Wasserkraftanlage in der Stadtmühle

Strom aus Gersprenz-Kraft

+
Man braucht schon einen Schlüssel, um diese Ansichten aus und in die Stadtmühle haben zu können: Der Blick aus dem Fenster des „Maschinenraums“ auf die Gersprenz – im Hintergrund ist die Schlosswegbrücke zu sehen – und auf das Rad am oberen Ende der Turbine, das über einen Flachriemen den Generator antreibt.

Babenhausen - Die Stadt Babenhausen produziert nun eigenen Strom. Zwar ist das Wasserkraftwerk in der Stadtmühle bereits seit 1996 in Betrieb, war bis vor Kurzem aber im Besitz von Hessen-Energie. Jetzt hat die Stadt es gekauft. Von Norman Körtge 

An der Stadtmühle wird die Gersprenz aufgestaut.

Ein Leben ohne Strom – das ist schon seit Jahrzehnten kaum noch vorstellbar. Die Babenhäuser allerdings sind bereits ein paar Jahre vor ihren Nachbarn in den Genuss der elektrischen Stromversorgung gekommen. 1897 erhielten die Besitzer der Stadtmühle nämlich die Genehmigung zum Errichten eines Elektrizitätswerkes. Über das Wasserrad wurde ein Generator angetrieben. Babenhausen war damit eine der ersten Gemeinden in der Region, die über eine Stromversorgung verfügte. So steht es auf der großen Informationstafel an der Stadtmühle. In den folgenden Jahrzehnten wurde immer wieder modernisiert. 1907 bauten die Betreiber die erste Turbine ein, 1913 eine weitere, bevor 1925 diese durch ein leistungsstärkeres Aggregat ersetzt wurden, wie Hessen-Energie, Gesellschaft für rationelle Energienutzung, in einer aus dem Jahr 1997 stammenden Projekt-Information berichtet.

Jenes Unternehmen, das 1996 die Stromproduktion in dem historischen Anwesen wiederaufnahm, nachdem das Elektrizitätswerk Babenhausen 1973 den Betrieb eingestellt hatte. Vertraglich festgehalten wurde seinerzeit, dass die Wasserkraftanlage nach 20 Jahren an die Stadt übergeht. Dies ist nun, mit ein wenig Verspätung, geschehen, wie Bürgermeister Joachim Knoke in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung erwähnte.

Hier ist der Rechen zu sehen, mit dem der Einlass zur Turbine regelmäßig von Treibgut befreit wird.

Wie Bauamtsleiter Christian Heinemann auf Anfrage berichtet, sind in den vergangenen Monaten von Hessen-Energie noch einige Modernisierungen abgearbeitet worden – zum Beispiel der Umbau der Steuerung, das Erneuern der Schutztafeln am Gersprenz-Durchlauf und Instandsetzen des Rechens – bevor der Kaufpreis von knapp 19.000 Euro (netto) fällig wurde. Dieser Preis ist vertraglich abgeleitet aus dem in einem Fünf-Jahres-Zeitraum zu erwartenden Gewinn, sprich die Summe, die die Stadt für das Einspeisen von durchschnittlich 136.000 Kilowattstunden im Jahr ins Stromnetz bekommt. Der Erlös betrug zuletzt 10.400 Euro im Jahr. Abgezogen davon werden müssen 6650 Euro Betriebskosten, macht einen Gewinn von 3750 Euro. Diesen Wert mal fünf genommen ergibt eben jenen Kaufpreis von knapp 19.000 Euro.

Abschlussübung der Feuerwehr: Fotos

Geht man von einem jährlichen Stromverbrauch von 4000 Kilowattstunden in einem Vier-Personen-Haushalt aus, dann können immerhin 34 Haushalte auf diese umweltfreundliche Art und Weise mit Strom versorgt werden. In Hochzeiten habe die Anlage sogar schon 171 000 Kilowattstunden im Jahr produziert, weiß Heinemann zu berichten. Allerdings gibt es auch Phasen, in denen die Anlage stillsteht. Wie derzeit. Grund ist der niedrige Wasserstand der Gersprenz. Selbst durch das Aufstauen an der Stadtmühle könne die zu großen Teilen voll automatisierte Turbine nicht durchgängig laufen. Im Normalbetrieb komme ein- bis zweimal in der Woche ein Mitarbeiter des Bauhofs und kontrolliert den Zustand und schmiert Teile der sichtbaren Anlage.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare