Sanierung der Harpertshausener Kirche:

Ein Stern, der Spendernamen trägt

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Wer seinen Namen im Sternenhimmel der Harpertshäuser Kirche verewigt wissen will, hat dazu mit einer größeren Spende nun die einmalige Gelegenheit.

Harpertshausen - Die kleine evangelische Kirche in Harpertshausen ist sanierungsbedürftig. Feuchtigkeit durch mangelnde Luftzirkulation sind ein Problem, dazu sind Wände und Decken ergraut und brauchen neue Farbe. Ende August sollen die 300.000 Euro teuren Arbeiten beginnen. Von Michael Just 

Wer wissen möchte, wie alt das Gotteshaus im Babenhäuser Stadtteil ist, für den hat Pfarrer Ulrich Möbus einen plausiblen Rat: „Der Blick nach oben ist immer gut“, sagt er. Und tatsächlich: Wer am Altar steht und nach oben schaut, erkennt in einem Sternenhimmel die Zahl 1866. Und wieder einmal höchste Zeit für eine Sanierung. „Eigentlich wollten wir schon zum 150-jährigen Bestehen der Kirche vor zwei Jahren loslegen“, erzählt der Pfarrer. Wie so oft im Leben hätten sich die Dinge aber verzögert. Die notwendigen Arbeiten fallen alle im Inneren des Gebäudes an.

Optisch hat die einstige Elektroheizung Spuren hinterlassen und die Wände über die Jahre mit einem grauen Schleier überzogen. Wer ein bisschen scheuert und kratzt, entdeckt um den Altar herum einen ursprünglich grünen Farbton, der mit der gegenwärtigen Erscheinung wenig zu tun hat. Während hier nur die Optik betroffen ist, verfügt das Gotteshaus wenige Schritte weiter über wirkliche Probleme: Die Nordwand enthält Feuchtigkeit und bildet seit einem Jahr in Stein und Gebälk leichten Schimmel aus. „Den haben wir natürlich sofort auf eine gesundheitliche Gefährdung untersuchen lassen“, erzählt Möbus. Das war zum Glück nicht der Fall. „Trotzdem wollen wir den Schimmel natürlich weghaben“, hebt der Pfarrer heraus.

Der Schimmel im Gebälk der Nordwand macht Pfarrer Ulrich Möbus Sorgen.

Die Ursachen für den Missstand sind vielfältig: Zum einen ist es das nicht einwandfrei arbeitende Thermostat, das in den Wintermonaten vergangener Jahre dafür sorgte, dass die Kirche nicht optimal aufgeheizt wurde. Auch Verfugungsarbeiten, die vor 32 Jahren am Mauerwerk im Außenbereich stattfanden, werden als Aspekt für einen ungenügenden Luftaustausch betrachtet. Besonders im Fokus steht die Nordwand als kühlste Stelle des Gebäudes. Früher befand sich hier ein Heizkörper, der im Zuge der Modernisierung wegfiel. Damals wurden die Folgen dieser Entscheidung nicht erkannt.

Das beauftragte Architekturbüro stellte nun erst einmal das gesamte Raumklima auf den Index und ermittelte mehrere Notwendigkeiten. Dazu zählt eine neue Sockelheizung für die Nordwand. Vollständig gelöst ist das Problem damit aber nicht: Da im Sommer die Luftfeuchtigkeit am höchsten ist, muss auch dann gegengesteuert werden. Für eine bestmögliche Luftzirkulation sind an verschiedenen Stellen in der Kirche zusätzliche Klappen und Öffnungen angedacht. Sie sollen als passive Maßnahmen sowohl die Luftbewegungen im Inneren als auch den Austausch nach draußen fördern. Für die Umsetzung muss ein Teil der Orgel kurzzeitig weichen. „In ihrem Bereich sind ein oder zwei Öffnungen geplant, damit der feuchte Luftstau nach oben entweichen kann“, erklärt Möbus. Parallel erhalten die Kirchenfenster ebenfalls ein neues Nutzungskonzept.

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Die letzte große Renovierung der Harpertshäuser Kirche fand 1986 innen und außen statt. Danach schlossen sich nur noch Einzelmaßnahmen wie die Heizungserneuerung oder die Reinigung der Orgel an. In der 35. Kalenderwoche, also Ende August, geht‘s los. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 300.000 Euro. Zwei Drittel trägt die Landeskirche, den Rest die Kirchengemeinde. Mit ihren 260 Köpfen hat sie damit einen beträchtlichen Batzen zu stemmen.

Durch ein Kirchenfest wurden bereits knapp 3000 Euro gewonnen. Weitere Gelder erhofft man sich durch Spenden und Sponsoring. Dazu hat der Pfarrer eine außergewöhnliche Idee: So sollen die Namen großzügiger Spender winzig klein in die Sterne des Deckengemäldes über dem Altar kommen. Das Motto: „Ein Stern, der deinen Namen trägt.“ Für den ewigen Platz im Kirchenhimmel ist eine Unterstützung der Sanierungsarbeiten von 150 oder 200 Euro vorgesehen. Der genaue Betrag wird demnächst bekannt gegeben.

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