Ein Porträt über Dieter Aumann aus Babenhausen

Verliebt ins Gelingen

Vor einer historischen Ansicht von Babenhausen: Unternehmer Dieter Aumann.
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Vor einer historischen Ansicht von Babenhausen: Unternehmer Dieter Aumann.

Denkmalretter und Ehrenbürger Dieter Aumann bringt neues Leben in alte Gemäuer in Babenhausen. Dafür hat er nun eigens eine Firma gegründet.

Babenhausen – „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“, schrieb Erich Kästner. Solche Maxime könnte man auch über das Leben und Wirken des Babenhäuser Unternehmers und Mäzens Dieter Aumann (Jahrgang 1938) stellen. Das zunehmend schöne Bild, das Babenhausens Altstadt bietet, hängt auch vom unermüdlichen Wirken Aumanns, seiner Firmen und seiner gemeinnützigen Stiftungen ab.

„Ich bin ein atypischer Bauunternehmer, mit Leib und Seele Mittelständler“, bekennt der einzige lebende Ehrenbürger seiner Stadt, „ich kann es nicht ertragen, wenn Chancen zur guten Entwicklung in unserer Region vertan werden, nicht zuletzt von der Politik.“ Solch kritische Haltung bringt dem Senior seiner Firma, der das Alltagsgeschäft seinen Söhnen überlassen hat, auch Gegnerschaft ein. Aumann legt nach: „Politik darf nicht zu kurz greifen, wie in meinem Unternehmen geht es immer um Menschen von Fleisch und Blut, von der Seele ganz zu schweigen. Auch die christlichen Kirchen – das sage ich als Christ, der gerne in der Bibel liest und alte Ausgaben dazu sammelt – beschäftigen sich zu sehr mit sich selbst und ihren Problemen.“

Der nachdenkliche Macher und Geschichtsforscher, belässt es nicht bei Worten. Was er in 52 Jahren als Leiter seiner Firma gelernt hat, führt er fort.

Kürzlich hat er eigens eine neue Firma, die „Aumann Invest GmbH“ gegründet, um verwahrloste, heruntergekommene Baudenkmale mit zu erwerben, mit viel Sachverstand zu sanieren und mit neuem Leben und Inhalt zu füllen. Ähnlich wie er es bereits in Babenhausens Altstadt vorgeführt hat, will er nun den 1567 gebauten Hof derer von Rodenhausen „Am Hexenturm 15“ vor endgültigem Verfall retten: „Wir haben das traditionsreiche Areal erworben und werden es Schritt für Schritt restaurieren. Man könnte ins Erdgeschoss des großen Fachwerkhauses das Stadtarchiv einziehen lassen, das mit seinen reichen Archivalien derzeit im Burgmannenhaus ohne geeigneten Brandschutz auskommen muss. Darüber könnten Wohnungen für jedermann entstehen und die Tradition des schönen, aber preiswerten Wohnens in der Altstadt fortsetzen.“

Als nächstes Projekt hat sich Dieter Aumann sden Hof derer von Rodenhausen in Babenhausen vorgenommen.

Aumann ist verliebt ins Gelingen solcher Projekte, seine Zuversicht speist sich zudem aus reicher Erfahrung. Man sieht das beispielhaft am 1555 gebauten, revitalisierten ehemaligen Hof der Gaylinge von Altheim in der Amtsgasse 32, in dem seit 2014 ein beachtliches Museum zur Geschichte der alten Residenzstadt Babenhausen und des alten Territoriums Hanau-Lichtenberg logiert.

Zurecht wurde es mit dem Denkmalschutz- und anderen Preisen prämiert. Aumann erinnert sich: „Es bedrückte mich, wenn ich beim Gang durch die Amtsgasse den Zustand dieses geschichtsreichen Gebäudes sah, der war schlimmer als jetzt beim Anwesen am Hexenturm.“ In Babenhausens rührigem Stadtarchivar und Heimatforscher Georg Wittenberger und dessen Frau Ute fand der Denkmalschützer einen Gesinnungsgenossen und sachkundigen Mitstreiter. Aumann hat zur Rettung des Areals die Stiftung „Amtsgasse 32“ ins Leben gerufen und mit Wittenberger und anderen Experten Raum- und Darstellungskonzepte erarbeitet, welche anschaulich Brücken zwischen Geschichte und Moderne schlagen. Der gelernte Diplom-Bauingenieur übernahm nach 2010 die komplette Sanierung der Gebäude und überlässt heute die ehrenamtliche Museumsarbeit dem Heimat- und Geschichtsverein, dem er auch angehört.

Erfolgsgeschichten schrieb er auch mit anderen Projekten wie dem Fachwerkbau in der Fahrstraße, in dem heute eine niveauvolle Buchhandlung residiert.

Den ehemaligen Hof der Gaylinge von Altheim in Babenhausen hat Dieter Aumann federführend restaurieren lassen. Darin beheimatet ist das Territorialmuseum.

In dieser Richtung ist noch mehr zu erwarten von Aumann, der gerne „Visionen“ entwickelt und ausführt. Das hat er auch bei seinem Refugium bei Sickenhofen, der „Ziegelhütte“, bestätigt, die der Unternehmer vom ruinösen Areal zum Schmuckstück für sich und seine Familie entwickelt hat. Das wohl schon Jahrhunderte früher der Familie Aumann gehörende Anwesen steht auf rarem lehmigem Grund, aus dem früher Ziegel gebrannt werden konnten. Für Aumann war es deshalb selbstverständlich, den fachgerecht rekonstruierten Ziegelbrennofen in seinen Wohnbereich zu integrieren, auf dem seine Liebe zur Geschichte eine prägende Rolle spielt. Er verschweigt dabei in keiner Weise, dass die Ziegelhütte in unruhigen Zeiten als Unterschlupf für stadtbekannte Räuber wie den „Hölzerlips“ dienten, die im Territorialmuseum ebenso vorgestellt werden wie die über 120-jährige Aumannsche Firmengeschichte. Nun geht es hier viel behutsamer zu, auch im Sinne des Natur- und Vogelschutzes.

Bei der Beurteilung seiner vielfältigen Aktivitäten kultureller wie sozialer Art würde sich der Klavierspieler freilich mehr objektive Maßstäbe wünschen, frei von Engstirnigkeit und Missgunst. In seinem Haus sieht man, oft porträtiert in Öl, dazu seine Vorbilder: den Dichter, Forscher und Staatsmann Johann Wolfgang von Goethe, Martin Luther und andere Reformatoren oder auch Reichskanzler Otto von Bismarck, den heute oft verkannten Friedenskonstrukteur und Gründer unserer Sozialversicherungen.

Dazu äußert Weltbürger Dieter Aumann sein Credo: „Das Wichtigste ist bei allem Vitamin I: Interesse. Dazu sollten sich beim Denken und Handeln das Innen und Außen entsprechen. Man sollte sich bei seinem Tun immer auch fragen: Wo kommen wir her und wo wollen wir hingehen?“ Hoffentlich behält Aumann unrecht mit seinem Schlusswort: „Ja, ich weiß, ich bin ein Auslaufmodell…“ (Reinhold Gries)

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