Babenhäuserin Sabine Walz zeigt, wie E-Mobilität funktionieren kann

Strom direkt vom Dach in den Tank

Ihr Elektro-Auto lädt Sabine Walz mit Strom, der auf dem Garagendach produziert wird.
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Ihr Elektro-Auto lädt Sabine Walz mit Strom, der auf dem Garagendach produziert wird.

Praktisch ist es auf jeden Fall, wenn man sich den Weg zur Tankstelle sparen und sein Auto direkt im eigenen Hof betanken kann. Möglich ist es, wenn – wie bei Familie Walz in Hergershausen – eine Fotovoltaikanlage auf dem Garagendach Sonnenlicht in Strom verwandelt und das Fahrzeug elektrisch betrieben wird.

Hergershausen - Wer dann noch eine sogenannte Wallbox installiert, kann den erzeugten Sonnenstrom direkt vor der eigenen Haustür ins Auto „füllen“.. „Kostenlos ist das Tanken aber auch mit dem Strom aus der eigenen Anlage nicht. Denn man muss den Eigenverbrauch momentan noch versteuern, wobei dies hoffentlich bald Vergangenheit ist. Die Steuergesetze werden zugunsten des Eigenverbrauchs bei kleinen Fotovoltaikanlagen gerade geändert“, sagt Sabine Walz, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Stadtparlament.

Dass diese Art der Stromerzeugung und auch der Fortbewegung umwelt- und klimafreundlich ist, war der Hauptgrund für Hartmut und Sabine Walz sich die eher kleine Fotovoltaikanlage mit einem Energieertrag von maximal 7 KWp (Kilowattpeak) Anfang des Jahres auf das Flachdach ihrer Garage installieren zu lassen und den Familienfuhrpark, zu dem auch ein Benziner und ein Dieselfahrzeug gehören, um den elektrisch betriebenen Skoda Citigo zu erweitern.

Die Kosten für beide klimafreundliche Investitionen waren überschaubar. „Nach Abzug der Fördermittel hat das E-Auto noch 15 000 Euro gekostet. Wir nutzen es vor allem für Fahrten zu unserem Arbeitsplatz am Frankfurter Flughafen und im Umkreis von 80 bis 100 Kilometern. Da können wir auf öffentliche Ladestationen ganz verzichten und laden das Auto nur zuhause“, sagt Sabine Walz.

Die Fotovoltaikanlage habe 10 000 Euro gekostet und werde sich in circa acht bis neun Jahren amortisiert haben. Die Zeitspanne hänge auch vom Eigenverbrauch ab. Grundsätzlich gilt, dass eine Solaranlage sich umso schneller rechnet je mehr Solarstrom man direkt selbst verbraucht.

Der „Wattbewerb“

Städte-Challenge für mehr Solarenergie: „Welche Stadt schafft es als erste, ihre installierte Fotovoltaik-Leistung zu verdoppeln?“ Seit Februar diesen Jahres läuft bundesweit der „Wattbewerb“, ein Wettbewerb, der den Ausbau von Fotovoltaik Städten vorantreiben will. Die Städte, hundert nehmen inzwischen schon teil, treten gegeneinander an, um auf ihrer Gemarkung eine Verdopplung der Kapazität von Solarstrom zu erreichen. Ziel der Initiative ist die Umstellung der Energieversorgung auf 100 Prozent erneuerbare Energiequellen bis 2030, um den Klimawandel zu stoppen. Die Fraktion der Grünen haben einen Antrag gestellt, dass Babenhausen an dem Wettbewerb teilnimmt. Im Ausschuss für Stadtentwicklung, Bau und Verkehr, Klima- und Umweltschutz am Dienstag, 29. Juni, ab 19.30 Uhr in der Stadthalle wird darüber beraten. (pg)

Wenn die Sonne scheint und viel Strom produziert wird, kann Familie Walz die überschüssige Energie ins Netz einspeisen. „Abspeichern für uns selbst können wir aber nicht, weil wir keine Batterie für diesen Zweck haben“, sagt Sabine Walz. Das kann in dunklen Zeiten, also in der Nacht oder bei wenig Sonneneinstrahlung dazu führen, dass der Sonnenstrom nicht ausreicht. Dann muss die Familie sich aus dem Netz bedienen. „Bei uns läuft die Waschmaschine deshalb auch hauptsächlich, wenn ordentlich Sonne auf die Anlage scheint. Ein sonniger Standort für die Solarmodule ist wichtig. Wir haben unseren Kirschbaum im Garten sogar verkleinert, damit weniger Schatten auf die Anlage fällt“, so die Hergershäuserin. . Sie wirbt für diese umweltfreundliche Art der Stromerzeugung. Daher regt ihre Grünen-Fraktion auch die Teilnahme der Stadt am sogenannten Wattbewerb angeregt (siehe Info-Kasten) an.

„Mir liegt sehr daran, dass Babenhausen an diesem Wettbewerb teilnimmt“, sagt Sabine Walz, denn dies sei ihrer Meinung nach die einfachste, schnellste, günstigste und unabhängigste Möglichkeit, den Fotovoltaik-Ausbau möglichst vielen Bürgern nah zu bringen. Die Grünen möchten damit Menschen ansprechen, die sich kaum oder noch nie Gedanken über Fotovoltaik gemacht haben, aber bereit wären ihr Geld in eine klimafreundliche Technologie zu investieren, wenn es sich für sie lohnen würde. „Das tut es. Fotovoltaik amortisiert sich immer schneller. Wenige Anlagemöglichkeiten sind so nachhaltig, gewinnbringend, klimafreundlich und einfach. Man braucht dazu nur das richtige Dach“, berichtet die Grünen-Fraktionsvorsitzende von ihrer bislang gesammelten Erfahrungen. (Petra Grimm)

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