Abseilen und Kraftdreieck aufbauen

So lief die Zwei-Tages-Übung der Feuerwehr

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Mit dem Stab-Fast-System lassen sich Fahrzeuge mittels Stützen, wie links zu erkennen, fixieren.

Babenhausen - Eine Zwei- Tages-Übung gingen am Freitag und Samstag rund 40 Feuerwehrmänner aus Babenhausen, Langstadt und Harpertshausen an. Von Michael Just 

Die Ausbilder aus den eigenen Reihen vertieften das Wissen beim Retten von Personen mit dem Teleskopgelenkmast, der Brandbekämpfung im Innenbereich sowie der technischen Hilfeleistung bei Unfällen. Spiderman in Babenhausen? Am Samstagmorgen schien der Hollywood-Held leibhaftig an der Fassade eines alten, mehrstöckigen Unterkunftsgebäudes in der Kaserne zu hängen. Bei näherem Hinsehen entpuppten sich die Spinnenfäden allerdings als Seile, dazu bewegte er sich eher untypisch immer nur nach unten und nie nach oben.

So waren es dann auch Feuerwehrleute, die einer nach dem anderen die Selbstrettung übten. „Sie ist nötig, wenn der Rückweg im Gebäude abgeschnitten ist und die Kameraden ebenfalls nicht helfen können“, erklärt Pressesprecher Werner Flechsenhar. Im Fall der Fälle muss für die bei Innenangriffen stets mitgeführte Sicherheitsleine zuerst ein fester Verankerungspunkt im Gebäude gefunden werden. Über Gurte und Haken an der Kleidung geht es dann aus luftiger Höhe ab nach unten. Wichtig ist dabei das Auseinanderstrecken der Füße, um nicht an Fassaden-Vorsprüngen hängen zu bleiben.

Die Frage, worin die größte Herausforderung besteht, beantwortet Feuerwehrmann Carsten Diehl (24): „Es ist nicht das Abseilen selbst. Viele eher ist es das Übersteigen und damit das Klettern aus dem Fenster“, sagt er. Für den Körper als auch im Kopf gelte es eine Hürde zu überwinden. In der Vergangenheit war die Selbstrettung für Mitglieder der Babenhäuser Wehr noch nicht nötig.

Wenn Feuerwehrmänner sich an Fassaden ablassen, wird – wie bei der Zwei-Tages-Übung – die Selbstrettung geprobt. In der Praxis kommt das zum Glück nur höchst selten vor.

Bei der Zwei-Tages-Übung durchliefen die Teilnehmer am Freitagabend und am Samstagmorgen mehrere Stationen. Während die Ausbilder dort fest blieben, rotierten die gemischten Gruppen mit Aktiven der Kernstadt und den Stadtteilen. Am Samstagnachmittag erfolgte als i-Tüpfelchen eine große, gemeinsame Abschlussübung. Als Szenario wurden Arbeiten an einem Carport angenommen, der durch Einsturz plötzlich Arbeiter begräbt. Durch Flexarbeiten entstand zusätzlich ein Feuer. Um in puncto technische Hilfeleistung fit zu sein, ging es für die Blauröcke bereits am Morgen vor die Autoverwertung Höreth. Der Betrieb hatte zwei Schrottwagen zur Verfügung gestellt, an denen sich das Stab-Fast-System ausprobieren ließ. Bei der Babenhäuser Wehr ist es noch nicht lange im Gebrauch. „Wenn bei Unfällen Fahrzeuge auf dem Kopf oder der Seite liegen, besteht beim Retten der Insassen stets die Gefahr, dass das Auto kippt. Die Stabilität nimmt noch weiter ab, wenn wir Dach oder Türen aufschneiden“, weiß Ausbilder Achim Frankenberger. Mit dem Stab-Fast-System kann das Fahrzeug innerhalb von ein bis zwei Minuten stabilisiert werden. Das passiert mit länglichen Stützen. Sie kommen an die Reifen oder in erzeugte Löchern im Blech. „Durch das Spannen von Bändern entsteht ein Kraftdreieck. Über Ratschen angezogen, hält das Auto bombenfest“, führt Frankenberger an und benennt noch einen weiteren Vorteil: „Damit werden die vielen Holzklötze überflüssig, die wir vorher zum Fixieren benutzten.“

Wie werde ich Feuerwehrmann/frau?

Die Zwei-Tages-Übung setzt die Feuerwehr der Kernstadt einmal im Jahr an. „In den jeweiligen Blöcken sind dann Themen im Blickpunkt, die im normalen Übungsalltag nicht allzu intensiv behandelt werden können“, erläutert Flechsenhar. Nach Möglichkeit findet die Übung mit Kollegen aus den Stadtteilen statt.

In Sachen Verpflegung müssen sich die Teilnehmer keine Gedanken machen. Das bewährte Küchenteam, das sich aus einer ganzen Reihe engagierter weiblicher wie männlicher Feuerwehrvereinsmitglieder zusammensetzt, kreiert einen sämtliche Bedürfnisse erfüllenden Speiseplan. Nach Wurstsalat und Bratkartoffel am Freitagabend, über Frühstück und Mittagessen am Folgetag, lief die Gruppe am Samstagabend zu absoluter Höchstform auf: Zur großen Abschlussrunde, zu der auch die Familien der Aktiven eingeladen waren – insgesamt 64 Personen plus acht Kinder –, übertraf sich das Küchenteam mit verschiedenen Braten, Kartoffelgratin oder Spargelsalat regelrecht selbst.

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