Historische Landwirtschafts-Gerätschaften

Traktorfreunde rüsten sich zur Schau

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Zurück in die Vergangenheit: Mit einem alten Mähbinder von Lanz bereiteten die Babenhäuser Traktorfreunde nun ihren Auftritt beim Altstadtfest vor.

Babenhausen - Die Landwirtschaft vergangener Tage hat es den Babenhäuser Traktorfreunden angetan. Dazu zählen alte Schlepper ebenso wie Arbeitsgeräte, die eigentlich ins Museum gehören. Beim Altstadtfest wird beides auf dem Feld hinter der Stadtmühle wieder lebendig. Von Michael Just

Zum Fest Babenhausens im September wird auch der Einsatz einer 80 Jahre alten Dreschmaschine vorgesehen. Um sie vor den zahlreich erwarteten Besuchern auch zu „füttern“, wurde dieser Tage Weizen auf einem Feld südlich des Schlosses geschnitten. Natürlich ging es auch hier historisch zu: Mit einem Traktor von 1961, der einen Mähbinder von 1940 zog, fuhren Reinhard Geißler und Ernst Lang durchs Feld.

„Dieser Mähbinder war vor dem zweiten Weltkrieg eine Sensation“, weiß Geißler. Er schnitt er das Getreide und fasste es anschließend zu kleinen Bündel, Garben genannt, zusammen. Das Dreschen, und damit das Herauslösen der Körner, musste zu jener Zeit noch separat erfolgen. „Trotzdem war das Gerät ein enormer Fortschritt, da er dem Landwirt zwei aufwendige Arbeitsgänge abnahm. Über Jahrhunderte kannte man zuvor nur Sense, Sichel und das Bündeln per Hand“, erläutert der 60-Jährige.

Den Mähbinder hat der leidenschaftliche Schrauber vor rund zehn Jahren in Hemsbach erworben und komplett restauriert. Mit ihm baute der Gerüstbauer seine beachtliche Sammlung historischer Traktoren und Landmaschinen um ein weiteres Schmuckstück aus. Nach seiner Erfindung wurde der Mähbinder zunächst von Pferden oder Ochsen gezogen. Danach übernahmen Traktoren die Aufgabe. Der Schnitt der Halme erfolgt über den Mähbalken. Ein Helfer auf einem Sitz kontrolliert dessen Funktion und justierte die Schnitthöhe. Der Antrieb läuft über das Fahrwerk, was bedeutet, dass das Gerät so schnell arbeitet wie man es zieht.

Bereits 1951 zeichnete sich das Ende dieser Technik durch den ersten, selbstfahrenden Mähdrescher ab. Bis der seinen Vorgänger auf den Feldern vollständig verdrängte, gingen aber noch einige Jahre ins Land. Erst Ende der 1960er Jahre war das der Fall.

Bilder: Kartoffelernte wie ganz früher

Beim Altstadtfest führen die Traktorfreunde gerne in die weitreichende Geschichte der Landwirtschaft ein. Im Blickpunkt stehen vor allem Traktoren. Rund 200 Schlepper-Raritäten, die der Babenhäuser Interessengemeinschaft und zahlreichen befreundeten Clubs aus dem Umland gehören, werden aufgefahren und vorgestellt. Die Oldtimer vom Typ Hanomag, Fendt oder Lanz dürften vor allem die männlichen Besucher ins Schwärmen bringen und Wünsche nach einem eigenen Trekker entfachen.

Abgerundet wird die Schau durch alte Arbeitsgeräte aus der Landwirtschaft, darunter Mühlsteine, Steinbrecher, Beregnungspumpen oder die Dreschmaschine. Deren Antrieb erfolgte einst fast ausschließlich über Flachriemen. Für die Vorführungen haben sich die Traktorfreunde mit genügend Ersatzriemen eingedeckt um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein. Damit steht einem „Aha-Effekt“ nichts mehr im Wege.

Die Vorführungen der Traktorfreunde beim Altstadtfest finden am Samstag, 8. September, um 14, 16 und 18 Uhr sowie am Sonntag (9.) um 12, 14 und 16 Uhr auf der Wiese hinter dem Hexenturm statt.

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