Verein VSR-Gewässerschutz stellt Ergebnisse vor

Viel Nitrat im Brunnenwasser

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Auf dem Stadthallenparkplatz hatte das mobile Labor des VSR-Gewässerschutzes Anfang August Station gemacht.

Babenhausen - Teilweise viel zu hohe Nitratwerte in abgegebenen Brunnenwasserproben aus der Region hat der Verein VSR-Gewässerschutz festgestellt. Verantwortliche des Zweckverbandes Gruppenwasserwerk Dieburg differenzieren. Von Norman Körtge 

113 Milligramm Nitrat pro Liter – das ist der absolute Spitzenwert, denn der im gesamten Bundesgebiet tätige Verein VSR-Gewässerschutz (siehe Infokasten) bei einer Brunnenwasserprobe aus dem Schaafheimer Ortsteil Radheim festgestellt hat. Mit diesem Wasser sollten weder Planschbecken, noch Fischteiche befüllt werden. Schon gar nicht ist es zum Trinken geeignet, denn die Nitratkonzentration beträgt mehr als das Doppelte des Grenzwertes der deutschen Trinkwasserverordnung. Der liegt bei 50 Milligramm pro Liter. Insgesamt 90 Wasserproben aus privat genutzten Brunnen hatten, wie berichtet, Lina Remme, Mitarbeiterin im Bundesfreiwilligendienst, und Harald Gülzow, Projektleiter, Anfang August innerhalb von zwei Stunden auf dem Stadthallenparkplatz entgegengenommen. Sie stammten unter anderem aus Groß-Umstadt, Münster, Babenhausen, Rodgau und Seligenstadt. „In jeder vierten untersuchten Probe lag die Nitratkonzentration oberhalb des Grenzwertes der deutschen Trinkwasserverordnung“, berichtet nun Diplom-Physiker Gülzow. Weitere mit Nitraten stark verschmutzte Brunnen stellten die Umweltschützer in Sickenhofen mit 75 Milligramm pro Liter (mg/l), in Babenhausen mit 109 mg/l, in Harreshausen mit 71 mg/l, in Jügesheim mit 70 mg/l und in Mainflingen mit 69 mg/l fest.

Wird mit diesem Wasser ein Fischteich befüllt, besteht die Gefahr, dass es zu einer Massenvermehrung von Algen kommt. Abgestorbenen Pflanzen könnten anschließend zu Fischsterben führen. Wer mit zu stark nitratbelastetem Wasser seine Gemüsebeete wässert, muss darauf achten, dass keine Überdüngung stattfindet und es dadurch zu einer Nitratanreicherung im Gemüse kommt.

Als einen der Gründe für die hohen Belastungen führt der VSR die intensive Landwirtschaft an. Diese habe sich immer weiter ausgebreitet. Gleichzeitig konnte die umweltverträglichere Form der Landwirtschaft – der ökologische Landbau – kaum wachsen. Der ökologische Landbau aber habe weit strengere Vorschriften als in der Düngeverordnung festsetzt. Außerdem kommt es zu weitgehend geschlossenen Nährstoffkreisläufen, da die Zahl der Tiere sich an der Fläche orientiert, die dem Betrieb zur Verfügung steht. Nährstoffüberschüsse werden somit bestmöglich vermieden.

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Christoph Puschner vom Zweckverband Gruppenwasserwerk Dieburg (ZVG) mit Sitz in Hergershausen sieht auf Anfrage die Untersuchungsergebnisse des VSR differenzierter. Zum einen würden die Brunnen, aus denen das untersuchte Wasser stammt, auf privat genutzten Grundstücken liegen. Deshalb müssten sich auch die Besitzer hinterfragen, ob sie in der Vergangenheit nicht zu viel gedüngt haben. Außerdem sei nicht klar, wie das Brunnenwasser für die Probe entnommen worden sei. Darüber hinaus lägen die privaten Brunnen nicht sehr tief. Das mache das Wasser eben auch anfällig für Umwelteinflüsse. Daher auch die klare Aussage: Mit dem Trinkwasser, das aus dem ZVG-Leitungsnetz kommt, haben die Ergebnisse des VSG-Gewässerschutz rein gar nichts zu tun. Bernd Petermann vom Zweckverband Wasserversorgung Stadt und Kreis Offenbach hatte unlängst zum gleichen Thema gesagt: Die Tiefenbrunnen, aus denen das Wasser für die Haushalte gewonnen wird, liefern einwandfreie Messergebnisse. Petermann rät, das private Brunnenwasser auch immer auf Fäkalkeime zu prüfen.

Dennoch ist die Nitratbelastung auf jeden Fall ein Thema Der ZVG arbeitet bereits seit vielen Jahren mit den Landwirten der Region zusammen, um die Nitratbelastung durch das Düngen der Felder zu verringern. „Vorbeugender Grundwasserschutz“ nennt Puschner das. Dafür werden nach der Ernte Zwischenfrüchte wie Ackersenf, Ölrettich und das schön lila blühende Phacelia, umgangssprachlich besser bekannt als Bienenweide, ausgesät. Die Pflanzen sollen das noch im Erdreich befindliche Nitrat aufnehmen. In Feldversuchen wurde die Zusammenstellung der Saatgutgemische je nach Bodennutzung zuletzt immer weiter optimiert, so Puschner.

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