Knick-Truppe lässt sich von Corona vorerst nicht ausbremsen

Mit dem Fahrrad in den Urlaub

Nach dem Reisesegen in Dieburgs Wallfahrtskirche startete die Radreise-Truppe auf ihre mehrwöchige Tour.
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Nach dem Reisesegen in Dieburgs Wallfahrtskirche startete die Radreise-Truppe auf ihre mehrwöchige Tour.

Los geht’s. Nach einem Reisesegen in der Dieburger Wallfahrtskirche brachen n sieben Radfahrer zu einer zwei- bis dreiwöchigen Tour nach Frankreich auf. Lang war sie geplant.

Zunächst wollte nur Babenhausens Stadtbekannter Radler Achim Knick im Juni mit dem E-Bike nach Bordeaux strampeln. „Auf ein Glas Wein nach Bordeaux!“ nannte er die 1 845 Kilometer weite Tour in das bekannte französische Weinbaugebiet nahe der Atlantikküste. Dann wollten sich ihm 13 Rad-Begeisterte anschließen, die Tour wandelte sich zur „Via Bohème – WallRadfahrt“ ins französische Saintes-Maries-de-la-Mer – 1 251 Kilometer entlang Rhein, Rhein-Rhône-Kanal, Doubs, Saône und Rhône ans Mittelmeer. Der Starttag verschob sich auf den 28. August.

Und schließlich sausten die Inzidenzen bis Anfang August wieder nach oben. Knallrot leuchtete die Inzidenz-Einfärbung der Zielgegend auf einer Online-Covid-Karte von Frankreich und dämpfte die Reisefreude der Radelnden. Inzidenz-Werte an die 500? Nein, danke. Lieber daheimbleiben. Oder doch eine andere Tour? Achim Knick, seine Frau Sabine und fünf andere der Gruppe einigten sich als Alternative auf eine 1 090 Kilometer weite Weinlagenfahrt mit 80 Prozent Aufenthalt in Deutschland und restlichen 20 Prozent im gemäßigten Elsass. „Wo der Wein zur Reise wird“ war neuer Tour-Name. Deutschlands größtes Weinbaugebiet Rheinhessen, die Pfalz, der schon genannte Elsass mit Babenhausens Partnerstadt Bouxwiller, das längste deutsche Weinbaugebiet Badens, die Hessische Bergstraße und Franken sollten in genau der Reihenfolge durchquert werden.

Aber dann: „Die Sehnsucht nach dem ‚richtigen‘ Frankreich siegte“, sagt Knick. Man fand einen Corona-Kompromiss-Weg nach Besançon, der mit ein bisschen Glück bei nicht allzu hohen Inzidenzen „auf ein Glas Wein ins Burgund“ führt.

Gut eine Woche nach dieser Entscheidung sind nun Sabine und Achim Knick aus Hergershausen, Maria Baumeister aus Ober-Roden, Christian Hübner aus Babenhausen, Manfred Schlitt aus Obertshausen, Wolfgang Rupp aus Jügesheim und Uto Seidel aus dem Vogelsberg unterwegs. Zwei Tage später als für ihre ursprüngliche Mittelmeer-Tour und in der Hoffnung auf 1 170 unbeschwerte Kilometer. Bei viel Natur und übermäßig sonnig-trockenem Wetter sowie geöffneten Hotels und Restaurants – und, ganz wichtig, offenen Eisdielen.

Bislang, in Deutschland, sah es gut aus. Ab Gernsheim am Rhein entlang erreichten sie ihr erstes Tagesziel Worms. Die nächste Etappe führte nach Germersheim, und heute Abend ist Lichtenau dran. Ab da – 241,6 Kilometer auf dem Rücken, pardon auf den Rädern – soll es mit Gottes Reisesegen nach Frankreich rübergehen. Genauer gesagt von Kehl über die Europabrücke nach Straßburg. Danach wollen die Sieben den Kanälen im Uhrzeigersinn bis in den Süden folgen und irgendwann westlich zum Quartier-Stopp nach Selestat abbiegen.

Drei Etappen später bei Besançon, der Stadt der Kunst und Geschichte, haben sie vor, nach einem Pausentag spontan zu entscheiden: Radelt die Gruppe zurück in heimische Gefilde oder unternimmt sie – für die anvisierten 1 170 Kilometer – noch eine Rundtour durch das Burgund und kommt im Anschluss mit dem Zug in die Heimat zurück? In beiden Fällen wäre sie nach zwei Wochen zuhause. Würde sie stattdessen die Rundtour machen und sich außerdem per Muskelkraft selbst von Besançon nach Hause befördern, wären es drei.

Egal, welchen Weg die Radtouristen aus Corona- und Wetter-Gründen einschlagen: Gleichmäßiges Radfahren klärt und befreit laut Knick fast meditativ den Kopf – von daher wird aus der „Auf ein Glas Wein ins Burgund“-Tour doch irgendwie auch eine Wall-Radfahrt, nur eben nicht ans Mittelmeer. Und falls die Rundtour stattfinden kann, liegt sogar Cluny – mit seinem 910 gegründeten Benediktinerkloster einst geistiges Zentrum Europas und Pilgerort ersten Ranges – vor ihnen. Genau das erklärte Knick am Dienstag dem katholischen Pfarrer Alexander Vogl. Dieser gab dem 61-Jährigen und seinen sechs Mitradlern außer Gottes Segen Grüße in seine alte Heimat Alzey bei Worms mit. Den haben sie am Dienstag längst ausgerichtet. Wie es jetzt mit ihnen weitergeht? Das werden sie spätestens in Besançon von sich hören lassen. (zkn)

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