Babenhausen: Parteiloser Kandidat macht das Rennen

Stadler triumphiert, Knoke abgewählt

Fairer, aber geschockter Wahlverlierer: Bürgermeister Joachim Knoke (rechts) gratuliert Dominik Stadler.
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Fairer, aber geschockter Wahlverlierer: Bürgermeister Joachim Knoke (rechts) gratuliert Dominik Stadler.

Babenhausen – Dominik Stadler wird der neue Bürgermeister von Babenhausen. Mit 54,9 Prozent der Stimmen setzte sich der parteilose Kandidat gegen SPD-Amtsinhaber Joachim Knoke 36,6 Prozent) und den parteilosen Arnd krug (8,4 Porzent) durch.

Babenhausen- Es ist 18.39 Uhr, als die ersten Jubelschreie von offensichtlichen Unterstützern von Dominik Stadler auf dem den Marktplatz zu hören sind. 50,89 Prozent für den parteilosen Kandidaten zeigt da das überdimensionale Balkendiagramm, das auf die Frontseite der ehrwürdigen Stadtkirche projiziert und mit jedem neu ausgezählten Wahlbezirk aktualisiert wird. Zum ersten Mal an diesem Wahlabend hat Stadler zu diesem Zeitpunkt die absolute Mehrheit. Und er wird sie von da an auch nicht mehr verlieren.

Um 18.51 Uhr hallt von irgendwo her „The Final Countdown“ über den Marktplatz. Vier Minuten später steht Arnd Krug neben Stadler. „Glückwunsch, mein Lieber. Mach das beste daraus“, sagt der zweite unabhängige Kandidat zu Stadler, der neidlos den Wahlsieg seines Konkurrenten anerkennt. „Ein Fußballspiel dauert 90 Minuten“, zieht Stadler eine Fußballerweisheit heran, um nicht zu siegessicher zu wirken. Aber als dann wenig später auch die beiden Briefwahlbezirke ausgezählt sind und das Gesamtergebnis aus der Kernstadt feststeht, hört auch der 39-Jährige auf, sich in Zurückhaltung zu üben. „Die Hoffnung war da, aber ich konnte einfach nicht abschätzen, ob es wirklich reicht.“

An die Stadtkirche sind die Wahlergebnisse projiziert worden.

Es hat gereicht. 54,91 Prozent der Wähler haben den parteilosen, von der CDU unterstützten Stadler ins Bürgermeisteramt gehievt. Rathaus-Chef Joachim Knoke hingegen ist abgewählt. Lediglich 36,66 Prozent der Stimmen konnte der SPD-Mann auf sich vereinen. Der parteilose Arnd Krug kommt auf 8,43 Prozent.

Sichtlich geschockt von dem Wahlergebnis ist Knoke, der noch bis zum 16. Januar im Amt sein wird. Nein, damit habe er nicht gerechnet gibt er unumwunden zu, nachdem er schweren Schrittes über den Marktplatz gelaufen ist und Stadler fair zum Wahlsieg gratuliert hat. „Nach sechs Jahren Vollgas geben, bin ich enttäuscht“, sagt Knoke. Er habe den Leuten immer die Wahrheit gesagt. Das sei offenbar nicht bei den Wählern angekommen. „Aber das ist Demokratie“, so der 51-Jährige, für den nun nach einer Amtszeit Schluss ist.

Der Dreikampf um die Rathaus-Spitze hat zumindest ein wenig positive Auswirkungen auf die Wahlbeteiligung gehabt. 50,69 Prozent der etwas mehr als 13 000 Wahlberechtigten haben von ihrem Stimmrecht gebrauch gemacht. Vor sechs Jahren waren es 46,8 Prozent.

Enttäuscht von der Wahlbeteiligung ist Kandidat Krug, der sich nicht nur eine deutlich höhere Wahlbeteiligung, sondern selbstverständlich auch ein besseres Wahlergebnis für sich gewünscht hätte. „Das muss ich akzeptieren“, so Krug, für den die Abwahl Knokes keine Überraschung ist. Die Wechselstimmung sei spürbar gewesen, meint er.

Wahlsieger Dominik Stadler freut sich zusammen mit seinen beiden Töchtern und Ehefrau Katharina auf dem Marktplatz über das Ergebnis.

CDU-Stadtverbandsvorsitzende Heidrun Koch-Vollbracht jedenfalls zeigt sich überglücklich, dass es Stadler gleich im ersten Anlauf geschafft hat. Für die CDU sei es Neuland gewesen, keinen eigenen Kanidaten aufzustellen, sondern einen unabhängigen zu unterstützen. „Ich war mir bei der Entscheidung sicher und bin mir seitdem jeden Tag sicherer geworden, dass er der Richtige ist.“

Überwältigt vom Wahlerfolg ist Stadlers Ehefrau Katharina. „Er hat so viel Energie reingesteckt“, blickt sie auf die zurückliegenden Monate zurück. Und es freue sie, dass seine Authentizität bei den Leuten rüber gekommen ist.

19.22 Uhr: Über den Marktplatz schallt die Hymne: „Tage wie diese“. (Von Norman Körtge)

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