Vogel Strauß als Hochzeitsgeschenk

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Stephanie Roth muss beim Füttern ihrer Strauße ihre rot gefärbten Haare verstecken. Denn die Tiere reagieren ebenso wie auf Silber auch auf Rot mit wildem Picken. Hier bekommen sie einen Eimer voll Mais, eine Art Süßigkeit für die Laufvögel.

Schaafheim ‐ Lange, schlanke, sich ständig bewegende Hälse: Sie sind immer öfter der Grund, warum Wanderer zwischen Schaafheim und Radheim einen Halt einlegen. Querfeldein stiefeln sie neugierig auch über Zäune und Absperrungen, um dem bizarren Anblick näher zu kommen. Von Katrin Görg

Dieser entpuppt sich beim Näherkommen als eine vierköpfige Bande geschickter Diebe. Geklaut wird alles, was gefällt und nicht niet- und nagelfest ist. Hüte, Brillen, Jackenknöpfe wechseln hier genauso wie alles, was silbrig glänzt, blitzartig den Besitzer. „Die meinen das nicht böse“, entschuldigt sich Stephanie Roth von der Straußenfarm Tannenhof für das ständige instinktive Picken ihrer gefiederten Schützlinge.

Bis vor wenigen Jahren war der Tannenhof noch ein Aussiedlerhof, wie man ihn sich allgemein vorstellt, mit Schweinezucht und Ackerbau. „Das Geschäft mit dem Schweinefleisch lohnt sich heute nicht mehr. Mein Großvater hat damit noch dreimal mehr verdient, als das, was mein Vater zuletzt unterm Strich raus hatte. Da mein Mann und ich den Hof von meinen Eltern übernehmen werden, wenn sie in Rente gehen, mussten wir umdenken. Es galt, eine zukunftsfähige Alternative zu finden“, erzählt Stephanie Roth. Derzeit ist sie noch als Erzieherin in Offenbach tätig, hängt diesen Beruf aber gern an den Nagel, sobald die noch in den Kinderschuhen steckende Straußenfarm genügend für den Familienbetrieb abwirft.

2009 ging dann alles ganz schnell

„Die Idee mit den Straußen hatte mein Vater schon vor Jahren, als ich noch klein war. Damals war es aber eher eine Spinnerei, die schnell wieder verworfen wurde“, erinnert sich Stephanie Roth, „2009 ging dann alles ganz schnell. Meine Eltern haben im Urlaub eine Straußenfarm besucht und sich in die Tiere verliebt.“ Das Quartett aus dem Männchen Bamburi und den Weibchen Sarai, Mara und Wanga zogen als Hochzeitsgeschenk für Stephanie und Tobias Roth-Blissé von einer befreundeten Farm in Bayern auf den Tannenhof. Dort leben sie nun in einer Kombination aus Weide und Stall, in der sie sich frei von drinnen nach draußen bewegen können. „Die meiste Zeit sind sie aber im Freien, bei Wind und Wetter – auch im Winter!“, weiß Stephanie Roth aus Beobachtung.

Die landläufige Meinung, dass Strauße immer Wärme bräuchten, weil sie aus Afrika stammen, sei irrtümlich, sagt sie: „Bis sie ausgerottet wurden, lebten sie auch in Europa. Von den afrikanischen Straußen weiß man, dass sie sich hauptsächlich in Bergregionen aufhalten, wo es kühler ist. Denn Hitze macht den Tieren mehr aus als Kälte, wogegen sie einfach eine dicke Fettschicht anlegen. Unsere Strauße fangen im Sommer bei 25 Grad an zu schwitzen. Dann stellen sie ihre Federn auf und hecheln.“ Sie räumt gleich mit einem weiteren Gerücht auf: „Dass Strauße ihren Kopf in den Sand stecken ist Quatsch. Das sieht nur so aus, wenn sie bei der Futtersuche auf dem Boden herum picken.“

Auf dem Speiseplan steht hauptsächlich Gras

Auf dem Speiseplan der Langhälse steht hauptsächlich Gras: „70 Prozent ihrer Tagesration besteht aus Gras. Die Menge, die sie an Körnern vertilgen, ist im Vergleich dazu verschwindend gering“. Dass so ein Vogel ordentlich reinhauen kann, lassen seine Zahlen erahnen. Ein ausgewachsenes Männchen schafft es auf 2,30 Meter Höhe und 150 Kilogramm Gewicht. Weibchen sind nur wenig kleiner und legen Eier von durchschnittlich 1,5 Kilogramm. Damit fallen die Tiere auch nicht mehr unter die Kategorie Geflügel, sondern gelten als Farmwild. „Deshalb müssen wir uns auch an bestimmte Tierschutz-Auflagen halten, das wird vom Veterinäramt kontrolliert“, erklärt Stephanie Roth. Dazu gehören das Absolvieren von Seminaren zur Haltung und Schlachtung der Laufvögel sowie festgelegte Größen für Stall und Weide.

Deshalb bittet Familie Roth alle Interessierten, sich vorher bei ihnen anzumelden. Das geht auf der Internetseite, per E-Mail unter straussenfarm-tannenhof@gmx.de, per Fax unter 06073 980615 oder auch unter Tel.: 06073 980774.

Stephanie Roth ist froh über die Neuorientierung: „Ich bin keine Landwirtin, mit Ackerbau kenne ich mich nicht aus. Deshalb war es wichtig etwas zu finden, in das ich reinwachsen kann.“ Beim Herstellen von verschiedenen Straußenprodukten kann sie außerdem ihre Kreativität ausleben: „Ich bemale Eier, verarbeite sie zu Lampen oder bastele Schmuck aus der Schale. Straußeneierlikör ist unsere erste kulinarische Spezialität.“ Fleisch gab es bisher noch keines zu erwerben. „Wir müssen erst noch warten, bis die Jungtiere ausgewachsen und schlachtreif sind“, so die Erklärung. Bis dahin will die Familie einen Hofladen aufgebaut haben. Straußensteaks- oder -filets sollen dann pro Kilo 20 bis 30 Euro kosten. Denn: „Straußenfleisch ist etwas Besonderes und wir sind kein Mastbetrieb.“

Schaulustige können schon jetzt Termine für Führungen über die Farm ausmachen. „Das ist mir viel lieber, als wenn plötzlich wildfremde Menschen auf unserem Grundstück stehen. Das ist nicht nur unangenehm, sondern auch gefährlich für Mensch und Tier. Der Besucher kann durch das Picken verletzt werden und das Tier möglicherweise mitgebrachtes Futter nicht vertragen.“

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