Surfweek am Sickenhöfer Kiessee

Surfen statt baggern in Babenhausen

Am Sickenhöfer Baggersee findet die erste Surfweek Rhein-Main statt.
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Am Sickenhöfer Baggersee findet die erste Surfweek Rhein-Main statt.

Erstmals finden am Sickenhöfer See die Rhein-Main-Surfweek statt. Für einen Woche wird der See zum Mekka für Wassersportler.

Babenhausen - Vom Baggersee zur „Insel der Erholung“: Der Sickenhöfer See ist seit Sonntag ein Mekka für Wassersportler. Und Menschen, die sich am Strand im Liegestuhl aalen, einer Liveband lauschen oder einem der Fachvorträge, die das Event anbietet. Während die Heidelberger Sand und Kies GmbH am einen Ende des Industriegewässers noch ihren Tagebau betreiben, bietet der rekultivierte Teil des Sees eine Woche lang Naherholung, Infos und Aktion. Wer am Sonntag den ersten Tag der Surfweek Rhein-Main miterlebt, hat auch dank des guten Wetters regelrecht Urlaubsgefühle.„Stand-up-Paddling ist super für Anfänger geeignet“, meint Surf-Lehrer Carlo Drechsel und weist seine Schüler ein. Die Truppe, allesamt Menschen in der zweiten Lebenshälfte, wagt sich ein erstes Mal in den deutschen Trendsport vor.

Ein paar Musiker haben die Instrumente gestimmt. Später wird es Livemusik geben, und damit ist die Festivalatmosphäre perfekt. Die Surfweek hat Premiere – auch in der Region. Etwas Vergleichbares gab es noch nicht. Andreas Bludau, dessen Familie diese Seite des Areals auskieste und das Gewässer nun rekultiviert, bereichert seinen Plan, ein Freizeit-Sport- und Erholungsgebiet zu etablieren, um einen neuen Baustein – die Surfweek am Baggersee, die neben Wassersport, Fachvorträge aber auch Yoga und Workouts am Ufer im Gepäck hat. In Oliver Gerhardt, dem Festivalmacher von Stadt-Land-Bass, hat Bludau erneut einen kreativen Partner gefunden. Gemeinsam mit ihm hat er vor fünf Wochen auch die Beach-Lounge „Walalata“ eröffnet. Live-Style am heimischen Strand, gepaart mit einem Naturerlebnis.

Bevor die Stand-up-Paddler in den See gehen, gibt es an Land eine Einweisung.

Ein junges Paar hat derweil die Boards „aufgepumpt“ und schickt sich an, den See zu erkunden. „Wir kommen aus Koblenz“, berichten die beiden – die Blaualge auf der Mosel ließ sie nach Alternativen suchen. Die wurden gefunden, „hier ist es wunderschön.“

Carlo Drechsels Anfängergruppe ist inzwischen bei der Anprobe: Ohne Neoprenanzug geht es nicht hinaus, wenngleich der See an der Oberfläche noch 20 Grad misst. „Am meisten freue ich mich auf das Freediving“, verrät Drechsler, der als Kursleiter die Technik des Apneu-Tauchens vermitteln möchte. „Vier Minuten Luft anhalten – das geht!“. Wie gut die Sicht unter Wasser ist, bleibt abzuwarten, doch der Fischbestand sei gut, versichert Bludau. Mit dem Pächter, dem ASV Sickenhofen, hat er Profis an der Hand, die das Rekultivieren mit vorantreiben. „Die Nachsorgepflicht für einen Kiessee beträgt 20 Jahre“, verrät der Seeeigner, der am künstlichen Baggersee behutsam ein Ökosystem stabilisieren und die Freizeitnutzung ermöglichen will.

Strandgefühl – fast wie im Urlaub.

Auch Sport spielt eine Rolle: So ist der See am 20. September Mittelpunkt des Moret-Triathlons vom VfL Münster. Wenn er denn stattfinden kann. Außerdem ist dort die Deutsche SUP-Meisterschaft geplant, die von Hanau nach Sickenhofen verlegt werden soll.

Endlich, es ist so weit: Drechsel erläutert die Technik des Paddelns und die Besonderheit des Gewässers. Seine Schüler dürfen losstarten – nur nicht in jenen Bereich, wo der Bagger auskiest. Bludau ist zuversichtlich, dass der Bergbau an dieser Stelle bald Geschichte ist: „Der See ist an der Grenze.“ Zumindest wirtschaftlich. (zah)

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