5000 Besucher am Sickenhöfer See

„Stadt Land Bass“ ist schrill, laut und friedlich

+
Mit seinem Hut aus Stachelschweinborsten steht Marvin Netzband für ein Publikum, auf das von schrill über friedlich bis sympathisch viele positive Attribute zutreffen.

Babenhausen - 19 DJs auf drei Bühnen – von Samstagvormittag bis Mitternacht ist am Sickenhöfer See gefeiert worden. Von Michael Just 

Eineinhalb Jahre reiste Marvin Netzband durch Afrika, um sich selbst zu finden. Seit drei Monaten ist der 27-Jährige aus Erlensee wieder da. Doch die Entdeckungstour ist noch nicht vorbei: Mit Rauschebart und schwarzem Hut, den ein Kranz aus Borsten des Stachelschweins ziert, ging es am Samstag zum neunten „Stadt Land Bass“-Festival. „Ich will heute weiter in mich hineinfühlen“, formulierte Netzband, der bei seinem Beruf am liebsten „sexy“ angibt.

Die Besucher kamen aus ganz Deutschland und sogar aus dem benachbarten Ausland.

Nach dem Seebeben brachte „Stadt Land Bass“ den Sickenhöfer See eine Woche später erneut in Wallung. Da hier ausschließlich Elektro- und Techno-Beats durch die Boxen dringen, vibrierte der Untergrund noch mehr. Der Veranstalter heißt Benjamin Gerhardt und kommt aus Seligenstadt. Mit Passion und Professionalität hat er aus klein groß gemacht: Von einst 500 Besuchern wuchs „SLB“ auf 5000. Los ging es einst in Zellhausen und Alzey. Aufgrund der besseren Rahmenbedingungen ist man seit fünf Jahren am Sickenhöfer See. Das eintägige Event beginnt bereits morgens um zehn und endet um Mitternacht. Mit 19 DJs auf drei Bühnen wird nicht gekleckert, sondern geklotzt. Die Namen sind groß: Monika Kruse hat beispielsweise schon bei Tomorrowland in Belgien aufgelegt. Mit 400 000 Besuchern gilt es das bekannteste Festival für elektronische Tanzmusik in Europa.

Babenhausen bebt: Bilder vom „Stadt-Land-Bass-Festival

Obwohl dicht aufeinander folgend, nehmen sich Seebeben und SLB nichts weg. Während zu den Babenhäuser Handballern das Umland kommt, findet wenige Tage später die Anreise aus ganz Deutschland und sogar aus dem benachbarten Ausland statt. Das Seebeben spricht musikalisch die breite Masse an. Bei SLB feiert jenes Publikum, das früher zur Love-Parade fuhr oder heute „Tanz der Bässe“ in Lampertheim oder die Street-Parade in Zürich mag. Schrille Klamotten und Farbe auf den Körpern gehören stets dazu.

Besucher, die sowohl das Seebeben als auch SLB besuchen, gibt es wenige. Und doch existieren sie: Die Babenhäuser Fabian Schildbach, Meike Gläser und Laura Berg schauten dieses und letztes Wochenende am See vorbei. „Wir finden beides gut. Es herrscht jeweils eine völlig unterschiedliche Atmosphäre, die man nicht vergleichen, aber trotzdem lieben kann“, sagen sie.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare