Trotz Erfolgs geisterhaft: Spielerinnen vermissen das

Auch ohne Publikum bleiben Sponsoren Bundesliga-Spitzenreiter TSV Langstadt treu

Abseits der beiden Platten ist bei Bundesliga-Heimspielen des TSV Langstadt in der Eckehard-Colmar-Halle derzeit wenig los.
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Abseits der beiden Platten ist bei Bundesliga-Heimspielen des TSV Langstadt in der Eckehard-Colmar-Halle derzeit wenig los.

Eigentlich müsste der TSV Langstadt derzeit auf Wolke sieben schweben: Der Babenhäuser Stadtteil-Klub führt zur Winterpause die Tischtennis-Bundesliga der Frauen an, hat sich mit 9:3 Punkten zum Ende der Hinrunde den inoffiziellen Titel des Herbstmeisters geholt. „Wir haben sehr konstant gespielt und super Leistungen gebracht“, sagt Teammanager Manfred Kämmerer dann auch. Um dann das große Aber anzuführen: „Aber diese Geisterspiele sind wir überhaupt nicht gewöhnt.“

Langstadt – Schon die ersten beiden Heimspiele der Saison durften die Langstädterinnen coronabedingt vor nur 80 Zuschauern bestreiten. Normalerweise kommen gerade zu Toppartien mehr als 200 Fans in die Eckehard-Colmar-Halle. Allein mit Dauerkarten könnte der TSV inzwischen eine dreistellige Zahl an Plätzen füllen, darf das aber nicht. „Und die jetzigen Geisterspiele sind noch mal eine Stufe darunter“, bedauert Kämmerer.

Denn in den Heimspielen drei und vier war außer den Spielerinnen, Offiziellen und Medienvertretern in der Halle niemand mehr erlaubt. Wo die Anhänger des Spitzen-Tischtennis sonst dicht an dicht sitzen und stehen und zwischen den Ballwechseln für Stimmung sorgen, steht derzeit nur eine Handvoll Stühle. Tristesse bei gleichzeitig klasse Auftritten von Petrissa Solja, Dina Meshref, Tanja Krämer und Franziska Schreiner an den beiden Tischen. Wo im Übrigen wie in allen Tischtennis-Klassen diese Saison keine Doppel absolviert werden dürfen.

Während ihrer Duelle blenden die TSV-Akteurinnen die besondere Situation zwar erfolg- und siegreich aus, dennoch betont Kämmerer: „Das Pushen durch die Zuschauer, das fehlt den Spielerinnen. Die vermissen das, das sagen sie auch selbst.“ Trotzdem ist in dieser Saison, die im Optimalfall (Play-offs samt Finaleinzug) bis in den Mai hinein dauern würde, an ein volles Haus nicht mehr zu denken. „Das erste Heimspiel im neuen Jahr, am 16. Januar gegen Kolbermoor, findet mit Sicherheit wieder ganz ohne Zuschauer statt“, weiß auch Kämmerer. Am 13. März geht es daheim zudem gegen Schwabhausen, im April beginnen die k.o.-Spiele mit mindestens einem weiteren Heimauftritt der Langstädterinnen. Selbst dann ist im besten Fall mit einer reduzierten Zahl an Besuchern zu rechnen.

Wer derzeit nicht in die Halle darf, kann die Heimbegegnungen zumindest teilweise bei Youtube verfolgen. Teilweise deshalb, weil der TSV dort immer nur das Spiel an einem der beiden Tische live überträgt. Wer in der Halle ist, kann hingegen immer mal wieder zwischen den parallel laufenden Begegnungen hin- und herschauen. Vier Euro kostet ein Online-Ticket, „einige davon haben wir auch schon verkauft, mehr als 50, aber weniger als 200“, bleibt Kämmerer bei der Zahl im Vagen.

Klar ist, dass Spitzen-Tischtennis am Bildschirm kein gleichwertiger Ersatz für das Erlebnis in der Halle ist, auch gar nicht sein soll. Der TSV Langstadt versucht aus der herausfordernden Lage schlicht, das Beste zu machen. Was ihm nicht nur sportlich, sondern auch in finanzieller Hinsicht gut gelingt. Letzteres hängt mit dem anhaltenden Engagement der treuen, teils jahrelangen Vereinssponsoren zusammen, „und wir haben auch schon Zusagen für die nächste Saison“, freut sich Kämmerer.

Darüber hinaus hat der Bundesligist Fördermittel beim Bund beantragt, der gerade die (anders als die 1. und 2. Fußball-Bundesliga) stark von den Zuschauereinnahmen abhängigen Profi-Sportarten wie Handball, Basketball, Tischtennis oder in extremem Maß Eishockey stützen will. Noch sind die Bundesmittel laut Manfred Kämmerer nicht nach Langstadt geflossen, „aber wir erwarten da ein bisschen was“. (Von Jens Dörr)

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