Verheißungsvolle Decksprünge

Bald Fohlen in Babenhausens Wildpferd-Herde?

Pflegerin Marion Nigl sieht täglich nach dem Rechten, kontrolliert unter anderem Zaun und Wasserstellen.
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Pflegerin Marion Nigl sieht täglich nach dem Rechten, kontrolliert unter anderem Zaun und Wasserstellen.

Die Wildpferd-Stuten im Babenhäuser Schutzgebiet „In den Rödern“ könnten Dank sehr aktiven Hengst Heiper dieses Jahr erstmals Fohlen bekommen.

Babenhausen – Seit 2014 grast eine kleine Herde Przewalski-Pferde im Schutzgebiet „In den Rödern“. Fünf Stuten und ein Hengst bewegen sich auf dem ehemaligen US-Militärgelände südlich der Konversionsfläche „Kaisergärten“ frei und (fast) ohne menschliches Zutun. Nun gibt es berechtigte Hoffnung auf Nachwuchs.

Wenn Leitstute Wera (7) sowie Wendy, Walli, Wanda und Wilma in diesen Wintertagen am Kamm etwas zottelig aussehen, dann ist das ein durchaus ein gutes Zeichen. Denn Hengst Heiper (6) hat im Spätsommer nicht nur eifrig Decksprünge gemacht, sondern die Stuten auch mit Nackenbissen „traktiert“. Vielversprechend, wie Marion Nigl lächelnd feststellt. „Heiper ist in letzter Zeit zum erwachsenen Hengst gereift, der nicht nur paarungswillig ist, sondern nun auch seine Rolle in der Herde ernst nimmt“, freut sie sich.

Nigl kann bestens einschätzen: Im Auftrag des Bundesforsts, der die Reservate als Teil des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms für Przewalski-Pferde betreut, ist sie täglich als Pflegerin vor Ort. Was nicht heißt, dass sie sich den Tieren auf dem 68 Hektar großen Areals, das Flora-Fauna-Habitat und Vogelschutz-Gebiet zugleich ist und dem europäischen Schutzgebiets-Netz „Natura 2000“ angehört, innerhalb des Elektrozauns nähern würde. „Sie haben sich ihre Wildheit weitgehend erhalten“, sagt Nigl.

Ihre Routinefahrt über das Gelände umfasst vor allem die Kontrolle des Zauns und der Wasserstellen, von denen es neben zwei natürlichen auch eine künstliche nahe dem Unterstand gibt. Letzteren nutzen die Pferde bei sehr starkem Wind, in seltenen Fällen füttert Nigl dort auch Heu zu. In der Regel aber fressen die Przewalskis das, was der Sandtrockenrasen hergibt: Gras, Brombeerhecken, Laub, „sie buddeln sogar die Königskerzen aus und fressen ihre Wurzeln“, hat Nigl beobachtet. Stichwort Beobachten: Einmal pro Woche schaut auch eine Tierärztin vorbei und – vom Zaun geschützt – aus ein paar Metern Entfernung auf den Zustand der vom Aussterben bedrohten Art (siehe Infokasten).

Die Pflegerin kann inzwischen dafür sorgen, dass Tierärztin und Besucher die Pferde binnen kurzer Zeit zu sehen kriegen. „Ich hätte nie gedacht, dass sie mal auf Zuruf kommen würden“, gibt sie zu. Tun sie in vielen Fällen aber: Beim Besuch unserer Zeitung an einem Wintermorgen ist von den Tieren zunächst weit und breit nichts zu sehen, auch nicht von der Besucherplattform aus, auf der die Amerikaner früher einmal Raketen in Stellung brachten. Weil es ausgerechnet an diesem Tag auch noch extrem nebelig ist, bangt der Autor trotz Teleobjektive um seine Fotos, denn weiter als 30, 40 Meter kann man an diesem Tag kaum sehen. Nachdem Nigls erste Lockrufe unbeantwortet bleiben, hat sie 100 Meter weiter schließlich Erfolg: Plötzlich antwortet die Herde aus der Ferne, was erst nur das geschulte Ohr der Pflegerin bemerkt. Dann taucht die Herde plötzlich geschlossen hinter einer Hecke aus dem Nebel auf – ein erhabener Anblick.

Von „Fluchttier“ ist danach wenig zu sehen. Nigl und der Reporter, der die Pferde nun wenige Meter vom Zaun entfernt vor Gesicht und Kamera hat, gehen ruhigen Schrittes ein paar hundert Meter weiter Richtung Unterstand. Die Tiere begleiten sie, keineswegs scheu, sondern eher neugierig. Nun ist auch der Zottelkamm von Wera und Co. gut zu sehen, der zeigt, dass Heiper seinem Beitrag zur Arterhaltung mittlerweile Nachdruck verleiht. Die Anbahnung der Paarung sehe manchmal recht brutal aus, schildert die Pflegerin Decksprünge und Nackenbisse. „Aber die Stuten können das schon ab, sie sind robust.“

Hoffnungen auf Nachwuchs in diesem Jahr („Jeder wartet drauf“) seien begründet, könnten aber auch enttäuscht werden. Ob eine Stute trächtig sei, könne man per Auge erst sehr spät erkennen. Die Tragezeit dauert elf Monate, geboren werden die Fohlen im Frühjahr und Sommer. In wenigen Monaten dürfte also Gewissheit herrschen, ob sich die Babenhäuser Przewalski-Herde 2021 vergrößert. (Von Jens Dörr)

Die Wildpferde im Babenhäuser Schutzgebiet „In den Rödern“ tauchen aus dem Wintermorgen-Nebel auf.

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