Vier Jugendliche treten gemeinsam als Below Minds auf

„Zu unserem Stil passt Garten perfekt“

Wo immer es geht, treffen sich die Bandmitglieder draußen im Freien. Sei es Terrasse, Garten oder Balkon. Hier probt Below Minds im Garten von Belas Eltern.
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Wo immer es geht, treffen sich die Bandmitglieder draußen im Freien. Sei es Terrasse, Garten oder Balkon. Hier probt Below Minds im Garten von Belas Eltern.

Vier Jugendliche aus Babenhausen und Altheim haben sich zusammengetan, um eine Band zu gründen. Als Below Minds haben sie - trotz Corona-Lockdowns - schon mehrere Auftritte hinter sich.

Babenhausen/Altheim – „Alle streben nach Erfolg und machen sich Druck, viel zu früh und viel zu jung.“ Davon handelt der neue Song Among Wolves. Die Wölfe darin stehen für die Menschen, der angeheulte Mond für den herbeigesehnten Erfolg. Zu finden ist das Stück bei Youtube und sämtlichen Streaming-Diensten. Hinter den nachdenklich sanften Tönen steckt die junge Band Below Minds, frei übersetzt mit „Unter dem Verstand“, was gut zu den vier jugendlichen Band-Mitgliedern passt, die mit viel intuitivem Bauchgefühl ihren Weg wählen:

die Schwestern Emely (16) und Tamara (17) Spies aus Hergershausen, Bela Schott (16) aus Altheim und Gabriel Jablonski (16) aus Babenhausen. Ihr Ziel ist es eher, Menschen zu berühren, statt Bewunderung zu erhaschen. Gerade erst haben sie ihren Wolf-Song aufgenommen. In einem kleinen, feinen Tonstudio der Nachbarschaft von Bela, bei Pabst Recordings von Florian Pabst. Zwei weitere Lieder sollen in den nächsten Wochen folgen.

„Einen Youtube-Kanal haben wir noch nicht“, sagt Emely. Der soll aber noch kommen. Elf selbst komponierte Song gibt es bereits: eigene Melodien und von ihnen verfasste Texte. Und so lang sind die Vier noch gar nicht zusammen. Erst seit April 2019, nachdem sie sich bei einem zweitägigen Songwriting-Workshop in Darmstadt getroffen und spontan als Musik-Team formiert haben. „Wir stellten schnell fest, dass wir musikalisch nah beieinander sind“, erzählt Tamara. Und dann sogar auch noch räumlich. „Tatsächlich sind wir uns vorher immer wieder über den Weg gelaufen, aber ohne uns bewusst wahrzunehmen“, sagt Emily lächelnd als ihr die Anekdote zu einem Foto einfällt, das sie mit ihren Freundinnen in der fünften Klasse gemacht hat. Ein Junge im Hintergrund störte – später erkannte sie, dass das Störenfried Bela war.

Aber zurück zum Songwriting-Workshop: Bela, Gitarrist und Schlagzeuger, und Gabriel, Keyboardspieler, sahen dahinter die Möglichkeit, zusammen etwas aufzunehmen. Und die Hergershäuser Schwestern – Tamara mit Gesang und Emily mit Gesang und Gitarre – wollten einfach gemeinsam kreativ sein. Dass sie nach den zwei Tagen Teil eines Band-Quartetts sein würden, hatte keiner der Vier vorausgesehen. Statt jeweils zu zweit schrieben sie dort also zu viert zwei Stücke. Eins davon durften sie aufnehmen. Bei BSB-Film, wo sonst unter anderem „Dein Song“ für den Fernsehsender Kika produziert wird. „Ein großes Studio“, findet Gabriel. Man spürt, dass ihm eine familiär gemütliche Atmosphäre besser liegt. Der persönlich direkte Draht zu den Menschen eben. Wie bei Auftritten auf Gartenfesten diesen Sommer. Oder bei dem vom Arthaus angeleierten Außer-Haus-Konzert im TSV Altheim-Biergarten am Samstag (wir berichteten).

„Zu unserem Stil passt Garten perfekt“, meint Tamara, und Emely ergänzt: „Oder ein angenehm kuscheliges Wohnzimmer mit Tee.“ Beim letzten Garten-Konzert, für das sie gebucht waren, haben Zuhörer bei manchen ihrer englischsprachigen Balladen richtig geweint, berichten sie gerührt. Ein traurig-schönes Gefühl des Verstanden-Werdens – für Interpret und Lauschenden gleichermaßen. „Natürlich hätten wir auch nichts gegen eine große Bühne mit Neonlicht“, wirft Bela ein. Klar, emotionale Berührung schließt Menschenmenge und Größe keinesfalls aus. Aber jeder sollte klein anfangen, ohne Druck und dafür mit Freude – wie in „Among Wolves“ besungen. Ihr erstes Konzert hatten die Vier ebenfalls bei einer Arthaus-Veranstaltung. Im Januar 2020. Dann kam Corona.

„Wir waren ja drei Haushalte und haben uns streng an die Vorgaben gehalten“, meint Emily. Auch beim zweiten Lockdown. Sechs Monate haben sie sich nicht gesehen. Und für eine gemeinsame Probe war ihnen die Zeitverzögerung über Videokonferenzdienste zu groß. Neue Texte und Musik zu schreiben, ging da schwer. Denn das ist etwas, das die Gruppe gern zusammen macht. „Tatsächlich ist fast jeder Song ein Gemeinschaftsprodukt“, erzählt Bela. „Meistens fängt es damit an, dass mir beim Rumklimpern auf der Gitarre ein paar schöne Akkorde auffallen. Die nehme ich auf und schick sie per Tonnachricht an die anderen.“ Irgendwann später hat dann Tamara eine Inspiration für den Text. „Sie und Bela sind die Kreativköpfe der Gruppe“, verrät Gabriel. Die Melodie entsteht dann, wenn alle zusammen sind.

Instrumentalist Bela, der mit Gabriel ab und zu auch stimmlich in den Gesang der Mädels eingreift, lässt für die ruhige Musik der Below Minds sein Schlagzeug ruhen und greift zur Kistentrommel Cajón. Im Gegensatz zu Emely lieben er, Tamara und Gabriel aber genauso die lauten, rockigen Klänge. Etwas, das die Drei bei der Cover-Band „Bad Behavior” der Babenhäuser Jugendförderung ausleben, die Steffen Huther leitet.

Die siebenjährige Schwester von Emely und Tamara schreibt ebenfalls schon eigene „Kinder-Quatschsongs“ und spielt Klavier. Und Freda, die neun Jahre alte Schwester von Bela, sucht gerade nach dem passenden Instrument für sich. Um den Nachwuchs vom musikalischen Nachwuchs muss einem also nicht bange sein: erst mal Tamara, Emely, Gabriel und Bela, die Below Minds entspannt auf ihrem Weg zum Abitur wuppen. Und dann mal sehen. Selbstverständlich alles ohne Druck und ohne Stress. (zkn)

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