170 Jahre später

June Rogers auf Spurensuche in Langstadt

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Verwandtschaft: June Rogers mit ihren „Cousins“ aus Langstadt: Reiner Haberstock (von links), Artur Finke und Bernd Haberstock.

Anna Louisa Sauerwein und Michael Hartmann erhofften sich ein besseres Leben und wanderten mit ihren Kindern um 1848 von Langstadt in die USA aus. 170 Jahre später schreitet June Rogers durch die Gassen, durch die bereits ihre Ururgroßeltern liefen.

Langstadt – Es sei „ein tiefes Bedürfnis unserer Herzen, zu wissen, wo wir herkommen, wo unsere Wurzeln sind“, sagt Pfarrer Philipp Messner zu den Gästen, die vor ihm in den Bänken der Langstädter Kirche Platz genommen haben – und spricht damit vor allem June Rogers an. Die US-Amerikanerin ist mit ihrem Mann John aus Iowa in den Babenhäuser Stadtteil gekommen, um mit eigenen Augen zu sehen, wo einst ihre Vorfahren lebten. „Neugierde“, sagt sie, sei die Triebfeder gewesen, als sie vor etwa 15 Jahren damit begonnen hat, ihre Familiengeschichte zu recherchieren. Irgendwann sei sie auf Michael und Anna Louisa (geborene Sauerwein) Hartmann gestoßen, die zusammen mit ihren drei Kindern, Tochter Maria Louisa – Rogers Urgroßmutter – und den Söhnen Johannes Ludwig und Martin, um 1848 in die USA emigrierten. Um der Wirtschaftskrise zu entkommen und sich ein besseres Leben aufbauen zu können.

Die im Jahr 1880 errichtete Langstädter Kirche, in der diese Woche June Rogers steht, kannten ihre Ururgroßeltern noch nicht. Allerdings der an gleicher Stelle stehende Vorgängerbau. Aber die Platte auf dem Altar und die Spitzbogentür im Altarbereich dürften Rogers Ahnen gekannt haben, erzählt ihr Reiner Haberstock. Der gebürtige Langstädter, seit 1992 Pfarrer in der Luthergemeinde in Frankfurt, ist nicht nur Heimatforscher, sondern eben auch indirekt ihr Cousin. Zu Haberstocks Vorfahren gehört eine Schwester von Anna Louisa.

„Ich möchte sehen, durch welche Straßen sie gingen, wo sie gelebt haben“, sagt Rogers, bevor Haberstock sie durch den Altstadtkern von Langstadt führt – vom Kirchenvorplatz, über die gepflasterte Hauptstraße, in die Hintergasse. Dort, neben der ehemaligen Mühle, steht das Fachwerkhaus, in dem Anna Louisa und Michael Hartmann und ihre drei Kinder lebten, bevor sie auswanderten. Sie wisse, dass dies hier alles früher wahrscheinlich nicht so wunderschön ausgesehen habe, aber es sei schön, an dem Ort zu sein, der eine Art Ursprung sei, erzählt Rogers.

Führung durch Langstadt: Pfarrer Reiner Haberstock mit June Rogers auf der Hauptstraße.

Ein anderer ist Ausgangsort ihres Deutschlandtrips. Denn Rogers Tochter hat in den USA einen Einwanderer geheiratet. Einen Schweizer. Mit dessen Mutter und Schwester haben sich die Rogers auf die Spurensuche im Nachbarland begeben, nachdem sie im Vorfeld der Reise zahlreiche E-Mails verschickt hatte von denen letztendlich eine auch bei Heimatforscher Bernd Bundschuh landete, der wiederum Reiner Haberstock kontaktierte.

Die Ururgroßeltern von June Rogers ermöglichten ihren drei Kindern ein neues Leben im „Land der Freiheit“. Sie selber hatten nicht mehr viel davon. Michael Hartmann starb bereits 1849. Es wird vermutet, dass er bereits vor seiner Frau und den Kindern in den 1840ern emigrierte und die Familie dann nachholte. Anna Louisa lebte nicht viel länger, wie June Rogers herausgefunden hat.

VON NORMAN KÖRTGE

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