau sprach vom kleinsten Konzert der Welt, da sich am See alles verlief.

Dafür war die fünfte Veranstaltung umso positiver. Warum?

Das Jahr 2013 läutete eine komplette Wende ein. In fast allen Bereichen haben wir verändert und zugelegt. Auf die vergrößerte Bühne holten wir einen international bekannten DJ. Samstags spielte die Boomgang, die in Südhessen ein Renner war. Das kam an: Bei den Besucherzahlen erlebten wir einen Rekord und den endgültigen Durchbruch.

Damit hatte das bisherige Konzept des Newcomer-Festivals ausgedient?

Wir haben gemerkt, dass unbekannte Bühnenakteure weniger Besucher anziehen. Da wir von Anfang an wachsen wollten, mussten wir handeln. Die Erfahrung aus 2013 bewies, dass die Verpflichtung von bekannten Namen für uns das bessere Konzept ist.

Bilder: Seebeben in Babenhausen

Erhöht sich damit bei Schlechtwetter nicht das finanzielle Risiko?

Das stimmt. Seit dem letzten Jahr verfügen wir aber über ein riesiges Zirkuszelt als Ausweichquartier. Mit Blick darauf lässt sich unsere Veranstaltung als Open-Air mit Trockenheitsgarantie bezeichnen.

Worauf ist das Organisationsteam beim Blick auf die zehnte Veranstaltung besonders stolz?

Natürlich sind es die stetig gewachsenen Besucherzahlen, aber auch die vielen kleinen Dinge, die nicht immer sofort ins Auge springen. An unzähligen Stellschräubchen, darunter der Bühne, beim Einlass, der Security oder dem Vorverkauf der Wertmarken wurde das Gesamtsystem über Jahre immer wieder verbessert.

Dem Grundsatz, beim Programm für alle Generationen etwas zu bieten, seid ihr treu geblieben. Dass damit seit 2017 am Samstagmittag Blasmusik und ein Biergarten einhergehen, überrascht doch ein wenig. Wie lässt sich das erklären?

Das Volleyballturnier veranstalten wir samstags ja schon seit Jahren. Ebenso öffnen wir nur an diesen Tag den See für ein buntes Familienprogramm. Trotzdem fanden wir, dass noch was fehlt. Etwas, dass Leute an den See lockt, die sich weder an den Strand legen noch Volleyball spielen wollen. So kamen wir auf die Idee, einen Biergarten zu etablieren. Logistisch ist der Mehraufwand für uns überschaubar. Dazu hilft uns unser Partner Braustübl mit dem nötigen Material.

Da ihr alle Altersklassen und Bevölkerungsschichten vereint, liefen die bisherigen Festivals gänzlich ohne größere Zwischenfälle ab. Habt ihr von der Polizei dafür schon einen Orden erhalten?

Zum einen haben wir ein super Publikum, das kaum Arbeit macht. Dazu besteht ein enger Kontakt mit dem Ordnungsamt Babenhausen sowie der Polizei in Dieburg. In den letzten fünf Jahren hat sich das Thema Sicherheit stark verändert. Die Anforderungen sind hoch und werden wohl noch höher. Deshalb gehen wir das Thema proaktiv an, das heißt, geplantes statt reaktives Handeln. Bei eventuell auftretenden Problemen entwickeln wir für das Folgejahr direkte Lösungen. Interne, qualitätssichernde Maßnahmen, sind uns wichtig. So läuft die Zusammenarbeit mit der Polizei reibungslos. Einen Orden haben wir noch nicht bekommen, was nichts macht. Wir sind zufrieden, wenn es auch zukünftig ruhig und friedlich bleibt.

Fotos: Party beim „Seebeben“ Beachfestival

Bei den DJs standen mit Mashup Germany oder David Puentez immer Koryphäen am Plattenteller, die in den besten Clubs Europas und anderen Teilen der Welt auflegen. Wie nah seid ihr an der Szene dran? Inwieweit begutachtet ihr eure Verpflichtungen vorab?

Da im Orga-Kreis die musikalischen Interessen querbeet verteilt sind, schauen wir uns mögliche Bands vorher gemeinsam an und besprechen diese. Was die DJs angeht, haben wir einen Booker. Er ist selbst in der Szene aktiv und berät Nicht-Insider, was passen würde. Auch nimmt er eigenverantwortlich für uns die Buchung vor. Dank Social Media können wir uns seine Vorschläge vorher angucken und ein genaues Bild machen.

Gibt es zum 10. Seebeben noch besondere Ziele und Wünsche für die Zukunft?

Ja, wir hätten gerne jedes Jahr so einen Sommer wie diesen! Der ist für ein Beach-Party-Festival ideal. Zwar nutzen wir das Gelände noch nicht voll aus, dennoch sind Konzept und Programm in den letzten Jahren so ausgereift, dass kaum Potenzial und Luft nach oben besteht. Trotzdem ist unser Credo, stetig besser zu werden. Kleinigkeiten gibt es immer, die sich verändern und vervollkommnen lassen.

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