Schadstoffe

Biber-Stausee bei Babenhausen als mögliches Problem – Verunreinigt er das Grundwasser?

Der Biber-Stausee bei Hergershausen: Blick Richtung Westen, links im Hintergrund Eppertshausen.
+
Der Biber-Stausee bei Hergershausen: Blick Richtung Westen, links im Hintergrund Eppertshausen.

Biber haben bei Babenhausen im Kreis Darmstadt-Dieburg einen Stausee entstehen lassen. Nun besteht die Vermutung, dass der See unerwünschte Stoffe ins Grundwasser bringen könnte.

Babenhausen - Etwa zehn Hektar groß – das entspricht 14 Fußballfeldern – ist mittlerweile der durch Biber aufgestaute See im Wald unweit des Hergershäuser Wasserwerks. Wolfram Wittwer, Betriebsleiter des Zweckverbands Gruppenwasserwerk Dieburg, befürchtet, dass durch das Versickern die Wasserqualität in den Trinkwasserbrunnen beeinträchtigt werden könnte.

Am Dienstag verkündet eine Ansage trotz Verabredung zum Telefongespräch: „Der angerufene Teilnehmer ist zur Zeit nicht erreichbar.“ „Gestern war ich im Wald und hatte keinen Empfang“, begrüßt am Mittwoch Wolfram Wittwer den Anrufer von der Presse, als es dann doch klappt. „Jetzt bin ich zwar schon wieder im Wald, aber heute habe ich Empfang.“ Der Journalist will mit ihm über ein Krisengespräch zu dem ausgedehnten See reden, den Biber auf der Spiegelwies nahe den ZVG-Betriebsanlagen zwischen Hergershausen und Eppertshausen aufgestaut haben .

Der Betriebsleiter des Zweckverbands-Gruppenwasserwerks Dieburg (ZAW) ist derzeit ein gefragter Mann. Er muss Medienvertretern Rede und Antwort stehen, die sich von der Berichterstattung über den Bibersee bei Babenhausen haben leiten lassen. Dabei geht es wohl vor allem um die Frage, wie gefährlich die Versickerung von Schadstoffen in das Grundwasser ist, aus dem der ZVG Grundwasser für die Region gewinnt – eines der Themen des Gesprächs, das Wittwer Ende vergangener Woche vor Ort mit Vertretern verschiedener Behörden geführt hat.

Babenhausen: Biber sorgen für intakte Natur

Die aufgestaute Seefläche ist auch für Fachleute wie etwa Uwe Avemarie von der Unteren Wasserbehörde beim Landkreis Darmstadt-Dieburg beeindruckend. Sie beträgt nach Sichtung von Drohnen-Aufnahmen durch Experten mehr als zehn Hektar.

Wittwer ist – schon von Berufs wegen – natürlich Anwalt der Wasserqualität. Aber er weiß auch, dass der Biber höchste Weihen des Naturschutzrechts genießt und wegen seiner Index-Funktion für intakte Natur Sympathieträger der öffentlichen Meinung ist. „Grundsätzlich tun Biber nur Gutes“, sagt er eingangs des Telefongesprächs.

Mit dabei beim Ortstermin war unter anderem der Biberbeauftragte Ulrich Götz-Heimberger von der Oberen Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium (RP) Darmstadt. Sein Aufgabenfeld wird amtlich auch als „Wildtierkonfliktmanager“ beschrieben. Ebenfalls mit von der Partie: Wasserbauingenieur Avemarie von der Unteren Wasserbehörde sowie sein Kollege Matthias Kisling von der Unteren Naturschutzbehörde, beide privat im Naturschutz engagiert und daher dem Lager der Biber-Sympathisanten zuzurechnen.

Biber-Stausee bei Babenhausen: Ein Spannungsfeld zwischen Natur und Zivilisation

Biber sind trotz ihres hohen Status’ im Naturschutzrecht nicht „Everybodys Darling“. Diesmal sind die Beschwerdeführer jedoch nicht Landwirte, denen die Wintergerste abzusaufen droht. Der Konflikt zwischen der durch Biber vorgenommenen, aber deshalb nichtsdestoweniger natürlichen Anlage von Feuchtbiotopen auf der einen und der Qualität des Trinkwassers für Tausende Menschen im Versorgungsgebiet des Zweckverbands Gruppenwasserwerk Dieburg (ZVG) auf der anderen Seite hat eine grundsätzlichere Dimension im Spannungsfeld zwischen Natur und Zivilisation.

Christoph Süß, Pressesprecher des RP, berichtet auf Nachfrage über die Ergebnisse dieses Krisengesprächs, das aus Sicht von Götz-Heimberger „sehr konstruktiv“ gewesen sei: „Wir haben uns mit Wittwer zunächst auf kurzfristige Maßnahmen – mehrere Biberdamm-Absenkungen – geeinigt, die nun Schritt für Schritt angegangen werden. Zunächst sollen die Auswirkungen abgewartet werden.“ Wie die Absenkungen umgesetzt werden, soll erst einmal durch nähere Untersuchungen geklärt werden. Der Einbau von Drainagerohren – wie unlängst an einem Biberdamm zwischen Richen und Altheim geschehen – scheint nicht ausgeschlossen.

Biber-Stausee bei Babenhausen hat Entleerungsbecken geflutet

Vom RP wird die Fläche des Sees auf zehn Hektar beziffert, die relativ flach aufgestaut sind. Von maximal 40 Zentimetern ist die Rede. Die reichen aber, um ein weiteres Problem zu schaffen: Das Gruppenwasserwerk verfügt über ein Entleerungsbecken, in das Wasser abgelassen werden kann, falls Lecks im Rohrsystem repariert werden müssen. „Doch diese Anlage ist jetzt überflutet“, ärgert sich Wittwer.“ Der ZVG-Betriebsleiter hofft deshalb innig, dass sie nicht zum Einsatz kommen muss – weil sie derzeit gar nicht zum Einsatz kommen kann.

Teilweise reicht der Stausee zudem bis in den Wald südlich der Lache, was wiederum den Forstleuten nicht gefällt. Und der „Wassermann“ des ZVG weiß, dass der Spielraum für Regulierungen des Wasserstands nicht sehr groß ist: „Wenn die Eingänge der Biberburg trocken fallen, machen die Biber die Dämme wieder höher.“ Kisling berichtet von findigen Tricks: „Da sind auch schon Drainagerohre mit halb platten Fußbällen verstopft worden.“

Die Lache, die den Stausee speist, nimmt östlich von Eppertshausen den Hegwaldbach auf, und das ist der „Vorfluter“ der Eppertshäuser Kläranlage. Dieser wird wie den meisten Anlagen der Region zwar eine gute Reinigungsleistung bescheinigt, das gilt aber nicht für Medikamentenrückstände und Schwermetalle.

Gelangen unerwünschte Stoffe durch den Biber-Stausee bei Babenhausen ins Grundwasser?

Eine moderate Absenkung des Spiegelwiessees löst also nicht das von Wittwer angesprochene Problem des Versickerungs-Eintrags unerwünschter Stoffe in das Grundwasser – falls es dieses Problem überhaupt gibt: „Die potenzielle Wasser-Verunreinigung und eine mögliche längerfristige Herangehensweise wurden nur andiskutiert“, heißt es vom RP. „Solche Befürchtungen werden aber auch bei anderen Biber-Überschwemmungen immer wieder vorgebracht, allerdings liegen dazu bisher dem Land kaum wissenschaftliche Erkenntnisse vor.“

Wittwer hingegen stellt fest, das ZVG habe im Oberflächenwasser bereits eine Reihe von unerwünschten Stoffen analysiert, und es sei nur eine Frage der Zeit, bis sie auch im Grundwasser nachgewiesen werden können. Deshalb sollen im Umfeld des Sees Probeentnahmestellen bis in eine Tiefe von drei bis fünf Metern vorgetrieben werden, „mit denen wir dann bereits im Sommer etwaige Versickerungen nachweisen können“. (sr)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare