Servicebereich von Sparkasse und Volksbank

„Unüberwindbar für Gehbehinderte“

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Rund 60 Hergershäuser demonstrierten vor der Treppe des neuen Selbstbedienungsbereich von Sparkasse und Volksbank.

Hergershausen - Mit einer Demonstration machten rund 60 Hergershäuser ihrem Unmut über die Verlagerung der Service-Automaten der Sparkasse Dieburg in das nicht barrierefreie Volksbankgebäude Luft. Von Petra Grimm 

Vor der Treppe des neu eingerichteten, gemeinsamen Selbstbedienungsbereichs beider Geldinstitute in der Mainstraße protestierten sie gegen diese Benachteiligung behinderter und älterer Menschen.

Über die sozialen Medien und vor allem Mundpropaganda hatte sich der Aufruf zur Demo verbreitet und rund 60 Hergershäuser mobilisiert. Vor allem ältere Bürger, viele mit Rollator, im Rollstuhl oder auf andere Hilfsmittel angewiesen, waren am Samstagnachmittag gekommen und machten das Problem direkt sichtbar. „Wie kommen Gehbehinderte zu den Geldautomaten?“ stand auf den Plakaten und „Eine Schande. Aber wir geben nicht auf“. Auch eine junge Mutter protestierte mit einem Plakat dagegen, dass sie mit ihrem Kinderwagen keinen ungehinderten Zugang zum Gebäude mit dem Servicebereich hat.

Wie bereits berichtet, sind seit dem 1. April die Geschäftsstellen der Vereinigten Volksbank Maingau und der Sparkasse Dieburg in Hergershausen geschlossen. Ein gemeinsamer Selbstbedienungsbereich mit Kontosauszugsdruckern und einem Geldautomat für die Kunden beider Geldinstitute sind in der bisherigen Volksbank-Filiale in der Mainstraße eingerichtet worden.

Das sorgt seit Wochen für Empörung im Dorf und Leserbriefe in der Offenbach Post. Denn im Gegensatz zum bisherigen Sparkassengebäude in der Jahnstraße ist das Volksbankgebäude nicht barrierefrei, sondern nur über sieben Stufen zu erklimmen. „Eine unüberwindbare Höhe für Rollstuhlfahrer oder Bürger, die auf einen Rollator angewiesen sind. Damit wird die gesetzlich garantierte gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderung nicht erfüllt“, ärgert sich Karin Sauerwein, die die Protestversammlung initiiert hat und am Samstag zu den Teilnehmern sprach.

Die Hergershäuserin hatte Ende März bereits den Sparkassen-Vorstand angeschrieben und gegen den Verstoß gegen das Gleichstellungsgesetz (HessBGG § 1 und § 4 ) und die Hessische Bauordnung protestiert. Über den Antwortbrief, in dem die Sparkasse erläutert, warum ein barrierefreier Zugang an der Volksbank nicht machbar ist und welche Serviceangebote für die Bürger möglich sind, habe sie sich geärgert. Denn es gehe hier „um einen groben Verstoß gegen geltendes Recht, Benachteiligung und Diskriminierung“.

Sauerwein stellt, wie andere, die Frage, warum sich die beiden Banken nicht für das barrierefreie Gebäude in der Jahnstraße entschieden haben. Die verkehrsgünstigere Lage an der Hauptstraße lassen die Demonstranten als Grund nicht gelten. Sie vermuten, dass wirtschaftliche Gründe Vorrang vor den Kundeninteressen hätten. „Wir Alten werden einfach abgehängt“, ärgert sich Helga Billing.

Auf Nachfrage erläuterte Tobias Jakoubek, der Sprecher der Sparkasse Dieburg das Serviceangebot: „Für Kunden, die noch vereinzelt beleghafte Überweisungen nutzen und diese nicht in einem Beratungscenter abgeben oder über die Geräte in den SB-Stellen erfassen können, stellt die Sparkasse vorfrankierte Rückumschläge für Überweisungen zur Verfügung. Die Freiumschläge können telefonisch unter der Nummer 06078/700 kostenfrei bestellt werden. Die Portokosten werden von der Sparkasse übernommen. Zusätzlich bieten wir bei Bedarf einen Bargeld-Bring-Service an. Dieser kann ebenfalls kostenfrei in Anspruch genommen werden.“ Udo Heberer, Presssprecher der Volksbank, erklärte: „Generell gilt, dass wir barrierefreie Zugänge gerne überall anbieten wollen. Nur sind die Rahmenbedingungen dafür nicht überall gegeben. In Hergershausen gehört uns das Gebäude seit Jahrzehnten, weshalb bereits früher intensiv geprüft wurde, ob sich ein solcher Zugang realisieren lässt. Hier ist aus bautechnischen Gründen eine Rampenlösung nicht möglich. Auch eine technische Lösung scheitert am benötigten Raum. Als Alternativen stehen barrierefreie Geschäftsstellen in der Umgebung zur Verfügung, wie Münster, Harpertshausen, Dieburg oder leicht zugängliche wie in Babenhausen oder Sickenhofen.“ Auch böte man Botenlösungen an.

Bilder: Babenhausen und Stadtteile

Damit sind die Demonstranten nicht zufrieden. „Wir wollen keine Freiumschläge und Kuriere. Die Kunden erwarten Rücksichtnahme und die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben“, sagte Karin Sauerwein, die jetzt auf Unterstützung durch den Sozialverband VdK und den neuen Behindertenbeauftragten im Kreis hofft.

Der Hinweis von Ortsvorsteher Horst Grimm, dass die Service-Automaten der Banken in dem von den Hergershäusern und Sickenhöfern seit Jahren angestrebten Supermarkt, am Ortsrand zwischen den beiden Dörfern, untergebracht werden können, war den Bürgern kein Trost. Denn bei der Verwirklichung dieses Einkaufsmarktes gibt es aktuell keinen echten Fortschritt.

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