Bei Funks hat die Spargelzeit begonnen

Viel Handarbeit bei der Spargelernte in Babenhausen

Ukrainische Studenten arbeiten auf dem Spargelfeld.
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Ukrainische Studenten arbeiten auf dem Spargelfeld.

Vorsichtig bohrt sich das helle Köpfchen durch die Erde. Ein weißer Spargel kommt nach oben. Zack, schiebt sich der Spargelstecher an die vorsichtig freigelegte Stange und schneidet ihn ab. Nicht zu kurz – 22,5 Zentimeter soll er für den Verkauf sein –, aber auch nicht zu lang, sonst wird der zugrunde liegende Wurzelstock verletzt – schlecht für den Ertrag der nächsten Jahre.

Babenhausen -Bei den Funks in Langstadt gibt es seit mehr als 100 Jahren Spargel. Ursula und Thomas Funk haben den Betrieb in den 1980ern erweitert und Sohn Stephan studierte Landwirtschaft, um das elterliche Werk weiterzuführen.

Am Karsamstag ging es los mit dem ersten langstieligen Gemüse. Zwei von insgesamt 12,5 Hektar Feld, allesamt bepflanzt mit weißem Spargel, werden zurzeit abgeerntet. Der grüne Spargel auf 2,5 Hektar braucht noch ein Weilchen. Die Reihen der beiden kleinen Flächen – des frühen Weißen und des Grünen – sind mit lichtdurchlässigen Plastiktunneln bedeckt. „Ein Trick, damit sich die Wärme sammelt und dadurch der Spargel schneller wächst“, erklärt Ursula Funk. Deswegen habe ihre Familie für den ersten weißen Spargel auch einen besonders sandigen Boden ein Stück weg vom Hof Richtung Babenhausen ausgewählt. Dieser erwärme sich leichter, wenn die Sonne drauf scheint. Und in der Nacht, da schützt der Tunnel das Gemüse vor Frost. Ein ganz schöner Aufwand. „Alles, weil die Verbraucher immer früher nach Spargel verlangen.“ Bäuerin Funk schüttelt bedauernd den Kopf.

Saisonalität von Nahrungsmitteln ist ihr eigentlich sehr wichtig. „Es macht mich traurig, wenn die Leute zum Beispiel bei Erdbeeren nicht bis Mai warten wollen und vorher welche aus Spanien kaufen. Die Wertschätzung für das Produkt und seine richtige Zeit fehlt.“ Genauso wie beim Spargel: In der Vergangenheit gab es ihn erst Anfang Mai, jetzt kann er schon Anfang April in den Kochtopf wandern. Ein Spiel, bei dem auch die Funks mitspielen müssen, um zu überleben.

2020 kam mit der Corona-Pandemie noch eine andere Schwierigkeit dazu: Sie bekamen keine Erntehelfer aus Polen, Rumänien und der Ukraine. Diese durften wegen Corona zunächst nicht nach Deutschland. „Nun bekommen wir zwar Leute, haben aber bislang wetterbedingt wenig zu ernten“, sagt Ursula Funk. Schlussendlich bestimmt eben doch die Natur, was wie schnell wächst.

Im Hofladen wartet Ursula Funk mit dem verkaufsfertigen Spargel und weiteren regionalen Produkten auf.

Wegen der Kälte sind somit im Moment erst zwei ihrer polnischen Arbeitskräfte da, wegen langjähriger Erfahrung in der Funktion als Vorabeiter – und zwölf zum größten Teil Spargel-unerfahrene Studenten aus der Ukraine. Acht Rumäninnen stehen in den Startlöchern. „Sie alle reisen mit Corona-Test ein und machen bei uns noch mal einen“, erzählt die Bauersfrau.

Die Pandemie zwang den Familienbetrieb, Geld für die Unterbringung ihrer Helfer in die Hand zu nehmen. „Nur zwei dürfen sich jetzt ein Zimmer teilen, und statt eines gemeinschaftlichen Kühlschranks bekam jeder Raum einen eigenen. Außerdem haben wir einen zusätzlichen Sanitärcontainer angeschafft.“

Geld in Form von Arbeits- und Zeitaufwand kostet auch der Spargel, bevor er welches abwirft. Speziell der weiße. Neben der Anbringung des Tunnels für die frühe Sorte ist da das Abdecken jeder weißen Spargelbahn, sogar die im Tunnel, mit einer schwarz-weißen Folie. Im März und April zeigt die schwarze Seite gen Himmel und speichert Sonnenenergie. Schnellerer Wachstum ist das Ziel. Knallt später die Sonne aufs Feld, wird die Folie umgedreht und die weiße Seite reflektiert die Sonnenstrahlen.

„Die Reflexion lässt die Böden bei Hitze nicht so austrocknen“, liefert Ursula Funk den Grund. Die Kritik so manchen Naturschützers wegen des vielen Plastiks in Ehren: Bei steinhart getrockneten Spargelbalken sei es schwieriger, den delikaten Trieb freizulegen und zu stechen. Höhere Preise wären die Folge. Zudem unterdrücke die Folie ohne Anwendung von Chemie das Unkraut, was wiederum ein Plus in Sachen Umweltfreundlichkeit sei.

Für die weiße Frühsorte muss ein Arbeiter also jedes Mal Tunnel und Folie von den Bahnen ab- und nach dem Stechen wieder zudecken. Das hält auf und macht den frühen Spargel teurer als den späteren.

Die Putz-Schneide-Maschine wird von einem Langstädter Jugendlichen befüllt.

Liegen die Spargelstangen in der Erntekiste, ist allerdings noch nicht Schluss mit der Arbeit. Nun geht’s ans Säubern und Sortieren. Derzeit erledigen das Schüler aus dem Ort etwa zwei Stunden am Tag, später werden das die Helfer aus dem Ausland übernehmen, vier- bis fünfmal so lang. Grob vorgewaschen landet das Gemüse auf dem Förderband, für eine Fahrt durch die Waschanlage mit Bürsten und Wasserdüsen – und einem Messer, das es auf die korrekte Länge stutzt. Per Laser sortiert eine andere Maschine die Stangen nach Durchmesser.

Nun steht nur noch ein einstündiges Eisbad an – wieder für den Erhalt der weißen Farbe. Anschließend wird der Spargel feucht und kühl gelagert, bis er ins Funksche Hoflädchen oder den extra wegen Corona angeschafften Container im Hof kommt. Für in ein paar Wochen, wenn die Ernte richtig Fahrt aufnimmt und an die 40 Leute täglich auf die Felder ausschwärmen. Solange bis Johannistag ist. Am 24. Juni ist die Saison fertig. Dann dürfen alle Spargelpflanzen wild ins Kraut schießen und durch Fotosynthese Energie fürs nächste Jahr sammeln. (zkn)

Mehr Infos bauer-funk.de. Hofladen: täglich von 9.30 bis 19 Uhr.

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