Luftsportclub möchte Grasbahn kaufen

Segelflieger wollen zurück nach Babenhausen

Der Segelfliegerei möchte der Luftsportclub eine Zukunft in Babenhausen geben. Die Hürden dafür scheinen aber hoch.
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Der Segelfliegerei möchte der Luftsportclub eine Zukunft in Babenhausen geben. Die Hürden dafür scheinen aber hoch.

Spätestens mit dem vor einigen Monaten abgeschlossenen Rückbau der Asphaltpiste zwischen dem ehemaligen Kasernengelände und dem Flora-Fauna-Habitat mit dem Prezwalski-Pferde-Gehege schien das Thema Luftsport in Babenhausen der Vergangenheit anzugehören.

Babenhausen - Nur eine Truppe von Modellfliegern, die zwischen Langstadt und Sickenhofen ihrem Hobby nachgeht, hielt noch das Wappen des Luftsportclubs (LSC) in Babenhausen in Ehren. Die motorisierten Flieger waren schon vor Langem nach Egelsbach ausgeflogen worden und haben dort eine neue Heimat gefunden, die Segeflieger wichen nach Reinheim aus. Hintergrund: Der LSC musste der Kasernenkonversion weichen. Ein Nebeneinander von Luftsport und Wohnbebauung war von Vorhinein ausgeschlossen worden, auch wenn die LSC-Verantwortlichen lange um den Standort gekämpft hatten.

Ein neuer Vorstand um den Babenhäuser Thomas „Tom“ Rößner wagt nun doch noch einmal einen Vorstoß. „Wer nicht kämpft, hat schon verloren“, meint er. Er und seine Mitstreiter wollen die Voraussetzungen dafür schaffen, dass zumindest die Segelfliegerei in Babenhausen eine Zukunft hat. Der Plan: „Wir wollen die alte Grasbahn kaufen und 2023 dann 100 Jahre Fliegerei in Babenhausen mit Segelflugstarts feiern und die Segelfliegerei auf neue Füße stellen.“ Bei der Grasbahn handelt es sich um eine Fläche, die zwischen der ehemaligen Asphaltpiste und dem Przewalski-Gehege liegt. Die finanziellen Mittel dafür sind im Verein – auch nach dem Verkauf von Flugzeugen und der LSC-Immobilien – vorhanden. Die Verhandlungen mit der Eigentümerin der Grünfläche, der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BiMA), laufen, teilt der LSC mit. Zwar sei der Flugplatz Babenhausen derzeit nicht mehr aktiv, aber formal immer noch als Flugplatz eingetragen. Das hätten Gespräche mit dem Regierungspräsidium Darmstadt ergeben.

Die Stadt hat der LSC bereits informiert und zumindest ideelle Unterstützung erhalten: „Als Bürgermeister freue ich mich über ein aktives Vereinsleben. Segelflug in Babenhausen bereichert die Stadt ungemein. Ich unterstütze den LSC bei seinem Vorhaben nach Kräften“, lässt Rathaus-Chef Dominik Stadler verlauten. Es seien aber sicherlich hohe Hürde, die der Verein nehmen müsse, meint der Bürgermeister.

Tom Rößner

Überrascht von dem Vorhaben zeigt sich die Kasernen-Konversionsgesellschaft. Das Thema sei abgeschlossen gewesen, meint dazu auf Anfrage Markus Aumann. Er ist nach wie vor der Auffassung, dass Luftsport, und seien es auch nur Segelflieger, nicht vereinbar mit der Wohnbebauung sei. Darüber habe von Anfang an Konsens, auch mit der Stadt, bestanden.

Der LSC jedenfalls lässt sich derzeit nicht davon abhalten und verweist auf das benachbarte Zellhausen, wo die Koexistenz möglich ist. Großen Wert legt Rößner darauf, dass durch die Segelfliegerei kaum Lärmemissionen entstehen. Mit einer „nahezu lautlosen Winde“ würde gestartet. „Das motorlose Fliegen gilt in Fachkreisen schon jetzt als sehr umwelt- und naturverträglich. Wir möchten aber noch weitergehen und Maßstäbe in Sachen Nachhaltigkeit setzen, in dem wir den Segelflug in Babenhausen emissionsfrei organisieren. Segelflug in Babenhausen hat eine Zukunft, davon sind wir überzeugt“, wirbt er für die Segelfliegerei.

Die Fliegerei und der Luftsportclub

Auf dem „Exert“, wie das Gelände hinter der Babenhäuser Kaserne im Volksmund genannt wurde, ist seit 1923 die Fliegerei zu Hause. Der Flugplatz wurde bereits 1923 von der Akaflieg Darmstadt für erste Flüge genutzt. Der 1951 gegründete Luftsportclub Babenhausen (LSC) fand dort seine Heimat.
Dem LSC war von der Bundesanstalt für Immobilienaufgabe im Vorfeld des Verkaufs an die Kasernen-Investoren das Nutzungsrecht gekündigt worden, das dann allerdings bis ins Jahr 2019 hinein jeweils befristet verlängert worden war.
Dem neuen LSC-Vorstand gehören Vorsitzender Tom Rößner und sein Stellvertreter Sven Hesselbach an. Geschäftsführer ist Fabian Kahlo. Im LSC gibt es derzeit etwa 160 Piloten, davon sind zirka 75 aktive Piloten. (nkö

)„Wir sind vor knapp zehn Jahren aus Frankfurt nach Babenhausen umgezogen. Und Babenhausen wurde damals vor allem wegen dem Flugplatz ausgewählt. Seitdem fühlen wir uns in Babenhausen und im LSC sehr wohl“, erzählt LSC-Mitglied Tobias Kronberger und fügt hinzu: „Mein Wunsch wäre, dass meine beiden Söhne vor Ort das Segelfliegen lernen können.“ Letztendlich, so lautet das Zwischenfazit des LSC, hänge es nun an der BImA und am politischen Willen. Eine Antwort der Bundesbehörde auf eine Redaktionsanfrage steht noch aus.

LSC-Vorsitzender Rößner nimmt derweil eine Doppelfunktion ein, wie er auf Nachfrage erläutert: Die ehemaligen LSC-Liegenschaft hat die auf Grundstücksankäufe spezialisierte „K+R Boden GmbH“ erworben, an der er beteiligt ist. Gerne würde er dem LSC dort wieder ein Domizil zur Verfügung stellen, berichtet er. Ein weiterer Plan ist es, dort eine Wald-Kita zu errichten. Er sei ihn Gesprächen mit de Sense-Ability-Academy, die bereits die Wald-Kita in Harpertshausen betreibt. (Norman Körtge)

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