Allgemeines Wohngebiet

Stadtparlament verabschiedet Aufstellungsbeschluss für alte Gärtnerei

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Grünewald-Gärtnerei – Wohngebiet oder Gewerbe? Die Mehrheit der Stadtverordneten stimmte für Ersteres.

Babenhausen - Kein Mischgebiet! CDU und Freie Wähler haben die Rahmenrichtlinien für die innerstädtische Entwicklung fundamentiert.

Am Donnerstagabend wurde im Stadtparlament Babenhausen der vorhabenbezogene Aufstellungsplan für das Gebiet „Kirchgärten – Alte Gärtnerei“ gegenüber der Stadtkirche verabschiedet. Maßgabe: Es soll ein „allgemeines Wohngebiet“ werden. Von Anwohnern, die auf den Zuschauerplätzen ausharrten, wurde die Entscheidung der Politik herbeigefiebert. Aus Angst vor massiver, bis zu 16 Meter hoher Bebauung hatte sich eine rund 20-köpfige Bürgerinitiative formiert. „Vor allem ging es aber um die Massigkeit der Bebauung, die Gebäudestruktur sollte sich ändern“, analysierte FDP-Vertreter Manfred Willand die Kritik aus Politik und Bevölkerung. Bei der Bürgerversammlung im Januar hatte der Investor, das Unternehmen Kalkan und Aurelion aus Aschaffenburg, seine Pläne vorgestellt (wir berichten). Ein Mix aus Ladenlokalen und insgesamt 67 Wohnungen in zwei Bauteilen (A&B), Tiefgarage – Investitionsvolumen rund 20 Millionen Euro. Nun muss umgeplant werden. Denn rechtlich ist Gewerbe in reinen Wohngebieten nur in Ausnahmen und unter Auflagen machbar, lediglich die Bedürfnisse der Anlieger dürfen abgedeckt werden.

Manfred Willand suchte vor der Abstimmung nach einem Kompromiss. Um SPD und Grüne – Befürworter einer Entwicklung, die Gewerbe, Parken, Wohnen und Leben unter einen Hut bringen sollte – und die CDU-FWB-Haltung (reines Wohngebiet) auf eine Linie zu bringen. Willand scheiterte. Ein „nur Wohnen“ im rückwärtigen Bereich und ein Mischgebiet im zur Straße liegenden Teil war mit den beiden Mehrheitsfraktionen nicht zu machen. „Wir möchten dem Vorhabenträger unsere Empfehlung geben, die lautet: reine Wohnbebauung“, sagte Stephan Sawallich (CDU).

„Reines Wohnen nutzt dem Verkäufer und dem Investor, die Stadt hat nichts davon“, hielt Bürgermeister Joachim Knoke dagegen. In der Entscheidung, planungsrechtlich nur Wohnbebauung zuzulassen, sehen auch SPD und Grüne massive Versäumnisse, städtebauliche Entwicklungspotenziale zu nutzen. „Babenhausen entwickelt sich zur Schlafstadt“, postulierte Martina Seuß (SPD), „unser Sparkurs sorgt für Stillstand.“ Das kulturelle Leben sei eingefroren, es werde auswärts eingekauft, und die Kommunen rundherum überholen die Stadt, kritisiert Seuß. „Wir haben ein Einzelhandelskonzept in Auftrag gegeben“, sagt sie. Dessen Fazit war: Die Bummelgass’ brauche Impulse.

„Die Innenstadt braucht Frequenzbringer und Belebungspunkte, die Möglichkeit, im Herzen der Stadt in zukunftsweisende Richtung zu gehen, mit Wohnen, Einkaufen und ausreichend Parkmöglichkeiten“, argumentierte auch Manfred Nodes (Grüne). „Durch den Wunsch der Gärtnerei Grünewald, ihren Betrieb zu verlegen, wurde die letzte innerstädtisch zu entwickelnde Fläche von größerer Bedeutung für die Stadt entwickelbar“, resümierte Nodes – die Entwicklung trägt nun die Handschrift der CDU/FWB-Mehrheit. Die FDP enthielt sich in der Abstimmung zur Bauleitplanung, SPD und Grüne waren gegen die Zielvorgabe reine Wohnbebauung. Ausnahme: Sozialdemokrat Adolf Breer stimmte nicht mit. Er verwies auf die Verkehrssituation vor der Grundschule im Kirchgarten, „dort herrscht das blanke Chaos. Ich habe Grundbedenken gegen die Bebauung.“

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„Welche Nutzung des Areals ist die beste zum Wohl unserer Stadt in der Zukunft? Die Befriedigung von Wohnbedürfnissen durch ein Wohn- und Schlafquartier auf 5000 Quadratmetern in unmittelbarer Nähe der Bummelgasse? Entstehen so ausreichend Impulse für die Geschäftswelt? Wird die Attraktivität der Altstadt für Besucher und Kunden verbessert?“ – Fragen, die Bürgermeister Knoke zuvor in einer Pressemitteilung stellte. „Wohnen brächte zwar zusätzliche Kaufkraft und Einkommensteueranteile, wäre aber in der Gesamtschau weniger attraktiv als Gewerbe, das zudem deutlich weniger Infrastrukturkosten verursacht. Die geringeren Impulse für die Innenstadt ließen weiteres Potenzial an Gewerbesteuereinnahmen ungenutzt“, argumentierte Knoke. Die politische Mehrheit sah es anders. Wolfgang Heil (FWB): „Wir haben den betroffenen Bürgern zugehört. Und wir denken, dass wir das beste Denkbare tun für Babenhausen.“ (zah)

Leider hatten sich zwei Fehler in diesen Artikel geschlichen, die wir korrigiert haben.

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