Kasernen-Areal kann bebaut werden

Symbolischer Grundstein für Kaisergärten in Babenhausen

Das ehemalige Kasernenareal auf einem Luftbild (Sommer 2020) und der nun beschlossene Bebauungsplan. Zur Orientierung: Jeweils am rechten Rand ist die B26 zu sehen. Das Gewerbegebiet (graue Fläche) wird bereits genutzt und wird über die Schaafheimer Straße erschlossen. Die Wohnblöcke der US-Amerikaner sind von der Nassauischen Heimstätte erworben worden und werden saniert. Auf einem Großteil der noch brachliegenden Flächen entstehen Reihen- und Einfamilienhäuser. Zentrales Elemente sind die Grünachsen.
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Das ehemalige Kasernenareal auf einem Luftbild (Sommer 2020).

In der letzten Sitzung der Legislaturperiode hat das Stadtparlament einen wegweisenden Beschluss gefasst: der Kasernen-Bebauungsplan ist genehmigt.

Babenhausen – „Heute können wir Geschichte schreiben – so wie die Vorväter vor 120 Jahren“ – mit diesen schicksalsschweren Worten warb CDU-Fraktionsvorsitzender Stephan Sawallich um Zustimmung zu einem Jahrhundertprojekt: Dem Bebauungsplan für einen ganzen Stadtteil. Und die Konversion der ehemaligen Kasernen in ein ziviles Gebiet zum Leben, Wohnen und Arbeiten. Tatsächlich gelang es am Montagabend in der letzten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung vor der Kommunalwahl das Projekt „Kaisergärten“ auf die Schiene zu setzen.

Seit 2007, als die US-Armee ihren Abschied aus Babenhausen nahm, ist die Konversion der Kaserne ein großes politisches Thema – vielleicht das größte. 2009 formulierte die Stadtverordnetenversammlung nachhaltige Qualitätsziele, die sich in den heutigen Plänen wiederfinden. Im Jahr 2013 wurde die Fläche von der Konversionsgesellschaft Kaserne angekauft – im März 2021 gibt es das Go vom Gros der CDU, SPD, Grünen und FDP zum Baustart eines neuen Stadtteils. „Kein 0815-Baugebiet“, wie Sawallich betonte, „heute legen wir symbolisch den Grundstein für die Kaisergärten, mit über 2000 neuen Einwohnern, neuem Gewerbe und einem Kreativgebiet – Historie gepaart mit Moderne.“

Das Baurecht für das neue Stadtquartier auf 60 Hektar Land, für dessen Entwicklung die Investoren – Revikon aus Gießen und die Babenhäuser Aumann GmbH – seit Monaten in den Startlöchern stehen, wurde zwar mit großer Mehrheit beschlossen. Trotz der historischen Dimension des Projekts trübt ein Flecken den neuen Eintrag im Geschichtsbuch der Stadt. Denn die Freien Wähler Babenhausens (FWB) stimmten gegen den Satzungsbeschluss des Bebauungsplans und die Genehmigung des städtebaulichen Vertrags. Auch Günther Eckert, Vorsitzender des Kasernenkonversionsauschusses, verweigerte ein Ja und stimmte mit Enthaltung. Für Manfred Willand (FDP) unverständlich: „Wir arbeiten seit fünf Jahren daran und heute ist unsere letzte Sitzung: Es wäre widersinnig, kurz vorm Ziel abzubiegen. Wenn wir heute nicht abstimmen gibt es zwei Verlierer: die Investoren und die Stadt selbst.“

Die ehemalige Kapelle (rechts) soll später als Bürgerzentrum genutzt werden.

Seitens der SPD befürchtete Siegmund Kolb gar, ein Aufschieben könnte monatelange Verzögerungen mit sich bringen: „Die Investoren haben uns klar gesagt, dass Eile geboten ist. Ich verstehe nicht, warum die Freien Wähler verzögern wollen. Wir stehen voll und ganz hinter dem Projekt.“ Mit einem „Nein“, „droht die Gefahr, dass es im Frühsommer oder erst später zu einer Abstimmung kommt. Eventuell sind dann neue Verkehrsuntersuchungen nötig und Investoren springen ab“, argumentierte auch Manfred Nodes für die Grünen. Die Lesart der FWB war eine andere, sie verwies auf das Parlament als letzte Prüfinstanz. „Man kann mir doch nicht weiß machen, dass das Kasernenprojekt wegen vier Wochen Zeitverzögerung kippt“, beharrte Rüdiger Thierolf. Aufgrund der Komplexität des Themas bat er um Aufschub, „die Zustimmung scheint hier jedoch nur noch eine Formsache zu sein, das hat einen Beigeschmack für mich.“

Eckert war enttäuscht: „Es gibt einen Kooperationsvertrag zwischen Stadt und Investoren. Transparenz war ein Grundsatz unserer Zusammenarbeit“ – doch die sei seit Oktober 2020 Geschichte. Gerade die Abwägungstabelle, die nach dem Offenlageverfahren „die Sorgen und Nöte der Bürger darstellt“, hätten die Parlamentarier erst sehr spät erhalten. 140 Einwände von Bürgern gegen die geplanten Kaisergärten waren eingegangen. Erst vor vier Wochen hätte zudem Bürgermeister Dominik Stadler für den Magistrat das „Nein“ zum Bebauungsplan ausgesprochen, weil acht relevante Punkte im Verfahren nicht abgearbeitet wurden. Der Rathauschef erläuterte die Dynamik der letzten sechs Wochen – und warb um Vertrauen in die fachliche Arbeit seiner Verwaltungsmannschaft im Bauamt: „Die Verwaltung hat ganz genau hingeschaut und Mängel festgestellt und zeitnah angesprochen. Es war unsere Strategie, Druck für die Konversionsgesellschaft aufzubauen, um die Probleme zu lösen – und das hat geklappt. Die Kommunikation wird mit dem Satzungsbeschluss auch nicht aufhören: Die fängt gerade erst an. (zah)

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